Ein Feld mit Wolken zum Abend.
Siebenschläfer - ein Tag und Glaubensfragen Bildrechte: IMAGO

Der 27. Juni als Frage des Glaubens Woran die Legende vom Siebenschläfer erinnert

Der Siebenschläfertag hat nichts mit dem gleichnamigen Tier zu tun. Am 27. Juni erinnern die Christen an eine Legende um sieben Kinder, die eingemauert in einem Unterschlupf 195 Jahre überlebt haben sollen. Und was hat diese Legende mit dem Wetter zu tun?

Ein Feld mit Wolken zum Abend.
Siebenschläfer - ein Tag und Glaubensfragen Bildrechte: IMAGO

Es ist das Jahr 251 nach Christi Geburt. Die Legende erzählt, dass die sieben frommen Jünglinge aus ihrer Heimatstadt Ephesus fliehen müssen. Die Häscher des Kaisers Decius verfolgen sie, weil sie Christen sind. In einer nahe gelegenen Höhle verstecken sich die Kinder. Doch ihre Verfolger finden ihr Versteck und mauern sie in der Höhle ein. Erst 195 Jahre später - am 27. Juni 446 - werden sie durch einen Zufall wieder entdeckt. Das Wunder: Sie sollen 195 Jahre geschlafen haben. Nach ihrer Wiederentdeckung wachten sie auf, um ihren Glauben an die Auferstehung zu bekennen und starben bald danach.

Koran und Tasbih in einer Nahaufnahme
Von der Auferstehung der sieben Jünglinge erzählt auch der Koran. Bildrechte: IMAGO

Die Verehrung dieser sieben christlichen Jünglinge - ihre griechischen Namen: Achillides, Diomedes, Eugenios, Kyriakos, Probatos, Sabbatios und Stephanos - lateinisch: Constantinus, Dionysius, Johannes, Malchus, Martinianus, Maximianus und Serapion - ist schon im 5. Jahrhundert literarisch festgehalten. Zunächst in der Ostkirche - in syrischen und griechischen Varianten. Die erste lateinische Übersetzung stammt von Gregor von Tour (538-594). Die Geschichte der sieben Jünglinge findet sich auch im Koran wieder (18. Sure). Diese erzählt von den "sieben Brüdern" - als Zeugen einer geheimnisvollen Auferstehung.

Wallfahrtsorte von Passau bis Ephesus

Einer der vielen Siebenschläfer-Wallfahrtsorte liegt in Rotthof bei Passau. Dort hat man im Barock sogar die Höhle nachgebaut. Die Siebenschläfer-Kirche in Vieux-Marché in Frankreich wird von muslimischen Pilgern besucht. Die meistbesuchte Siebenschläfer-Wallfahrtsstätte der Welt liegt in der heutigen Türkei, in Ephesus. Dort entdeckten Archäologen 1926 tatsächlich eine Höhlengrabstätte, die mit der Legende in Verbindung gebracht wird.

Was die Legende mit dem Wetter zu tun hat

Ist der Siebenschläfer nass,
regnet's ohne Unterlass.

So wie sich das Wetter am Siebenschläfertag zeigt, so soll es die kommenden sieben Wochen bleiben, heißt es im Hundertjährigen Kalender: "Altes naturphilosophisches Wissen, angewandt auf unsere modernen Gegebenheiten," ist laut Vorwort zu erwarten.

Der Hundertjährige Kalender ... ... ist die Erfindung eines Thüringers. Der Arzt Christoph Hellwig aus Tennstedt gibt im Jahr 1700 den ersten Hundertjährigen Kalender mit dem Namen "Hundertjähriger Kalender, welcher von 1700 bis 1800 gestellt ist, und erkläret, wie ein jeder Hausvater sein Hauswesen mit Nutzen einrichten und von Frucht und Unfruchtbarkeit jeden Tag und jeden Monat nach jedes Planeten Würdigung partizipieren kann" heraus. Das Buch wird ein Bestseller – bis heute.

Hellwig ist allerdings nicht der Verfasser, sondern er hat ein vergessenes Manuskript unter seinem Namen publiziert. Es ist das Wissen des Mauritius Knauer. Knauer, Abt eines Klosters bei Bamberg, wurde 1614 geboren und war leidenschaftlicher Naturforscher. Zu Knauers Zeiten wurden die sieben Planeten für das Wetter verantwortlich gemacht, das waren damals neben Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn auch die Sonne und der Mond. Uranus, Neptun und Pluto wurden erst später entdeckt. Mauritius Knauer beobachtete das Wetter und Himmelserscheinungen wie Sternschnuppen, Kometen und Mondfinsternisse und schrieb alles auf. Seine These: Das Wetter wiederholt sich im Sieben-Jahres-Zyklus.

Wissenschaftler kritisierten den Hundertjährigen Kalender von Anfang an. Aber das stört die Leser nicht, die Popularität ist ungebrochen. Später kamen noch Kapitel über die Traumdeutung, über Ross- und Vieh-Arzneien und etliche Bauernregeln dazu.

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2018, 16:13 Uhr