Russland Michail Gorbatschow ist tot

Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren nach langer schwerer Krankheit. Politiker in Deutschland und weltweit würdigten den Friedensnobelpreisträger als Wegbereiter für die Deutsche Einheit.

Michael Gorbatschow
Der Tod von Michail Gorbatschow löste weltweit Trauer aus. Bildrechte: IMAGO / SNA

  • Gorbatschow galt als Wegbereiter für das Ende des Kalten Krieges und die Deutsche Einheit.
  • Internationale Politiker würdigen Gorbatschow als großen Staatsmann.
  • Bundeskanzler Scholz sieht Demokratie in Russland gescheitert.

Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow ist tot. Wie das Zentrale klinische Krankenhaus in Moskau am Dienstagabend mitteilte, starb er im Alter von 91 Jahren nach langer schwerer Krankheit. Die Nachrichtenagentur Tass berichtet, Gorbatschow solle an der Seite seiner 1999 verstorbenen Ehefrau Raissa auf dem Friedhof des Neujungfrauenklosters in Moskau bestattet werden.

Gorbatschow galt als einer der Väter der Deutschen Einheit und als Wegbereiter für das Ende des Kalten Krieges. In den 1980er-Jahren hatte die Sowjetunion unter seiner Führung mit den USA wegweisende Verträge zur atomaren Abrüstung und Rüstungskontrolle geschlossen. Im Land selbst leitete Gorbatschow mit seiner Politik von Glasnost und Perestroika (Offenheit und Umgestaltung) einen beispiellosen Reformprozess ein.

1990 erhielt er den Friedensnobelpreis. Am 25. Dezember 1991 trat er als Präsident der Sowjetunion zurück, nachdem die Präsidenten der Teilrepubliken Russland, Ukraine und Belarus, Boris Jelzin, Leonid Krawtschuk und Stanislaw Schuschkewitsch, das Ende der UdSSR erklärt hatten. Bis zu seinem Tod setzte sich Gorbatschow in seiner politischen Stiftung für eine Annäherung Russlands an den Westen ein. Während Gorbatschow im Westen hoch angesehen war, war er in seiner Heimat umstritten. Viele Russen lasteten ihm den Zusammenbruch der Sowjetunion und das Chaos nach dem Ende des Kommunismus an.

Putin: Gorbatschow hatte Einfluss auf die Weltgeschichte

Der russische Präsident Wladimir Putin kondolierte Gorbatschows Familie und sprach sein Beileid aus. In seinem Schreiben erklärte er, Gorbatschow sei "ein Politiker und Staatsmann" gewesen, "der einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Weltgeschichte hatte". Gorbatschow habe "unser Land durch eine Zeit komplexer und dramatischer Veränderungen und großer außenpolitischer, wirtschaftlicher und sozialer Herausforderungen geführt".

Weltweite Trauer um Gorbatschow

Politiker in aller Welt würdigten Gorbatschow. UN-Generalsekretär Antonio Guterres nannte den Friedensnobelpreisträger einen einzigartigen Staatsmann, der den Lauf der Geschichte verändert habe. Gorbatschow habe mehr als jeder andere dazu beigetragen, den Kalten Krieg friedlich zu beenden. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verwies auf seine Rolle beim Fall des Eisenern Vorhangs in Europa. Gorbatschow habe den Weg für ein freies Europa geebnet.



US-Präsident Joe Biden erklärte, Gorbatschow sei ein "Mann mit außergewöhnlicher Weitsicht" gewesen und "Anführer, wie es ihn selten gibt". Er habe die Welt "sicherer" gemacht. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron bezeichnete Gorbatschow als "Mann des Friedens, dessen Entscheidungen den Russen den Weg zur Freiheit eröffnet haben".

Scholz: Demokratie in Russland gescheitert

Bundeskanzler Olaf Scholz nannte Gorbatschow einen mutigen Reformer. Der ehemalige sowjetische Staatschef habe vieles gewagt, sagte Scholz am Rande der Kabinettsklausur auf Schloss Meseberg in Brandenburg. Seine Politik habe es möglich gemacht, "dass Deutschland vereint werden konnte und der Eiserne Vorhang verschwunden ist". Auch Russland habe dank Gorbatschow den Versuch unternehmen können, eine Demokratie zu etablieren. Nun sei er in einer Zeit gestorben, "in der nicht nur die Demokratie in Russland gescheitert ist", sondern in der der russische Präsident Wladimir Putin auch neue Gräben in Europa ziehe.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte in einem Kondolenzschreiben, Gorbatschow habe eine große Vision von einem gemeinsamen und friedlichen Haus Europa gehabt. In den vergangenen Jahren habe er darunter gelitten, dass sein Traum in immer weitere Ferne gerückt sei. Nach dem brutalen Angriff Russlands auf die Ukraine liege der Traum nun in Trümmern.

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, Gorbatschow habe Weltgeschichte geschrieben. Er habe vorgelebt, "wie ein einzelner Staatsmann die Welt zum Guten verändern kann". Ohne Gorbatschows Mut "zu Glasnost und Perestroika, also zu Offenheit und Umbau, wäre auch die friedliche Revolution in der DDR nicht möglich gewesen".

dpa, AFP (aju)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 31. August 2022 | 06:00 Uhr

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