Vizeadmiral Jan Christian Kaack, Inspekteur der Deutschen Marine
Der Vizeadmiral Jan Christian Kaack, Inspekteur der Deutschen Marine, hat das Vorgehen der "Hessen" im Roten Meer gelobt. Bildrechte: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Drohnen abgewehrt Marinechef verteidigt Angriff der "Hessen" auf US-Drohne

29. Februar 2024, 13:58 Uhr

Die Fregatte "Hessen" hat ihren Einsatz im Roten Meer diese Woche mit einem Schuss auf eine US-Drohne begonnen – die aber verfehlt wurde. Der Inspekteur der Marine, Jan Christian Kaack, verteidigt den Einsatz. Auch Munitionsprobleme dementiert er.

Der Inspekteur der Deutschen Marine, Jan Christian Kaack, hat die Besatzung der Fregatte "Hessen" gegen Kritik verteidigt, nachdem das Kriegsschiff eine US-Drohne beschossen hat. "Da wurde wie im Lehrbuch vorgegangen. Die Drohne war eindeutig als feindlich klassifiziert. Ich hätte als Kommandant ganz genauso gehandelt", sagte Kaack der Deutschen Presse-Agentur.

Die Bundeswehr erklärte, die US-Drohne sei ohne Freund-Feind-Kennung und ohne eine Meldung im Kreise der Verbündeten in hoher Geschwindigkeit in das Einsatzgebiet der "Hessen" unterwegs gewesen, in dem sich zu diesem Zeitpunkt 15 zivile Handelsschiffe befunden hätten. Die Entscheidung zum Beschuss sei unter diesen Umständen nach den vereinbarten Regeln und nach Rücksprache mit den Befehlsstellen erfolgt.

Zweifel an Munitionsbeständen

Kaack, der den Rang eines Vizeadmirals bekleidet, dementierte außerdem, dass der "Hessen" ein Engpass bei der Munition droht. "Wir werden zeitnah Munition nachführen", sagte Kaack. Es werde ausreichend Munition vorhanden sein.

Der Flottenadmiral Axel Schulz, dem auch die "Hessen" untersteht, hatte hingegen im Gespräch mit dem NDR eingeräumt, dass nur für eine der drei Raketenarten an Bord Nachschub aus deutschen Depots geliefert werden könne. Sobald die Munition verschossen sei, müsse der Einsatz beendet werden. Der Zeitpunkt sei unklar.

An dieser Situation übte die Opposition Kritik. Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Florian Hahn, sagte der Zeitung "Die Welt", die Ampel-Koalition habe den Sachverhalt verschleiert. "Das Parlament hat also einen Einsatz beschlossen, ohne zu wissen, dass es offensichtlich ein Munitionsproblem der Fregattenklasse 124 gibt", sagte Hahn.

Der Verteidigungs-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, Christian Mölling, sagte MDR AKTUELL, die deutsche Marine sie auf einen Einsatz wie im Roten Meer nicht vorbereitet. Solche Einsätze seien reine Theorie gewesen. Deshalb sei in den vergangenen 30 Jahren an allem gespart worden. Es fehle nicht nur an Munition, sondern auch an Personal. Im Kriegsfall könnten nicht einmal alle Marineschiffe gleichzeitig sicher eingesetzt werden.

Erste Abschüsse von Huthi-Drohnen

Am Dienstagabend schoss die "Hessen" nach Angaben des Verteidigungsministers erstmals Drohnen der jemenitischen Huthi-Miliz ab. Am Dienstagabend habe die Fregatte zunächst eine unbemannte Drohne erfasst und diese erfolgreich bekämpft. Etwa eine Viertelstunde später habe sich eine weitere Drohne auf das Schiff zubewegt, die ebenfalls habe abgeschossen werden können.

Die Fregatte ist nach Angaben der Bundeswehr am Wochenende im Einsatzgebiet eingetroffen. Der Bundestag hatte das Mandat zur Beteiligung der Bundeswehr an der EU-Mission am Freitag gebilligt. Dem Mandat zufolge kann sich die Bundeswehr mit bis zu 700 Soldatinnen und Soldaten an der Mission beteiligen.

Internationaler Einsatz

Neben den USA sind auch andere westliche Staaten wie Großbritannien an Einsätzen zur Abwehr der Angriffe beteiligt. An dem rein defensiv ausgerichteten Militäreinsatz zum Schutz der Handelsschifffahrt sind 18 Länder dabei. Neben Deutschland schicken unter anderem Belgien, Italien und Frankreich Schiffe ins Rote Meer.

Die Huthi-Rebellen wollen mit ihren Angriffen auf Handelsschiffe das Ende israelischer Kampfeinsätze im Gazastreifen erzwingen.

dpa/AFP (lik, akq, ala)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 28. Februar 2024 | 08:00 Uhr

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