Mahmoud Abbas Abu Mazen bei einer Diskussion
Bei der Eröffnung eines Wirtschaftsforums in Saudi-Arabien bezeichnete der palästinensische Präsident Mahmud Abbas die Zerstörung im Gazastreifen als beispiellos. Bildrechte: IMAGO/APAimages

Krieg in Nahost Abbas spricht von beispielloser Zerstörung im Gazastreifen

28. April 2024, 18:19 Uhr

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat Israel für sein Vorgehen im Gazastreifen bei der Eröffnung einer Wirtschaftskonferenz in Saudi-Arabien scharf kritisiert. Bei dem zweitägigen Treffen werden auch Beratungen westlicher und arabischer Außenminister über die Situation in Gaza erwartet. Derweil gibt es von Israel ein neues Angebot für eine Feuerpause. Die islamistische Terrororganisation Hamas hat für morgen eine Antwort angekündigt.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat Israel scharf für sein Vorgehen im Gazastreifen kritisiert. Was in Gaza geschehe, habe es noch nie gegeben, "nicht einmal im Zweiten Weltkrieg in Deutschland", sagte Abbas am Sonntag in Saudi-Arabien bei der Eröffnung des Open Forums, einer zweitägigen Wirtschaftskonferenz des Weltwirtschaftsforums (WEF), in Riad. Die Reaktion Israels auf den Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober vergangenen Jahres bezeichnete Abbas als unverhältnismäßige Rache. Tatsächlich trage Israel diese Rache am palästinensischen Volk aus.

Gleichzeitig rief der Palästinenspräsident die USA dazu auf, eine israelische Bodenoffensive in Rafah zu verhindern. "Wir appellieren an die Vereinigten Staaten, Israel aufzufordern, den Einsatz in Rafah zu unterlassen, denn Amerika ist das einzige Land, das Israel daran hindern kann, dieses Verbrechen zu begehen."

Bei dem Angriff der Hamas im vergangenen Oktober hatten islamistische Kämpfer etwa 1.170 Menschen in Israel getötet und rund 250 weitere Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Beratungen westlicher und arabischer Außenminister erwartet

Außenminister westlicher und arabischer Staaten wollen am Rande der Konferenz in Riad über die Lage im Nahost-Krieg beraten. Dazu werden unter anderem die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock sowie der amerikanische Außenminister Antony Blinken erwartet. Auch die Außenminister Großbritanniens, Ägyptens, Jordaniens und Saudi-Arabiens sollen an dem Treffen teilnehmen. Dem WEF-Präsidenten Børge Brende zufolge wird Israel nicht an den Veranstaltungen teilnehmen. Die Gespräche über die Lage im Gazastreifen sind für Montag geplant. Aus Diplomatenkreisen in Riad hieß es, Palästinenserpräsident Abbas wolle sich am Rande des Wirtschaftsforums mit Spitzenpolitikern treffen..

Brende: Neuer Schwung in Gesprächen über Geiseln

Der WEF-Präsident Brende sagte: "Es gibt etwas Bewegung in den Gesprächen über die Geiseln und für einen möglichen Weg aus der Sackgasse, in der wir uns befinden." Saudi-Arabiens Außenminister Faisal bin Farhan habe eine "gute Gruppe" versammelt, sagte Brende vor Journalisten. Es werde natürlich auch Diskussionen über die humanitäre Lage im Gazastreifen geben, zudem würden regionale Aspekte einschließlich des Irans besprochen. Das Treffen könne "sehr wichtig werden".

Hamas prüft neuen Vorschlag für Waffenruhe

Israel hatte der radikalislamischen Hamas am Samstag ein neues Angebot für eine Waffenruhe im Gaza-Krieg unterbreitet. Dabei geht es auch um die Freilassung weiterer Geiseln. Wie es aus Sicherheitskreisen hieß, soll am Montag eine Delegation der Hamas nach Kairo reisen. Dort wolle die Delegation, angeführt vom ranghohen Funktionär Chalil al-Haja, ihre Antwort auf den Vorschlag übergeben. Die Gespräche darüber liefen positiver als zuvor. Derzeit befinden sich noch 129 von den ursprünglich 250 Geiseln in der Gewalt palästinensischer Organisationen im Gazastreifen. Israelischen Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem aktuellen Vorschlag um ein begrenztes Abkommen. Dieses sieht die Freilassung einiger weiblicher, älterer sowie kranker Geiseln vor.

Israel setzt die Hamas bei den indirekten Verhandlungen zunehmend unter Zeitdruck und droht weiter mit der angekündigten Bodenoffensive in der Stadt Rafah. Sollte ein Geisel-Deal zustande kommen, sei Israel jedoch bereit, die Offensive zu verschieben, erklärte der israelische Außenminister Israel Katz. In die Stadt waren in den vergangenen Monaten mehr als 1,5 Millionen Menschen geflüchtet. Nach Angaben der israelischen Regierung sollen sich dort noch vier Bataillone der Hamas befinden.

dpa, afp (mbe)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 28. April 2024 | 17:00 Uhr

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