Jörg Urban, Vorsitzender der sächsischen AfD, sitzt beim Landesparteitag seiner Partei auf der Bühne.
Bildrechte: dpa

Parteitag in Markneukirchen AfD-Parteichef Urban ist Spitzenkandidat für die Landtagswahl

Der 54-Jährige wurde auf Listenplatz 1 gewählt. Ingesamt 61 Kandidaten will die AfD bis Sonntag in Markneukirchen aufstellen. Am Sonnabend zeichnete sich bereits ab, dass die Delegierten das wohl nicht schaffen werden.

Jörg Urban, Vorsitzender der sächsischen AfD, sitzt beim Landesparteitag seiner Partei auf der Bühne.
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Jörg Urban führt die AfD in den bevorstehenden Landtagswahlkampf. Er wurde am Freitag auf dem Parteitag in Markneukirchen mit 85,4 Prozent der Stimmen auf den ersten Listenplatz gewählt. Gegenkandidaten gab es keine. Vorgeschlagen wurde er zuerst vom AfD-Bundestagsabgeordneten Tino Chrupalla, dem ebenfalls Ambitionen auf den Spitzenplatz nachgesagt wurden.

Urban zeigte sich zuversichtlich, dass die AfD nach der sächsischen Landtagswahl am 1. September Regierungsverantwortung übernehmen kann. In Umfragen liegt die AfD im Freistaat derzeit bei 25 Prozent - vier Prozentpunkte hinter der CDU. Bei der Wahl vor fünf Jahren sei man noch eine "aufstrebende Kleinpartei" gewesen, sagte Urban. Der AfD sei seit 2014 ein Siegeszug gelungen. Man sei in kurzer Zeit in alle deutschen Landtage, ins Europaparlament und in den Bundestag eingezogen.

Wir sind in den fünf Jahren reifer geworden, beim Ton haben wir noch Nachbesserungsbedarf.

Jörg Urban Landesvorsitzender AfD Sachsen

Urban zufolge hat die AfD ihre politischen Themenfelder erweitert. Während 2014 noch die Kritik an der Euro-Rettung, EU-Zentralismus, ein wachsender Überwachungsstaat und die Energiewende im Fokus gestanden hätten, seien heute eine "desaströse Migrationspolitik" sowie die Bedrohung der Rechtsordnung und der Kultur durch den Islam dazugekommen.

Was die AfD genau verändern will, wird auf diesem Parteitag nicht im Detail diskutiert. Urban setzte in seiner Bewerbungsrede um Listenplatz 1 zumindest zwei inhaltliche Punkte. Zum einen wolle er die "linksterroristische Sumpfkultur", die die CDU jahrzehntelang gefördert habe, austrocknen. Und zum anderen sagte er:

Beim Thema Abschiebung hat die CDU komplett versagt. Wir werden als AfD nicht nur die Plätze im Abschiebegewahrsam massiv ausbauen, wir werden auch dazu übergehen, dass es in Sachsen nur noch Sachleistungen und keine Geldleistungen mehr gibt. Wir werden Sachsen zum unattraktivsten Platz in Deutschland für Asylbetrüger machen.

Jörg Urban Landesvorsitzender AfD Sachsen

CDU-Partei- und Regierungschef Michael Kretschmer hatte eine Koalition mit der AfD wiederholt ausgeschlossen. Experten wie der Dresdner Politikwissenschaftler Hans Vorländer sehen die Partei auf dem Zenit angelangt. Das Thema Migration und Flüchtlinge nehme bei den Wählern derzeit nicht mehr den Stellenwert ein wie noch im Jahr 2015, argumentierte der Professor unlängst.

Teilnehmer desLandesparteitages der sächsischen AfD heben Stimmkarten in die Höhe.
Mehr als 350 Delegierte nehmen an dem Parteitag in Markneukirchen teil. Bildrechte: dpa

Wahlmarathon setzt sich fort

Kurz nach 10 Uhr ging es in Markneukirchen am Sonnabend da weiter, wo man am Tag zuvor aufgehört hatte. Für den zweiten Listenplatz trat Generalsekretär Jan Zwerg an und legte in seiner Rede den Grundton für den Tag fest: Die aktuelle Regierung habe versagt, die Politiker würden viel reden und nichts machen. Kritik übte er an der Flüchtlingspolitik. Keinen Euro wolle er für Flüchtlinge ausgeben, solange es noch Deutsche gebe, die das Geld brauchen. Die Wahl im September würde darüber entscheiden, ob Deutschland deutsch bliebe. Gewählt wurde er mit großer Zustimmung und ohne Gegenkandidaten.

Standing Ovations für kämpferische Reden

Danach begann der Kampf um die Listenplätze. Viele Parteimitglieder sahen ihre Chance auf einen der vorderen Listenplätze und damit ihre Chance auf einen Platz im Landtag. Angetrieben durch die Stimmung im Saal wurde es in einigen Reden auch mal lauter, gerade wenn die Kandidaten ihren Patriotismus und ihre Heimatliebe versicherten. "Wir holen uns unser Land zurück!", ein Satz der des Öfteren viel und häufig Standing Ovations auslöste. Geschichte wiederhole sich, hieß es in der Vorstellungsrede von Rolf Weigand. Gemeint war die Geschichte der Friedlichen Revolution von 1989 in Ostdeutschland. Die Sachsen würden erneut für ihre Freiheit kämpfen müssen, so Weigand.

Kandidaten der AfD für die Landtagswahl in Sachsen (Platz 1 bis 6)
Listenplatz Name
1 Jörg Urban
2 Jan Zwerg
3 Joachim Keiler
4 André Wendt
5 Sebastian Wippel
6 Torsten Gahler

Stand: 9.2.2019, 16:00 Uhr

Listenaufstellung dauert

Nach fünf Stunden hatten die Delegierten am Sonnabendnachmittag fünf weitere Kandidaten festgelegt. Ein Wahlmarathon, wobei sich mit steigendem Listenplatz das Tempo erhöhte: Es gab weniger Kandidaten, die sich noch neu vorstellen mussten. Viele der Unterlegenen in den ersten Wahlgängen nutzten ein paar Plätze später wieder die Gelegenheit, erneut anzutreten. Die erste Frau trat für den 6. Listenplatz ans Mikrofon; ihr männlicher Gegenkandidat konnte sich jedoch durchsetzen. Bereits am Nachmittag äußerte sich Jörg Urban im Gespäch mit MDR SACHSEN, dass man es an diesem Parteitag nicht schaffen werde, die komplette Liste für die Landtagswahl im September aufzustellen.

Insgesamt sollen 61 Frauen und Männer nominiert werden. Damit hebt die Partei auf die Zahl der regulär zu vergebenden Mandate im Landtag ab. Zur Wahl stehen 120 Plätze, 61 wären die absolute Mehrheit. Durch Überhangs- und Ausgleichsmandate können auch mehr Sitze im Landtag entstehen.

Die AfD hat in Sachsen nach eigenen Angaben knapp 3.000 Mitglieder.

Quelle: MDR/dk/akö/cst/dpa

Anm. der Red.: In einer früheren Version des Artikels hieß es, es seien bis Sonnabendnachmittag sechs Kandidaten festgelegt worden. Der Ausdruck war missverständlich, da Listenplatz 1 bereits am Vortag vergeben wurde.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 08.02.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2019, 12:11 Uhr

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114 Kommentare

13.02.2019 00:07 Generation 55+ 114

volle Zustimmung für CDU Wählerin 106

12.02.2019 22:44 Freiheit 113

12.02.2019 20:18 Janes "Ich finde, wir können uns die Form der Hilfe leisten." Findest du, aha und warum verfallen Schulen, Straßen, Brücken... und für Rentner ist kein Geld da? Wer ist eigentlich "wir"? Das Geld, das die Asylbegehrer, abgelehnte Asylbegehrer (Geduldete), Subsidäre etc. erhalten ist wohl kein Sozialgeld? Wo kommt es denn her? Aus deinem Portmonee bestimmt nicht. Solche Leute, wie du sollten persönlich haften und dann sehen wir mal, ob deine Meinung, "wir können uns die Form der Hilfe leisten" bestehen bleibt. Unfassbar.

12.02.2019 20:18 Janes 112

@Stein mit Hörnern 111: Eigentlich haben Sie sich die Antwort darauf selbst schon gegeben. Die Betonung liegt auf Sozialsystem. Wir Staatsangehörigen erhalten Leistungen aus sozialen Sicherungssystemen.

Das Geflüchtete Leistungen erhalten, bzw Deutsche Leistungen bekommen, weil sie Unterstützung leisten für Menschen mit Asylstatus, steht außer Frage. Diese Gelder werden extra zur Verfügung gestellt.

Wobei wir uns da auch in einer nicht zielführenden Diskussion verrennen würden.

Ich finde, wir können uns die Form der Hilfe leisten. Entweder, man hilft Menschen in Not damit. Oder aber diese Unterstützung trägt zur Integration bei. Dann haben wir sogar noch einen Vorteil davon.

12.02.2019 19:25 Stein mit Hörnern 111

@ Janes Nr. 99 11.02.2019 11:00
Zitat von Ihnen: "Geflüchtete, die Antrag auf Asyl stellen, bekommen überhaupt keine Leistungen aus unserem Sozialsystem! "
Schauen Sie mal ins Asylbewerberleistungsgesetz und erklären Sie uns bitte, was genau Sie unter "überhaupt keine Leistungen" verstehen!

12.02.2019 14:02 zarah leander 110

und keine frau unter den ersten sechs auf der liste. das haette daehm august daehm schtorken ober ooouch garni gebasst .... botzblizunzugenaehd x

11.02.2019 22:51 Janes 109

@Pfeifer 104: Jetzt direktes Fachwissen haben sie nun auch nicht unters Volk gebracht. Wenn sie echt 40 Jahre da gearbeitet haben wollen, hätten sie wissen müssen, dass es übergeordnete Behörden gibt, die sie kontrollieren.

Wer blamiert sich hier gerade?!

Wo wir gerade bei blamieren sind. Da ist jemand, der angeblich 40 Jahre in einem Steuerbüro gearbeitet haben will, noch die Belege schuldig, um seine ungeheuerlichen (weil falschen) Anschuldigungen zu belegen.

Vermutlich werden keine kommen....woher auch. Kein Wissen, keine Belege!

11.02.2019 22:47 Freiheit 108

11.02.2019 15:59 @97---"..das kann sicher nur jemand verstehen (wollen), der AfD-positiv ist und an Filterblasenentzündung leidet...""...brauchen Sie keine Rente - krieg ich Ihre...?"---Lesen UND verstehen! Auch Ihresgleichen wird irgendwann verstehen, daß der Sozialstaat erschöpflich ist!

11.02.2019 21:20 Dresdener Bürger 107

@106
einer CDU-Wählerin sicher bekannt:
- Deutschkonservative
- DNVP (z. B. Carl Friedrich Goerdeler, in Regierungskoalitionen mit u. a. Zentrum, DVP in den sog. Goldenen Zwanzigern)
- DP (in Regierungskoalitonen mit CDU/CSU)
- FPÖ (A) in Regierungskoaliton mit ÖVP (A)

Da die CDU/CSU wie auch die SPD ihre Klientel und deren Interessen komplett aus den Augen verloren haben, besetzt die AfD nur die sog. Repräsentationslücke mit dazu passenden Politikern (z. B. Dr. Alexander Gauland [Ex-CDU], Guido Reil [Ex-SPD]), Mitgliedern, Wählern, Programm. Dazu sagt die AfD endlich, was Sache ist, und bringt frischen Wind in die Politik.

11.02.2019 20:05 CDU Wählerin 106

[Wegen des Verstoßes gegen unsere Richtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) wurde dieser Kommentar entfernt. Die MDR.de-Redaktion]

11.02.2019 20:02 DER Beobachter 105

"...habe ich das Gefühl, das das gesellschaftliche Klima vor den anstehenden Wahlen noch mal von denjenigen verschärft wird, die sich davon einen Vorteil versprechen..." Ach, deswegen wurde auf dem Landesparteitag von den Bewerbern kaum Inhaltliches außer den üblichen Phrasen gedroschen? Ich deutete wohl schon an, dass ich die AfD (Sachsen) als konservative Alternative ja gern ernst nehmen wollte, wenn sie irgendwas an Inhalt und Willen zur Gestaltung Sachsens zu bieten hätte oder der wirklich wertkonservative Flügel zeigte, dass er überhaupt existiert... Ich rede explizit über die sächsische AfD!

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