Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin
Bildrechte: MDR/János Krüger

25. November 2018 Der Totensonntag - Zeit der Erinnerung und Besinnung

In allen Kulturen spielt die Erinnerung an die Toten eine große Rolle. Das ist auch im Christentum der Fall. Die Reformatoren jedoch lehnten den katholischen Seelenkult ab. So fand das katholische Allerseelenfest im evangelischen Kirchenjahr keinen Platz. Ein Preußenkönig widmete der Totenerinnerung wieder einen offiziellen Gedenktag: Am Totensonntag, auch Ewigkeitssonntag genannt, gedenken die evangelischen Christen der Verstorbenen.

Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin
Bildrechte: MDR/János Krüger

Die evangelischen Christen in Deutschland und der Schweiz gedenken zum heutigen Totensonntag der Verstorbenen. Im Gottesdienst werden die Namen der Gemeindemitglieder, die in den vergangenen zwölf Monaten beerdigt wurden, verlesen und ein Kerzenlicht angezündet. Angehörige besuchen den Friedhof und schmücken das Grab. Der "stille" Gedenktag ist in Deutschland (außer in Hamburg) besonders geschützt. So gelten Einschränkungen bei öffentlichen Tanz-, Sport- und Musikaufführungen.

Rundgang Der Dorotheenstädtische Friedhof in Berlin

Der Friedhof mitten in Berlin ist nicht nur kunstgeschichtlich herausragend. Hier fanden zahlreiche Persönlichkeiten ganz unterschiedlicher Epochen ihre letzte Ruhetsätte - u.a. Hegel, Eisler, Brecht und Christa Wolf.

Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin
Der Dorotheenstädtische Friedhof in Berlin ist die letzte Ruhetsätte zahlreicher prominenter Persönlichkeiten, Künstler und Schriftsteller. Unter ihnen der Komponist und Dirigent Paul Dessau (1894-1979). Bildrechte: MDR/János Krüger
Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin
Die Gräber von Helene Weigel (1900-1971) und Bertolt Brecht (1898-1956). Die letzte Wohn- und Arbeitsstätte des Paares befand sich gleich in der Nachbarschaft des Friedhofs. Heute beheimatet das Brecht-Haus ein Literaturforum, das Brecht-Archiv und die Brecht-Weigel-Gedenkstätte. Bildrechte: MDR/János Krüger
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Herbert Marcuse (1898-1979), Philosoph und Mitbegründer des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt/Main wurde erst 25 Jahre nach seinem Tod hier beigesetzt. Bildrechte: MDR/János Krüger
Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin
Ansicht des Dorotheenstädtischen Friedhofs in Berlin/Mitte in der Chausseestraße 126/127. Hier befinden sich neben den aufgeführten auch die Grabstätten von Bärbel Bohley, Heinrich Mann, Heiner Müller, Johannes Rau (Ehrengrab), Arnold Zweig, Hans Mayer und Johannes R. Becher. Bildrechte: MDR/János Krüger
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Der Dorotheenstädtische Friedhof in Berlin ist die letzte Ruhetsätte zahlreicher prominenter Persönlichkeiten, Künstler und Schriftsteller. Unter ihnen der Komponist und Dirigent Paul Dessau (1894-1979). Bildrechte: MDR/János Krüger
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Historische Grabmale, kunstvolle Obelisken und Stelen erinnern in einer Parkanlage auf 17.000 Quadratmetern an die Toten. Hier das Grab des Philosophen Georg Friedrich Wilhelm Hegel (1770-1831). Bildrechte: MDR/János Krüger
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Hegel befindet sich in guter Gesellschaft neben dem "Bonaparte der Philosophie", Johann Gottlieb Fichte (1762-1814), der hier auch seine letzte Ruhe fand. Bildrechte: MDR/János Krüger
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Der Dorotheenstädtische-Friedrichswerdische Friedhof wurde 1762 eröffnet und mehrfach erweitert. Hier das Grabmal des Fotomontagekünstlers und Grafikers John Heartfield und seiner Frau Gertrude Heartfield. Bildrechte: MDR/János Krüger
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Das Grabmal von Hanns Eisler (1898-1962) Bildrechte: MDR/János Krüger
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Die letzte Ruhestätte der Schriftstellerin Anna Seghers (1900-1983) Bildrechte: MDR/János Krüger
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Der Schauspieler Ekkehard Schall (1930-2005) Bildrechte: MDR/János Krüger
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Das Grab von Schauspieler Erwin Geschonneck (1906 2008), bekannt aus Filmen wie "Karbid und Sauerampfer" , "Nackt unter Wölfen" und "Jakob der Lügner". Bildrechte: MDR/János Krüger
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Das Grab von Fritz Teufel (1943-2010), 1968er-Aktivist und Mitbegründer der Kommune 1, mit der Inschrift "Wenn's der Wahrheitsfindung dient". Diese Bemerkung, die er 1967 gegenüber einem Richter äußerte, wurde zum geflügelten Wort. Bildrechte: MDR/János Krüger
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Das Grab des 1965 in Borna geborenen Schauspielers Sven Lehmann (gest. 2013), bekannt u.a. aus den Filmen "Weissensee" und "Nacht über Berlin". Bildrechte: MDR/János Krüger
Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin
Das Grab des Fotografen Roger Melis (1940-2009), u.a. bekannt durch seine DDR-Modefotografie und Bildbände im Lehmstedt-Verlag. Bildrechte: MDR/János Krüger
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Die Gräber der Fotografen Arno Fischer (1927-2011) und Sibylle Bergmann (1941-2010). Bildrechte: MDR/János Krüger
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Das Grab von Schauspieler Otto Sander (1941-2013). Zu seinen bekanntesten Filmen zählen "Der Himmel über Berlin" von Wim Wenders sowie "Das Boot" von Wolfgang Petersen. Otto Sander arbeitete auch als Sprecher für MDR-Hörfunkproduktionen. Bildrechte: MDR/János Krüger
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Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin
Das Grab von Schauspieler Otto Sander (1941-2013). Zu seinen bekanntesten Filmen zählen "Drer Himmel über Berlin" von Wim Wenders sowie "Das Boot" von Wolfgang Petersen. Otto Sander arbeitete auch als Sprecher für MDR-Hörfunkproduktionen. Bildrechte: MDR/János Krüger

Ende des Stillen Monats und des Kirchenjahres

Dieser Tag fällt auf den letzten Sonntag vor dem Ersten Advent und bezeichnet auch das Ende des Stillen Monats November, der zur Besinnung und Buße dient, bevor das neue Kirchenjahr beginnt. Dieses Datum ist nicht zufällig gewählt: So spricht man auch vom "Ewigkeitssonntag", um am Ende des Kirchenjahres auf die Ewigkeit Gottes aufmerksam zu machen. Das heißt, den Lebenden soll die Angst vor dem Sterben genommen werden, denn der Tod ist nicht das letzte Wort Gottes. Das Ende des Jahres ist zwar unwiederbringlich, doch ein Neuanfang steht bevor. Zugleich werden wir daran erinnert, dass unser menschliches Leben nicht endlos ist.

Totengedenken statt Totenkult

Die Reformation lehnte den Totenkult und das Gebet zu Toten ab, wie er in der katholischen Kirche zu Allerseelen praktiziert wird. Die Bibel selbst sieht keinen besonderen Tag für das Totengedenken vor, Trauer dagegen ist erwünscht und wird akzeptiert. Und so wurde dafür der letzte Tag des Kirchenjahres zum Gedenken eingeführt.

Wenn sie aber zu euch sagen: Ihr müsst die Totengeister und Beschwörer befragen, die da flüstern und murmeln, so sprecht: Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen? Oder soll man für Lebendige die Toten befragen?"

Jesaja 8,19

Zur großen Verbreitung als Gedenktag trug König Friedrich Wilhelm III. von Preußen bei. Er ordnete im November 1816 für die evangelischen Kirchen auf preußischem Territorium an, dass dieser Tag zum "allgemeinen Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen" erhoben wird. Auch außerhalb Preußens kam das Gedenken in Mode und wurde später von den anderen protestantischen Kirchen übernommen. Ein genaues Motiv für die Einführung ist unbekannt. Vermutlich spielen die vielen Opfer der Befreiungskriege (1813-1815) ein Rolle, die Trauer um die 1810 verstorbene Königin Luise oder auch das Todesmotiv der deutschen Romantik.

Kolossaldenkmal für Koenig Friedrich Wilhelm III. von Preussen von Gustav Bläser
Reiterstatue von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1797-1840) auf dem Kölner Heumarkt. Bildrechte: IMAGO

Von Gott geläutert und gereinigt

Seit dem Mittelalter stehen die drei letzten Sonntage des Kirchenjahres im Zeichen der "Letzten Dinge" - Tod, Jüngstes Gericht und Ewiges Leben. Das katholische Pendant des evangelischen Totengedächtnisses, das Allerseelenfest, findet am drittletzten Sonntag statt. Nach römisch-katholischer Tradition sollen Gebete, Fürbitten und "Messopfer" der Lebenden die Zeit verkürzen, die die Armen Seelen im Fegefeuer - einem mit Qualen verbundenen "Reinigungsort" auf dem hoffnungsvollen Weg in den Himmel - verbringen. Der Ursprung des Allerseelenfestes liegt etwa im vierten Jahrhundert. Während die Märtyrerverehrung zunahm, fand sich kaum Zeit für das Gedenken der unbekannten Toten.

Gericht über die Lebenden und die Toten

Nichtsdestotrotz wird am letzten Sonntag des Kirchenjahres auch die Erwartung des Jüngsten Tages thematisiert. Der Jüngste Tag, auch das Jüngste Gericht, ist nach christlicher, jüdischer und islamischer Auffassung das göttliche Gericht über die Lebenden und Toten. Gott entscheidet dabei über ewiges Leben und ewige Verdammnis. Dieses Weltgericht ist als Anmahnung des herannahenden Ereignisses zu verstehen und vom sogenannten Partikulargericht, das über das Schicksal des Einzelnen nach dem Tod richtet, zu unterscheiden.

Religion

Memento mori Impressionen vom Leipziger Südfriedhof

Er gilt als einer der größten und schönsten Parkfriedhöfe in Deutschland. Unzählige Leipziger Persönlichkeiten fanden hier ihre letzte Ruhestätte, darunter Lene Voigt und die Ullsteins. Ein Gang durch die Arkaden.

Impressionen vom Leipziger Südfriedhof
Bildrechte: Janos Krueger/MDR
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