Ein Pfarrer mit der Bibel in der Hand. 4 min
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Pfarrermangel in Mitteldeutschland Kirche sucht Personal

25. August 2023, 14:45 Uhr

Die Kirche soll im Dorf bleiben, doch immer öfter fehlen eine Pfarrerin oder ein Pfarrer. Der Fachkräftemangel ist auch unter den Geistlichen angekommen. Für die Menschen in vielen Orten Mitteldeutschlands hat das Folgen: Ihnen fehlt ein Ansprechpartner für die Seelsorge, für Beerdigungen und Taufen – oder eine Predigerin im Gottesdienst. Da geht es der evangelischen Kirche nicht anders als der Wirtschaft oder dem Staat. Und auch sie muss sich etwas einfallen lassen, um Mitarbeiter zu gewinnen.

Die Kirche von Ebersbach quillt fast über an barocker Pracht: Am gemalten Wolkenhimmel fliegen Engel, unzählige Bilder erzählen biblische Geschichten – aber vor dem Altar steht dieser Tage kein Pfarrer, sondern ein Arzt. Hans-Georg Pampel ist eigentlich Orthopäde – jetzt muss er in seiner Kirche aushelfen: "Ich wäre selbst nicht auf die Idee gekommen, wenn genügend Pfarrer da wären, die hier Gottesdienste halten. Aber für mich ist es ganz wichtig, dass der Gottesdienst am Ort bleibt und auch einigermaßen regelmäßig stattfinden kann", so der Mediziner.

Pfarrermangel
Barocke Pracht in der Kirche in Ebersbauch Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit einem halben Jahr hat die Kleinstadt-Gemeinde in der Oberlausitz keinen eigenen Pfarrer mehr. Dem Kirchgemeindevertreter Pampel fehlt am meisten der direkte Kontakt der Pfarrerin, des Pfarrers zu den Gemeindegliedern.

Für Antje Pech - bis Juli diesen Jahres Superintendentin des Kirchenbezirks Löbau-Zittau - stellt sich die Situation so dar, "dass die Pfarrstellen viele Jahre vakant sind beziehungsweise nicht mehr besetzt werden können." Ein Viertel der Pfarrstellen ist dort derzeit offen. In der gesamten sächsischen Landeskirche sind es 92 der rund 500 vollen Pfarrstellen.

In den Gemeinden der Mitteldeutschen Landeskirche in Thüringen und Sachsen-Anhalt sieht es nicht besser aus, weiß ihr Personaldezernent Michael Lehmann zu berichten: "Die Vakanzquote in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland beträgt zurzeit knapp acht Prozent. Das Beunruhigende ist, dass es Gebiete gibt, in denen dieser Durchschnitt überschritten wird. Es handelt sich um den Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen, Nordthüringen, da sind zwei Drittel der Stellen unbesetzt."

Kaum noch Bewerber für den Beruf des Pfarrers, der Pfarrerin

Die Zahl der Bewerber für eine Ausbildung zum Pfarrer geht seit Jahren zurück – nur vier waren es im letzten Jahr in der sächsischen Landeskirche, in der mitteldeutschen Kirche sind es immerhin 14. Selbst Kirchenmitarbeitenden erscheint ihr Beruf als kaum noch attraktiv, weiß die frühere Superintendentin Antje Pech – und das betrifft auch Gemeindepädagogen und Kirchenmusikerinnen.

Es gibt eine hohe Unzufriedenheit. Die resultiert aus den immer größeren Bereichen, für die man verantwortlich ist, aus wenig Wertschätzung, auch seitens der Arbeitgeber, vom Kirchenbezirk oder der Landeskirche.

Antje Pech, Referentin für Personalentwicklung

Auf dem ohnehin angespannten Arbeitsmarkt sucht nun die Kirche nach Fachkräften. Die Mitteldeutsche Kirche geht gezielt auf junge Menschen zu und auf Quereinsteiger, so ihr Personaldezernent.

Das scheint uns ein wichtiger Weg zu sein, nicht nur auf die jungen Menschen zu schauen, sondern auch auf die, die sich im Laufe ihres langen Berufslebens noch einmal umorientieren wollen.

Michael Lehmann, Personaldezernent

Mit neuen Ideen dem Fachkräftemangel entgegenwirken

In der sächsischen Landeskirche soll Antje Pech seit August als Referentin für Personalentwicklung dem Fachkräftemangel entgegenwirken. In ihrem Oberlausitzer Kirchenbezirk hat sie bereits neue Wegen zum Halten und Gewinnen von Mitarbeitenden erprobt: "Mitarbeitende bekommen Vergünstigungen, Unterstützung in der Koordination von Beruf, Freizeit und Familie. Es kommt darauf an zu vermitteln, was Mitarbeitende, die jetzt hier arbeiten oder neu dazukommen, für einen Sinn finden können bei der Arbeit in der Kirche. Was ist der Mehrwert, was gibt die Kirche Mitarbeitenden – nicht, wie bisher umgekehrt."

Pfarrerin, Gemeindepädagoge oder Kantorin zu sein – es gilt noch immer als Berufung. Das allein reicht aber auf der Suche nach den knappen Fachkräften offenbar längst nicht mehr aus. 

Kerze wird in einer Kirche angezündet
Neue Konzepte sind gefragt, damit das Licht des Glaubens nicht ausgeht. Bildrechte: colourbox.com

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Religion und Gesellschaft | 27. August 2023 | 10:00 Uhr