Vor einem bunten Abendhimmel steht im österreichischen Bregenz eine Marienstatue.
Prozession zu Maria Himmelfahrt im österreichischen Bregenz. Bildrechte: dpa

Was feiern katholische Christen zu Mariä Himmelfahrt? "Eine Frau, mit der Sonne bekleidet"

Am 15. August feiern die katholischen Christen ein sogenanntes Hochfest: Maria Himmelfahrt, auch Mariä Himmelfahrt genannt. Dann wird Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. In einigen Gegenden Bayerns und im Saarland, auch in Österreich und der Schweiz und anderen europäischen Ländern ist dieser Tag sogar gesetzlicher Feiertag und somit arbeitsfrei. Mit diesem Feiertag verbunden sind regional unterschiedliche Traditionen und Brauchtümer. Doch wo hat dieser Tag seine Wurzeln?

Vor einem bunten Abendhimmel steht im österreichischen Bregenz eine Marienstatue.
Prozession zu Maria Himmelfahrt im österreichischen Bregenz. Bildrechte: dpa

Die Himmelfahrt Marias wird in der Bibel nicht erwähnt. Überhaupt wissen wir aus den Evangelien nur wenig über das Leben der "Mutter Gottes", obwohl sie zu den bekanntesten Figuren des Christentums gehört. Die Evangelisten Lukas und Matthäus berichten von ihr in der Weihnachtsgeschichte, ansonsten ist sie in der Heiligen Schrift kaum zu finden, geschweige denn eine Himmelfahrt Mariens. Lediglich im Zusammenhang mit Pfingsten wird Maria in der Apostelgeschichte und im Johannesevangelium als Zeugin der Kreuzigung Jesu erwähnt. Nur in der Offenbarung des Johannes gibt es eine Anspielung auf den "Verbleib" der Gottesmutter:

Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: Eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.

Offenbarung des Johannes Kapitel 12, Vers 1

In der Kunst nennt man die Mariendarstellungen nach dieser Beschreibung übrigens Mondsichelmadonna. Die geringe Anzahl der biblischen Erwähnung der Gottesmutter, die mangelnde Quellenlage, ließ den Legenden um die "Jungfrau Maria" allen Raum. Der Mythos um die jungfräuliche Mutter Jesu, die Bewunderung dieser Frau und Mutter, wird zum Fundament für eine tiefe Marienverehrung in der römisch-katholischen Kirche.

Frühkirchliche Tradition

Museumsführerin erläutert Besuchern das Gemälde HIMMELFAHRT MARIA von Guido Reni in der ALTEN PINAKOTHEK während der LANGEN NACHT DER MUSEEN in München
Das Gemälde "Himmelfahrt Mariä", 1642, von Guido Reni in der Münchner Alten Pinakothek. Bildrechte: IMAGO

Der früheste schriftliche Bericht über Marias Aufnahme in den Himmel kommt aus Ägypten. Geschrieben wurde er vermutlich im 4. Jahrhundert. Die Ostkirchen feiern Maria Himmelfahrt bereits seit dem 5. Jahrhundert - allerdings unter anderem Namen, als Fest "Dormitio", "Entschlafung". In der Westkirche wird der Tag erst 300 Jahre später gefeiert. Doch schließlich ist das Fest "Mariä Himmelfahrt" in der gesamten christlichen Welt anerkannt und wird schnell zu einem der wichtigsten Feste im liturgischen Kalender der Kirche. In Deutschland wird Maria Himmelfahrt zum ersten Mal im Jahr 813 gefeiert. Es ist der oströmische Kaiser Mauritius, der schließlich das Fest auf den 15. August legt.

Je mehr das Fest an Bedeutung gewinnt, umso intensiver wird in den Quellen nach schriftlichen Berichten gesucht. Der Ort des Geschehens soll Ephesos oder aber Jerusalem gewesen sein. Unterschiedlich sind die Quellen auch, was die Bezeugung des Ereignisses durch die Apostel betrifft. Mal wird berichtet, dass die Apostel von Anfang an bei diesem Ereignis dabei waren, in anderen Quellen wiederum heißt es, dass der heilige Thomas erst später dazu kam und ihr Grab leer vorfand. Nicht ganz einig ist man sich darüber, ob Maria erst nach ihrem Tod in den Himmel aufgefahren ist - das lehrt die orthodoxe Kirche - oder aber, ob die heilige Jungfrau das ewige Leben schon hatte, bevor sie überhaupt gestorben ist.

Übrigens: Das Grab Mariens oder besser der Ort, an dem Maria "entschlafen" ist, soll in Jerusalem sein. In der Dormitio-Abtei auf dem Berg Zion leben heute deutsche Benediktiner.

Eines von vier Marien-Dogmen: Die leibliche Auferstehung der jungfräulichen Gottesmutter 

Die römisch-katholische Kirche hat in der Frage der leiblichen Auferstehung ein Dogma, also eine unfehlbare Entscheidung des Papstes für die römisch-katholische Glaubenslehre, erlassen. Das ist noch gar nicht so lange her. 1950 erklärte Papst Pius XII. die "leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel" zum verbindlichen Glaubensinhalt. In dem apostolischen Schreiben "Munificentissimus Deus" vom 1. November 1950 verkündet Pius XII: "Es ist eine von Gott geoffenbarte Glaubenswahrheit, dass die unbefleckte, immer jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes (expleto terrestris vitae cursu) mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen wurde."

Was bedeutet nun Himmelfahrt für katholische Christen? Maria ist direkt nach ihrem irdischen Leben in den Zustand gekommen, in den die anderen Menschen erst nach der Auferstehung am jüngsten Tag kommen werden. Das Symbol dahinter jedoch ist für die Gläubigen viel mehr als nur ein Glaubensstandpunkt: Wenn die als Mensch geborene Maria in den Himmel aufgenommen wird, dann kann das tatsächlich jedem Menschen widerfahren. Maria versinnbildlicht somit den erlösten Menschen.

Maria und ihr Glaubenszeugnis haben von Anfang an Kirchenlehrer und Päpste beschäftigt. Zwar ist das Dogma der Himmelfahrt Mariens das jüngste. Doch schon im Jahr 431 erhoben Geistliche auf dem Konzil von Ephesus zum Dogma, dass Maria nicht nur die Mutter des Menschen Jesus ist, sondern auch die Mutter Gottes. Dem folgte gut 100 Jahre später auf dem zweiten Konzil von Konstantinopel das Dogma, dass Maria vor und nach der Geburt Jesu jungfräulich blieb. 1854, tausend Jahre später, wird schließlich das Dogma erklärt, dass Maria nach ihrer Geburt frei von der Erbsünde ist. Aber nicht nur die Dogmen allein belegen den hohen Stellenwert Mariens im Festkreis des Kirchenjahres. Über das Jahr verteilt gibt es zwölf Marienfeste. Das wichtigste aber ist Maria Himmelfahrt.

Kräutersegnung

Mädchen in Tracht tragen in Kochel am See beim Kirchenzug ihre Kräuterbuschen.
Mädchen in Tracht tragen Kräutersträuße zur Kirche in Kochel am See. Bildrechte: dpa

Die Kräuterweihe zum Fest Maria Himmelfahrt ist ein Brauch, den es seit dem 8. Jahrhundert in Deutschland gibt. In ländlichen Gegenden, besonders in Süddeutschland, hat er sich bis heute gehalten. Die Anzahl der Kräuter, die in den Strauß gebunden werden, ist regional unterschiedlich. Sie schwankt zwischen sieben und 99. Sieben oder neun - zwei Zahlen mit biblischer Bedeutung, aber auch 12, 24, 72, 77 oder 99 sind bekannt.

Einige der Kräuter, die in einem solchen Strauß nicht fehlen dürfen, sind Johanniskraut, Wermut, Beifuß, Rainfarn, Schafgarbe, Königskerze, Tausendgüldenkraut, Eisenkraut, außerdem Wiesenknopf, Kamille, Thymian, Baldrian, Odermennig, Alant, Klee. Die geweihten Kräuter wurden im Haus oder im stall aufgehängt. Bei den Germanen gehörte das Sammeln von Kräutern zu ihren magischen Ritualen und war verbunden mit der Verehrung ihrer Götter. So könnte es durchaus möglich sein, dass sich diese Tradition aus dem heidnischen Kräuterglauben entwickelt hat.

Die Kräutersegnung zu Himmelfahrt ist auch in Mitteldeutschland ein Brauch, der lebendig ist. Alljährlich am Sonntag nach dem 15. August laden die Schwestern des Klosters St. Marienstern zu einer Ökumenischen Andacht mit anschließender Kräutersegnung und Kräuterfest ins Kloster nach Panschwitz-Kuckau ein.

Buchtipps Manfred Becker-Huberti und Ulrich Lota:
"Katholisch A-Z. Das Handlexikon"
Freiburg i.Br.: Herder Verlag 2009

Manfred Becker-Huberti u.a.:
"Maria. Ihr Leben, ihr Zeugnis, ihr Wirken"
Leipzig Benno Verlag 2012

Alfred Läpple:
"Kleines Lexikon des christlichen Brauchtums"
Augsburg: Pattloch Verlag 1996

Dieter Kremp:
"Die heilenden Kräuter der Jungfrau Maria. Mariensymbolik und christliche Pflanzen"
Leipzig: Engelsdorfer Verlag 2010

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2018, 13:55 Uhr