Schullaufbahnerklärung Weiterführende Schulen in Magdeburg: Wohin nach der Grundschule?

Janine Wohlfahrt
Bildrechte: MDR/Luca Deutschlaender

Im Februar gibt es Halbjahreszeugnisse. Für Eltern von Viertklässlern ein wichtiger Termin: Denn sie müssen sich entscheiden, wo ihre Kinder künftig zur Schule gehen sollen. In Magdeburg hatte es in den vergangen Jahren Tränen und verzweifelte Eltern gegeben, weil viele Wunschschulen nicht genügend Plätze hatten. MDR SACHSEN-ANHALT hat nachgefragt, wie es in diesem Jahr aussieht.

Schüler kommen zu einem Gymnasium
Das Recht auf einen Platz an einer öffentlichen Schule hat jeder Schüler. Aber nicht in jedem Fall kann es auf die Wunschschule gehen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die gute Nachricht vorneweg: In diesem Jahr werden wohl mehr Eltern von Viertklässlern in Magdeburg einen Platz an ihrer gewünschten weiterführenden Schule bekommen als noch 2019. Die Vorsitzende des Stadtelternrates, Annette Kirstein, sagte MDR SACHEN-ANHALT, es würden in diesem Jahr etwa 250 Kinder weniger in die 5. Klasse versetzt, als ursprünglich prognostiziert. Das entspanne die Lage natürlich ein wenig.

Dennoch wird es laut Kirstein auch in diesem Jahr an vielen Schulen wieder Losverfahren geben. Denn auch wenn es für die gesamte Stadt genügend Kapazitäten gebe, haben nicht alle Schulen ausreichend Plätze für alle Bewerber: Einige Schulen sind begehrter als andere. Insgesamt stehen in diesem Jahr in Magdeburg 2.023 Plätze an den weiterführenden Schulen zur Verfügung. Die Stadt rechnet aber nur mit 1.768 Schülern.

Die Eltern haben klare Favoriten. "Besonders beliebt sind die beiden Integrierten Gesamtschulen Willy Brandt und Regine Hildebrandt", sagt Annette Kirstein. Aber auch am Hegel-Gymnasium oder an den Gemeinschaftsschulen "August Wilhelm Francke"  und "Thomas Mann" wird es erfahrungsgemäß wieder mehr Anfragen geben, als Plätze vorhanden sind.

Auswahlverfahren mit Lostopf

Bei einem Auswahlverfahren kommen alle Bewerber einer Schule in einen Lostopf und dann entscheidet das Glück. Stadtelternratsvorsitzende Kirstein will an dieser Stelle aber mit Gerüchten aufräumen. Das Losverfahren werde zentral bei der Stadtverwaltung im Fachbereich Schule und Sport durchgeführt – und dabei werde nicht gemauschelt, so Kirstein. Mit dabei seien die jeweiligen Schulleiter, Vertreter des Stadtelternrates, des Stadtschülerrates sowie Vertreter des Schulelternrates der Schule und Stadträte.

Bei diesem Verfahren geht alles mit rechten Dingen zu.

Annette Kirstein, Vorsitzende Stadtelternrat

Bisher war es so, dass sich viele Eltern sämtliche Optionen offen halten wollten. Das heißt, sie haben sich an Schulen mit einem speziellen Schwerpunkt (zum Beispiel das mathematisch-naturwissenschaftliche Werner-von-Siemens-Gymnasium oder die Sportsekundarschule) oder an Schulen in privater Trägerschaft beworben, aber zusätzlich in der Schullaufbahnerklärung als Erstwunsch trotzdem eine öffentliche Schule angegeben.

Das ist eine Schullaufbahnerklärung

In Sachsen-Anhalt können Eltern die weiterführende Schule für ihr Kind frei wählen. Das Schulgesetz ermöglicht Eltern, die weiterführende Schule entsprechend den Neigungen und Fähigkeiten ihres Kindes auszuwählen. Die Schule hat in Sachsen-Anhalt für die Übertrittsentscheidung nur eine beratende Funktion.

Zum Ende des ersten Schulhalbjahres in der vierten Klasse bekommen Eltern eine Schullaufbahnempfehlung für ihr Kind. Diese wird in der Regel in einem persönlichen Informations- und Beratungsgespräch mitgeteilt. In diesem Gespräch beraten die Lehrer die Eltern über die weitere Schullaufbahn des Kindes. Der Klassenlehrer oder die Klassenlehrerin gibt eine Einschätzung, auf welche Schule das Kind zukünftig gehen sollte.

Mit dem Halbjahreszeugnis der vierten Klasse wird in Sachsen-Anhalt zusammen mit der Schullaufbahnempfehlung eine Schullaufbahnerklärung ausgegeben. Darin müssen Eltern sowohl ankreuzen, welche Schulform sie sich wünschen, als auch den konkreten Namen der gewünschten Schule aufschreiben. Außerdem müssen Eltern in der Schullaufbahnerklärung aufschreiben, welche Schulen sie als ersten und zweiten Ersatzwunsch ansehen.

Neue Regelungen bei der Platzvergabe

Das Optionen-Offenhalten hat dazu geführt, dass oft bis kurz vor den Sommerferien nicht klar war, wie viele Plätze an welcher Schule tatsächlich belegt sind. Das passierte vor allem dann, wenn die Eltern zwar die Zusage einer privaten Schule hatten, aber dennoch im Verfahren einer öffentlichen Schule blieben, um eben am Ende selbst entscheiden zu können. Dadurch haben sie aber anderen Schülern den Zugang zu ihrer gewünschten Schule versperrt, wenn die Kapazitäten dort erschöpft waren.

In diesem Jahr gibt es nun eine neue Satzung der Stadt, die nach Angaben von Annette Kirstein das System entlasten wird. Die freien Träger treffen früh – meist schon im März – ihre Auswahl und melden die Schüler, die einen angebotenen Platz angenommen haben, an die Stadt. Ab diesem Jahr ist es so geregelt, dass diese Schüler aus den Lostöpfen der öffentlichen Schulen herausgenommen werden.

Weniger Optionen nach Zusage einer privaten Schule

Damit soll nach Angaben des Stadtelternrates verhindert werden, dass zu viele Schüler zu lange im System bleiben. "Wir hätten lieber für alle Schüler genügend Plätze", sagt Stadtelternratsvorsitzende Kirstein. Aber die Ressourcen seien nun mal knapp. Sicher sei das für diejenigen, die bisher viele Optionen hatten, nicht so erfreulich, aber insgesamt sei das neue Verfahren ein Vorteil.

Vor allem für Kinder auf der Warteliste war das bisher nicht schön.

Annette Kirstein, Vorsitzende Stadtelternrat

Voraussetzung für das neue Verfahren sei aber, dass alle Eltern die Schullaufbahnerklärung auch korrekt ausfüllten, so Kirstein. Sie rät allen Eltern deshalb, sich vorher gut zu informieren.

Der Stadtelternrat bietet auch in diesem Jahr wieder eine Ausfüllhilfe im Internet an. Auf den Seiten können sich Eltern anhand von Beispielen anschauen, wie die Schullaufbahnerklärung ausgefüllt werden muss. Rat gibt es auch auf den Internetseiten der Stadt: auf dem Schulwegweiser.

Stadt erhöht Kapazitäten an Schulen

In den kommenden Jahren wird sich das Problem der fehlenden Kapazitäten wohl noch verschärfen. Jessica Althaus von der Schulentwicklungsplanung der Stadt sagte MDR SACHSEN-ANHALT, ab 2023 erwarte die Stadt geburtenstarke Jahrgänge, die in die fünfte Klasse wechseln werden. Althaus zufolge werden dann mehr als 2.400 Mädchen und Jungen einen Platz in einer fünften Klasse brauchen. Derzeit hat Magdeburg aber nur etwas mehr als 2.000 Plätze. Es würden deshalb mögliche Erweiterungen geprüft. Fest stehe schon, dass die beliebte IGS "Willy Brandt" mehr Plätze bekommt. Das sei möglich, erklärt Althaus, wenn die benachbarte Grundschule am Westring in andere Räumlichkeiten umziehe und es dadurch mehr Platz für die IGS gebe.

Außerdem sei vorgesehen, dass die Gemeinschaftsschule "Gottfried Wilhelm Leibnitz" künftig in der Pablo Neruda Straße am Neustädter See in einem eigenen Gebäude untergebracht sein wird. Dadurch gebe es auch dort mehr Kapazitäten. Und auch das Editha-Gymnasium in Stadtfeld könnte nach der Sanierung für einige Jahrgänge vergrößert werden. Neue Plätze oder gar neue Schulen seien aber nicht so einfach umzusetzen, so Althaus, denn der erhöhte Bedarf müsse mindestens fünf Jahre lang nachgewiesen werden.

Janine Wohlfahrt
Bildrechte: MDR/Luca Deutschlaender

Über die Autorin Janine Wohlfahrt stammt aus Magdeburg und arbeitet seit 2001 für MDR SACHSEN-ANHALT. Seitdem hat sie im Hörfunk und Fernsehen Nachrichten gemacht, war als Reporterin mit dem Ü-Wagen unterwegs und sorgt jetzt dafür, dass viele interessante und relevante Gesprächsthemen aus Magdeburg auch im Internet landen. Janine Wohlfahrt arbeitet auch als Chefin vom Dienst in der Online-Redaktion.

Bevor sie zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat sie bei der Bild-Zeitung, Radio SAW und MDR JUMP gearbeitet. Ihre Lieblingsorte in Magdeburg sind ihr Zuhause, die Datsche, der Neustädter See und der Stadtpark.

Quelle: MDR/jw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 05. Februar 2020 | 09:30 Uhr

1 Kommentar

jackblack vor 17 Wochen

In der DDR kamen nur Schüler ab der 9. Klasse zur EOS, die einen Schnitt unter 2,0 hatten, das war noch QUALITÄT, aber heute entscheiden Eltern oder Anwälte für ÜBERFORDERTE Schüler, und so sieht das dann auch bei PISA aus.

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