Grabstelle mit Bild eines jungen Soldaten.
Bildrechte: Matthias Müller

100 Jahre Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Den Gefallenen eine Identität geben

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge kümmert sich im Auftrag der Bundesregierung um die Gräber deutscher Kriegstoter im In- und Ausland. Außerdem betreibt er Nachforschung zur Identifizierung Gefallener. Die humanitäre Organisation wurde 1919 von heimkehrenden Soldaten des Ersten Weltkrieges gegründet.

Grabstelle mit Bild eines jungen Soldaten.
Bildrechte: Matthias Müller

Es waren die Erschütterungen des Ersten Weltkrieges, die vor 100 Jahren zur Gründung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge führen. Unter dem Eindruck des unvorstellbaren Ausmaßes an Zerstörung und Leid entstehen im gesamten Reichsgebiet Landes-, Bezirks- und Ortsverbände des Volksbundes, um die im Ausland gefallenen Soldaten zu bergen und Friedhöfe anzulegen. Da viele Kriegstote nicht mehr aufgefunden werden und somit auch kein Grab erhalten, errichtet man in ihren Heimatgemeinden Denkmale zu ihrem Erinnern.

Von der Volkstrauer zum "Heldengedenken"

Während der NS-Diktatur tritt die Trauer um die Gefallenen mehr und mehr in den Hintergrund. Versöhnung und Verständigung zwischen den Völkern wird jetzt als "überholte pazifistische Idee" gesehen. Der bis dahin von der Kriegsgräberfürsorge getragene Volkstrauertag wird nun zum "Heldengedenktag" umgewidmet. Von nun an ist Propagandaminister Joseph Goebbels für seine Gestaltung zuständig. Der damalige Bundesführer des Volksbundes, Siegfried Emmo Eulen, wendet sich 1934 dennoch voller Begeisterung an den Reichskanzler Adolf Hitler: 

Den vom Volksbund 1920 eingeführten und in den 14 Jahren der Schmach und Schande erkämpften Gedenktag für unsere Gefallenen haben Sie, mein Führer, im neuen Reich als Heldengedenktag zum gesetzlichen Staatsfeiertag erhoben. Hiermit ist das große Ziel unserer inneren Arbeit verwirklicht worden […]

Siegfried Emmo Eulen

Ein Jahrzehnt später tobt der Zweite Weltkrieg, der am Ende vielen Menschen das Leben kosten wird.

Aufgaben im Nachkriegsdeutschland

1952 überträgt die Bundesregierung der Organisation die Fürsorge für deutsche Kriegstote im Ausland. Es können Abkommen mit den entsprechenden westlichen Ländern geschlossen werden, die das dauerhafte Ruherecht der Kriegstoten sichern. Die Kriegsgräberfürsorge errichtet auch zahlreiche Sammelfriedhöfe in ganz Europa und Nordafrika, die Angehörigen einen Ort des Gedenkens geben.

Nach dem Fall der Mauer kann der Volksbund auch in den neuen Bundesländern seine Arbeit aufnehmen. So auch im brandenburgischen Halbe: Der Waldfriedhof, einst gegründet von Pfarrer Ernst Teichmann, ist heute der Obhut der Kriegsgräberfürsorge unterstellt. Er ist die letzte Ruhestätte von über 24.000 Menschen, die bei der Kesselschlacht nahe Halbe ums Leben kamen. Dass seine Arbeit als Umbetter hier noch lange nicht abgeschlossen ist, weiß Joachim Kozlowski. Der Mitarbeiter der Kriegsgräberfürsorge Brandenburg schätzt, dass noch immer tausende Gefallene in den umliegenden Wäldern von Halbe ruhen.

Zusammenarbeit gefragt

Nach eigenen Angaben betreut der Volksbund heute 832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten mit etwa 2,8 Millionen Kriegstoten. In seinem Dienst stehen mehrere tausend Ehrenamtliche und mehr als 560 hauptamtliche Mitarbeiter. Die Kriegsgräberfürsorge arbeitet mit dem Bundesarchiv in Berlin zusammen und greift bei Nachforschungen zur Idendifizierung von Toten auch auf dessen Datenbestände zurück. Der Volksbund kooperiert außerdem mit anderen Suchdiensten, beispielsweise dem Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes.

Heute richtet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bundesweit wieder den Volkstrauertag aus. Ein Tag des Gedenkens und der Mahnung zum Frieden.

Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Bundesgeschäftsstelle
Werner-Hilpert-Straße 2
34117 Kassel

Telefon: +49 561 7009-0
Telefax: +49 561 7009-221

E-Mail: info(at)volksbund.de

Für die Personen- und Ahnenforschung: Bundesarchiv
Eichborndamm 179
13403 Berlin
Tel.: 030/41904-440
Fax: 030/41904-155

www.bundesarchiv.de

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 19. September 2019 | 22:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2019, 05:00 Uhr