Ein Lehrer betritt das Lehrerzimmer in einem Gymnasium.
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16.08.2019 | 14:08 Uhr Sachsen schließt weitere Lehrer-Lücken

Ein Lehrer betritt das Lehrerzimmer in einem Gymnasium.
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Kurz vor dem Beginn des neues Schuljahres hat Sachsen einen Großteil der ausgeschriebenen 1.100 Lehrerstellen besetzt. Das geht aus Angaben des Kultusministeriums hervor. Demnach wurden 916 Stellen mit ausgebildeten Lehrern besetzt, hinzu kommen knapp 200 Seiteneinsteigerstellen. Ihr Anteil sei mit etwa 20 Prozent "so niedrig wie seit Jahren nicht mehr". Kultusminister Christian Piwarz sagte, viele der hier ausgebildeten Lehrer hätten die Stellenangebote angenommen.

Wir sehen Licht am Ende des Tunnels, aber wir sind noch nicht am Ende des Tunnels angelangt.

Christian Piwarz Kultusminister

Damit werden Piwarz zufolge die altersbedingten Abgänge kompensiert. Der Unterricht an sächsischen Schulen sei daher nicht eklatant gefährdet. Allerdings gebe es Problemregionen und erhebliche Schwierigkeiten, etwa in Ostsachsen, Chemnitz und dem Erzgebirge. Es werde versucht, Lücken bei der Versorgung mit einer gewissen Flexibilität im System auszugleichen. Das sei möglich zum Beispiel mit Hilfe pensionierter Lehrer, die einige Stunden übernehmen, oder aber auch Gymnasiallehrern, die bereit sind, auch an Grundschulen zu unterrichten.

Im vergangenen Jahr konnte Sachsen nur einen Teil der freien Stellen besetzen, darunter viele mit Seiteneinsteigern. Die Landesregierung hatte daraufhin ein Bildungspaket mit besserer Bezahlung und der Möglichkeit der Verbeamtung beschlossen.

Einstellungsverfahren im August 2019 nach Schulart und -bezirk

Grundschule    
  geplante Einstellungen realisierte Einstellungen
Bautzen 95 34
Chemnitz 87 76
Dresden 30 36
Leipzig 76 135
Zwickau 60 46
GESAMT 348 326
     
     
Oberschule    
  geplante Einstellungen realisierte Einstellungen
Bautzen 52 22
Chemnitz 81 16
Dresden 78 56
Leipzig 80 66
Zwickau 15 15
GESAMT 306 175
     
     
Gymnasium    
  geplante Einstellungen realisierte Einstellungen
Bautzen 10 11
Chemnitz 19 30
Dresden 46 52
Leipzig 38 104
Zwickau 10 14
GESAMT 123 211
     
     
Berufsbildende Schule    
  geplante Einstellungen realisierte Einstellungen
Bautzen 14 11
Chemnitz 30 18
Dresden 10 9
Leipzig 57 25
Zwickau 10 12
GESAMT 121 74
     
     
Förderschule    
  geplante Einstellungen realisierte Einstellungen
Bautzen 14 9
Chemnitz 62 25
Dresden 51 28
Leipzig 63 53
Zwickau 13 16
GESAMT 203 130
     
     
SUMME 1.101 916
Bautzen 185 86
Chemnitz 279 165
Dresden 215 180
Leipzig 314 382
Zwickau 108 103
     
Quelle: Sächsisches Kultusministerium (Stand 14.08.2019)  

Lehrerbedarf in Sachsen Die 1.100 Stellen, die das Kultusministerium zum neuen Schuljahr besetzen wollte, hätten nach Angaben des Kultusministeriums lediglich den Grundbereich (Abdeckung der Stundentafel) und einen Viertel des Ergänzungsbereichs (z.B. für Schulchöre, AGs, Förderunterricht) abgedeckt. Um im Idealfall den Gesamtbedarf decken zu können, wären nach Schätzungen des Ministeriums etwa 400-500 zusätzliche Stellen nötig. Das gebe der aktuelle Arbeitsmarkt aber nicht her.


Der aktuelle Lehrerbedarf wird vom Ministerium unter anderem anhand der Abgänge und der Bewerberlage ermittelt. Im aktuellen Einstellungsverfahren haben sich rund 1.200 ausgebildete Lehrkräfte beworben. 958 Personen werden im neuen Schuljahr ihren Dienst beginnen. Sie besetzen 916 Stellen. Die Differenz entsteht, weil Vollzeit-Stellen gezählt werden, einige Lehrkräfte aber in Teilzeit arbeiten.

Der eklatante Mangel an Lehrerinnen und Lehrern macht deutlich, dass der Freistaat auf einen unhaltbaren Zustand hinsteuert. Wenn im nächsten Jahrzehnt mehr und mehr Lehrer in den Ruhestand gehen und über 17.000 Lehrerstellen neu zu besetzen sind, heißt das: Lehrerausbildung in Chemnitz ist staatliche Pflicht, um den Bedarf zu decken.

Barbara Ludwig Chemnitzer Oberbürgermeisterin

Neue Stundentafeln für Schüler

Im neuen Schuljahr wird nach Angaben des Kultusministeriums unter anderem an Oberschulen in der 7. und 8. Klasse je eine Stunde Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung zur Pflicht. Auch im Gymnasium werde die politische Bildung gestärkt. Ab Klassenstufe 7 werde das Fach Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft unterrichtet.

Aufgrund der neuen Stundentafeln, aber auch um die Medienbildung, politische Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung zu stärken, seien die Lehrpläne der allgemeinbildenden Schulen überarbeitet worden.

Weitere Schulassistenten

Um Lehrkräfte und Schulen zu unterstützen, würden 114 weitere Schulassistenten eingestellt, 85 hätten bereits einen Vertrag und sollen im Laufe des Schuljahres mit ihrer Arbeit beginnen, für die übrigen laufe noch das Einstellungsverfahren. Die Schulassistenten helfen etwa in der Verwaltung oder als Sprach- und Integrationsmittler.

Nach den vorläufigen Zahlen des Kultusministeriums lernen in Sachsen im neuen Schuljahr etwa 481.300 Schülerinnen und Schüler an 1.776 öffentlichen und Freien Schulen. Damit sei die Zahl von Schülern und Schulen erneut gestiegen. Vor allem Dresden und Leipzig hätten Zuwachs bekommen.

Quelle: MDR/ak/kb/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.08.2019 | 13:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2019, 14:08 Uhr

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8 Kommentare

18.08.2019 14:27 Bernd1951 8

Gab es den in der Vergangenheit im SMK und SMI keine Personalplanungen. An Hand der Altersstruktur der Beschäftigten konnte man doch annähernd den Personalbedarf für die kommenden Jahre ermitteln. Die Erstklässler stehen ja auch nicht von heute auf morgen vor der Tür, sondern erblicken Jahre vorher das Licht der Welt. Auch kam es in Sachsen in den letzten Jahren nicht zu einer unvorhersehbaren Bevölkerungszunahme.
Und trotz allem im Bildungsmonitor 2019 der INsM Sachsen auf dem 1. Platz.
So sieht man sich nun gezwungen trotz jahrzehntelanger Ablehnung der Verbeamtung von Lehrern, den Lehrern bis 42 Jahre eine Verbeamtung anzubieten. Die "älteren" Lehrer, die trotz aller Schwierigkeiten den Betrieb aufrecht erhalten haben, gehen fast leer aus. Eine "gute" Voraussetzungen für ein angenehmes Klima im Lehrerzimmer.

17.08.2019 05:23 The Sentinel 7

Es ist doch immer wieder verblüffend, wenn den Politikern kurz vor einer Wahl das Thema Lehrer und Polizisten einfällt.
Ich verfolge dieses Thema nun schon seit einigen Wahlperioden, da wird dann immer versprochen,

"WENN IHR UNS WÄHLT, DANN WERDEN WIR ES MACHEN, ABER IHR MÜSST UNS WÄHLEN".

Jedoch nach den Wahlen wird die Sache dann wieder auf die lange Bank geschoben, dann fehlt plötzlich das nötige Geld dafür.

Somit hat man wieder für die nächste Wahl ein neues immer "altes Thema".

Das dumme Wahlvolk wird es schon fressen.

Wie gesagt, es betrifft nicht nur Bildung und innere Sicherheit, wenn DIE erst einmal gewählt sind, dann geht es im alten Trott weiter.

Das ist nicht nur auf Landesebene so, auch auf Bundesebene.

Man sollte in Zukunft keine Berufspolitiker mehr zulassen, die sich am Ende nur bereichern, sondern eine Begrenzung auf 2 Wahlperioden einführen und dann wieder an die Werkbank schicken und es sollte auch keine "Versorgungsposten" mehr geben.

16.08.2019 13:08 na so was 6

Die Anzahl der fehlenden Lehrerstellen sind wie ein Wunder innerhalb kürzester Zeit besetzt worden. Oder ist das Wunder ganz einfach zu erklären, es wurden von "ganz oben" die benötigten Lehrerzahlen "Korrigiert" ? Was mir komplett fehlt, wieviel Lehrer gehen im nächsten Schuljahr planmäßig in Rente ? Da ich keine konkrete Zahl gefunden habe, nehme ich mal an, es geht keine einzige Lehrerin und kein einziger Lehrer in ihren wohlverdienten Ruhestand. Welche Meinung haben denn die Betroffenen dazu ? Oder muss noch Überzeugungsarbeit geleistet werden ? 16.08.2019, 13:08

15.08.2019 18:51 Skeptiker 5

Ich bin selbst Lehrer an einem sächsischen Gymnasium. Leider kann ich mich nicht über die "vollständige" Unterrichtsversorgung nicht so richtig freuen, da an unserer Schule aufgrund fehlender "Lehrerstunden" Unterricht "planmäßig" gekürzt wird. Mich würde mal interessieren, an wie vielen Schulen noch.

15.08.2019 15:58 K. 4

Vor 2 Wochen gab es laut Kultusministerium (Artikel Sächsische Zeitung) nicht einmal genügend Bewerbungen in den "Problembezirken" wie Ostsachsen, plötzlich sind alle freien Lehrerstellen besetzt.
Und ganz zufällig auch noch kurze Zeit vor den Wahlen....
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

15.08.2019 14:27 Orrnee 3

"114 weitere Schulassistenten "

Wahnsinn...

Braucht man dazu eine Ausbildung?

15.08.2019 14:09 Gerald 2

Wenn der erste Platz in der INSM-BILDUNGSMONITOR 2019 gehalten werden möchte, muss einfach mehr kommen! Man hat immerhin einige Jahre Jahre verschlafen! Zum Beispiel in der Altersstruktur der Lehrer in Sachsen!
Da reicht es nicht, daß der Christian Piwarz(sächsischer Kultusminister) nun wegen den Neueinstellungen sagt, „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels, aber wir sind noch nicht am Ende des Tunnels angelangt!" Das wäre zu wenig! Da muss mehr kommen! Sonst holen uns die Bayern bald ein! Das will wohl keiner!

15.08.2019 13:49 altrocker 1

das ist wieder wortgewäsch. was interessiert es, ob alle freien lehrerstellen besetzt sind. wichtig ist die aussage ob auf grund der schülerzahlen genug lehrer unterrichten. was nutzt es wenn das ministerium 15 freie stellen ausschreibt aber 30 lehrer effektiv benötigt werden. die aussage des ministerium , durch geschicke wortwahl, einfach volksverdummung.

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