Verkündigungssendung Das Wort zum Tag bei MDR SACHSEN

Das Wort zum Tag hören Sie montags bis freitags gegen 5:45 Uhr, am Sonnabend gegen 8:50 Uhr, sonntags 7:45 Uhr. Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche Mira Körlin.

22.06.2021: Hände

Mira Körlin 2 min
Bildrechte: MDR/Ralf U. Heinrich

gesprochen von Mira Körlin

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Di 22.06.2021 05:46Uhr 02:26 min

Audio herunterladen [MP3 | 2,2 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 4,4 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/sachsenradio/podcast/wort/audio-1763430.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Ihre fein gegliederten Knochen sorgen für Stabilität. Sehnen und Muskeln machen sie beweglich. Wir können sie in alle Richtungen bewegen, nach oben und unten beugen. Schnell zufassen, drücken, greifen, halten, schieben, formen, fühlen, tasten, streicheln. Unsere Hände. Über die Nerven werden Informationen über die Tasse heißen Kaffee weitergegeben. Nerven entscheiden auch, wie stark wir mit den Fingern auf der Computertastatur tippen sollten. Und im Zusammenspiel mit Physis und Kondition der Hände werden die Tasten des Klaviers in einer Weise angeschlagen, dass Musik erklingt. Die zerbrechliche Hand der Großmutter drücken wir nur zart. Wenn das Kind droht zu stolpern, fassen wir fest zu. Vieles, was wir tun, ist ein Wechselspiel zwischen Kopf und Hand. Unsere vorderen Extremitäten, die vor Millionen Jahren frei geworden waren, als der Mensch aufrecht zu gehen begann, lernten stets hinzu. Und parallel entwickelte sich unser Gehirn.

Es ist ganz wundervoll, wie unsere Hände aufeinander abgestimmt und miteinander reagieren. In der Regel weiß die linke, was die rechte Hand tut. Und war bis vor wenigen Jahrzehnten doch benachteiligt. Da war nur die rechte das "feine Händchen". Dass Jesus auf Bildern immer mit seiner rechten Hand segnet, ist aus heutiger Sicht eine recht einseitige Darstellung.

Zum Segnen braucht es Berührung und damit Hände. Sie werden auf Kopf oder Schultern gelegt und geben positive Kraft weiter, verbunden mit Wärme und Nähe. Wenn ich gesegnet werde, bekomme ich hin und wieder eine Ahnung von Gottes Wesen. Es scheint sanften und zugleich starken Händen zu ähneln: Wenn Gott mir nahekommt, fühle ich mich getragen, berührt, warm umfasst oder auch angeschoben. Und ich nehme mit den Händen mein Tagwerk auf und weiß, es kann gut werden.

21.06.2021: Leben bis zuletzt

Mira Körlin 2 min
Bildrechte: MDR/Ralf U. Heinrich

gesprochen von Mira Körlin

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Mo 21.06.2021 05:47Uhr 02:07 min

Audio herunterladen [MP3 | 1,9 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 3,9 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/sachsenradio/podcast/wort/audio-1763428.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Die Operation war notwendig. Das hatte man ihr unmissverständlich klar gemacht. Nur den Zeitpunkt durfte sie selbst bestimmen. Und so stand sie an diesem Morgen vor dem Krankenhaus, bezog das Zimmer, legte das dünne OP-Hemd an, streckte sich auf dem Bett aus und wartete. Es würde kein großes Risiko sein. Aber eben doch ein stationärer Eingriff mit Vollnarkose. Und danach würde manches anders werden. Sie hatte sich innerlich gefügt. Wie immer das alles enden würde – sie war bereit. Das Warten dauerte an. Und nun wurde sie doch unruhig. Endlich öffnete sich die Tür. Der Arzt im weißen Kittel wirkte verlegen. Sie hätten mehrere Notfälle aufnehmen müssen, sagte er. Die Kapazitäten seien damit erschöpft. Und er bat sie, übermorgen wieder zu kommen. Sie lachte laut auf. Überrascht. Erleichtert. Dankbar. Sie spürte Vorfreude. Der liebe Gott hatte ihr zwei Tage geschenkt. Vom Ausziehen des OP-Hemdes bis sie in der Straßenbahn auf den Sitz fiel, dauerte es keine zwanzig Minuten. Sie lud eine Freundin zum Kaffee ein, ging barfuß über eine Wiese. Sie wärmte sich an der Sonne, spürte den Windhauch auf ihrer Haut. Und am zweiten Abend schenkte der Himmel ihr einen Regenbogen.

"Der Tod ist gewiss, die Stunde ungewiss", steht an der leuchtend blauen Leipziger Rathausuhr. Das korrespondiert mit einer tausend Jahre alten Weisheit christlicher Mönche: Memento mori, gedenke, dass du sterben musst. Sie würde irgendwann sterben. Wie jede atmende Kreatur. Aber sie wusste, leben würde sie bis zuletzt.

Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche:

Kurzvita Mira Körlin

Mira Körlin

Geboren am 01.10.1976 in Dresden | 1995 Abitur | 1995-1996 freiwilliges Soziales Jahr in Zwickau | 1996-2002 Studium der Germanistik, Literaturwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Ev. Theologie an der TU Dresden | 2002-2003 Pressereferentin in der Sächsischen Staatskanzlei | seit 2003 Referentin für Öffentlichkeitsarbeit für die beiden Dresdner Kirchenbezirke | verheiratet, zwei Kinder

Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag...

... sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.