Verkündigungssendung Das Wort zum Tag bei MDR SACHSEN

Täglich hören Sie das Wort zum Tag. Montags bis freitags gegen 5:45 Uhr und 8:50 Uhr, am Sonnabend gegen 8:50 Uhr, sonntags 7:45 Uhr. Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche Pfarrer Holger Treutman.

Freitag, 28.01.2022: Dankgebet ohne Worte

Holger Treutmann 2 min
Bildrechte: Holger Treutmann
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gesprochen von Holger Treutmann

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Fr 28.01.2022 05:45Uhr 02:26 min

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Popcorn im Kino.
So sehr ich es mag, mit anderen gemeinsam einen Film anzuschauen. Wenn hinter mir jemand ständig im Fünf-Liter-Eimer kramt und seine Kaugeräusche mir von hinten über den Kopf ins Ohr dringen, könnte ich rasend werden.

Dabei erwische ich mich oft selbst: Abendessen während der Tagesschau, und schwupp ist der Teller leer und wartet auf Nachschub. Oder im Auto, wenn ich allein unterwegs bin. Besonders beliebt sind Gummibärchen. Wenn der Mund noch voll ist, greift die Hand schon nach der nächsten Charge.

Aller Augen warten auf dich Herr, denn du gibest ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. Du tust deine milde Hand auf, und sättigest alles, was da lebt mit Wohlgefallen. So heißt in einem Dankbarkeitspsalm der Bibel. (Ps. 145, 15)

Essen ist wichtig, ohne Frage. Essen ist schön und macht Freude. Essen in Gemeinschaft lässt uns unsere Lebendigkeit spüren. Gut, dass wir fast alles haben. Aber es macht einen Unterschied, wie wir essen.

Gibt es wenigstens dann und wann einmal diesen kurzen Augenblick, von dem der Psalm erzählt? Aller Augen warten auf dich - Einen Moment der Verzögerung, des Wartens, bevor wir beginnen, Lippen und Zunge, Herz und Magen zu laben? Oder ist Essen nur Nebenbeibeschäftigung aus Langeweile oder Essenfassen für Gestresste?

Egal ob vegan oder vegetarisch, Trennkost oder kalorienbewusst, aus der Nachbarschaft oder exotisch von weit her beschafft; wir entdecken wohl gerade wieder neu, wie kostbar unsere Lebensmittel sind. Sie werden teurer, zu Recht. Denn die, die sie produzieren, und die Lebewesen, die dafür herhalten müssen, verdienen mehr Achtung und Aufmerksamkeit.

Von einer Frau aus meiner angeheirateten Verwandtschaft wird erzählt: Das letzte, was sie am Abend immer gegessen hat, war ein Stück trockenes Brot. Wahrscheinlich in Stille und mit Bedacht gegessen. Es gibt Handlungen, die sind ein Gebet ohne viele Worte.

Donnerstag, 27.01.2022: Dennoch bleibe ich stets an dir

Holger Treutmann 3 min
Bildrechte: Holger Treutmann
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gesprochen von Holger Treutmann

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Do 27.01.2022 05:45Uhr 02:35 min

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Nicht unmittelbar trifft mich eine Schuld. Nur mittelbar, als Deutscher, als Enkel einer Generation, die nicht eingeschritten ist gegen das himmelschreiende Unrecht und mitgemacht hat. Tag der Opfer des Nationalsozialismus. Stolpersteine, jüdische Friedhöfe, Gedenkstätten. Sie sind stumme Zeugen des Leids, das sich mit Worten nicht ausdrücken lässt.

Denn man kann nur verstummen, wenn die Bilder der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz vor Augen geführt werden. Und doch hoffe ich, dass ein Psalm aus den Klageliedern der Bibel den Opfern eine Stimme geben kann; im Nachhinein, ohne dass etwas gut gemacht werden kann, nur als Gebet, das sich an die Seite derer stellt, die mundtot gemacht und industriell vernichtet wurden.

Ich wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen, da ich sah, dass es den Frevlern so gut ging. Denn für sie gibt es keine Qualen, gesund und feist ist ihr Leib. Darum prangen sie in Hoffart und hüllen sich in Frevel. Sie brüsten sich wie ein fetter Wanst. Darum läuft ihnen der Pöbel zu und schlürft ihr Wasser in vollen Zügen.

Sie sprechen: Wie sollte Gott es wissen? Wie sollte der Höchste etwas merken? Ich aber bin täglich geplagt und meine Züchtigung ist alle Morgen da. Hätte ich gedacht: Ich will reden wie sie, siehe, dann hätte ich das Geschlecht deiner Kinder verraten. So sann ich nach, ob ich`s begreifen könnte, aber es war mir zu schwer. Als es mir wehe tat im Herzen und mich stach in meinen Nieren, da war ich wie ein Narr und wusste nichts, ich war wie ein Tier vor dir.

Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich an deiner rechten Hand. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachten, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Ein Gebet der Bibel. Der Psalm 73. Ein jüdisches Gebet. Ein Gebet im Namen der Opfer des Nationalsozialismus.

Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche:

Kurzbiografie Holger Treutmann

Holger Treutmann

1963 in Springe bei Hannover geboren | verheiratet | 2 Kinder | Studium in Bethel, Göttingen, Berlin | 1989 1. Theologisches Examen in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover | 1989-1993 Pharmareferent bei Astra-Chemicals Wedel/Hamburg | 1993-1995 Vikariat in Bröckel bei Celle | 1995 2. Theologisches Examen in der Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannover | 1995 Wechsel in die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen | 1995-1999 Pfarrer in Eibenberg-Kemtau und Chemnitz-Reichenhain | 1999-2005 Pfarrer in St.-Pauli-Kreuz-Gemeinde Chemnitz | 2006 - Januar 2016 Pfarrer der Frauenkirche in Dresden | Ehrenamtlicher Mitarbeiter der Notfallseelsorge Dresden | seit Februar 2016 Senderbeauftragter der Ev. Kirchen beim MDR und Rundfunkbeauftragter der Ev.-Lutherischen Landeskirche Sachsens

Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag...

... sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.