Verkündigungssendung Das Wort zum Tag bei MDR SACHSEN

Das Wort zum Tag hören Sie montags bis freitags gegen 5:45 Uhr, am Sonnabend gegen 8:50 Uhr, sonntags 7:45 Uhr. Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche Mira Körlin.

19. Januar 2021: 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Mira Körlin 3 min
Bildrechte: MDR/Ralf U. Heinrich

gesprochen von Mira Körlin

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Di 19.01.2021 05:47Uhr 02:32 min

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Peter Pulzer war ein schmaler, hochgewachsener Herr und vor 25 Jahren Gastdozent an der TU Dresden. Mit leiser Stimme und britischem Akzent sprach er über jüdisches Leben in Deutschland.

Für die Vorlesung entschied ich mich, weil ich im mährischen Dorf Miroslav, früher Mißlitz, zwei Sommer lang gemeinsam mit anderen Jugendlichen auf einem verlassenen jüdischen Friedhof gearbeitet hatte. Aus dem Geschichtsunterricht wusste ich um den Holocaust. Doch nun sollte ich als Studentin zum ersten Mal etwas darüber hören, wie jüdische Mitbürger in den Jahrhunderten vorher in Deutschland gelebt hatten. Ich erfuhr z. B., dass sich mittelalterliche Bischöfe von jüdischen Ärzten behandeln ließen. Dass der jüdische Bankier und Diplomat Berend Lehmann August dem Starken Millionen verschaffte, damit dieser sich die polnische Krone kaufen konnte. Innerhalb der Aufklärung wurde endlich ernsthaft diskutiert wie Juden gleichberechtigte Staatsbürger sein können. Doch Gegenwehr blieb nicht aus. Antisemitische Vorurteile verfestigten sich - übrigens vielerorts in Europa.

Die ihnen zugewiesenen Nischen in Beruf und Gesellschaft nutzten Jüdinnen und Juden bis zum Beginn des Nationalsozialismus, um als Geschäftsleute, Künstler, Ärzte oder Intellektuelle erfolgreich zu wirken. Sie verharrten dabei nicht in der jüdischen Gemeinschaft. Das ganze Land profitierte von ihnen. Bis heute. Darunter viele Orte in Sachsen. Auch das kleine Miroslav bei Brünn. Prof. Pulzer schickte mir später aus seiner Oxforder Bibliothek eine Abhandlung über die Geschichte der Juden dort. Ich war berührt. Auch, weil mir nun umso mehr bewusst geworden war, welche Wurzeln wir Deutsche ab 1933 gekappt hatten. Aber eben doch nicht ganz. Es sprießt wieder jüdisches Leben. In meiner Heimatstadt Dresden verfolge ich mit Interesse die Arbeit des jungen Rabbiners Akiva Weingarten. Denn als Christin fühle ich mich auch mit der jüdischen Religion verbunden und freue mich über ein Jubiläum, das in diesem Jahr ansteht: 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.

18. Januar 2021: Glück mit Lücke

Mira Körlin 3 min
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gesprochen von Mira Körlin

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Mo 18.01.2021 05:47Uhr 02:34 min

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"Unter jedem Dach ein Ach" - Im Mittelpunkt des Films stand ein Mehrfamilienhaus . Das Sprichwort traf dort auf jede einzelne Wohnung zu. Da ist  die junge Mutter mit ihrer siebenjährigen Tochter. Der Mann und Vater hat sie  verlassen. Ein anderer Bewohner ist Witwer und hat den Kontakt zu seiner erwachsenen Tochter gekappt. Eine alte Dame hat vor Jahren schon Mann und Tochter verloren und auch sonst niemanden mehr. Ein alleinerziehender Vater im Obergeschoss muss sich mit seinem pubertierenden Teenager auseinandersetzen. Und dann gibt es noch ein junges und ein älteres Pärchen. Auch diese Männer und Frauen zweifeln, aus ganz unterschiedlichen Gründen: an der Beziehung, am Lebenspartner, an sich selbst. Durch unerwartete Begegnungen, Verwicklungen, Unfälle und Zufälle erfahren alle Hausbewohner von ihren Nachbarn Zuspruch und Wertschätzung. Eine Gemeinschaft entsteht, die trägt. Schließlich feiern sie am Ende gemeinsam Weihnachten. Männer und Frauen, Alt und Jung, Singles und Paare sitzen bei warmem Kerzenschein, lächeln, prosten sich zu und essen gemeinsam – das pure Glück.

Glück oft entsteht oft gerade aus dem Unperfekten. Das Wort Glück selbst spricht dafür: Sprachforscher leiten es von „Lücke“ oder „Luke“ ab. Es ist das Stück, das genau passt, das die Lücke schließt. Und sei es auch nur für den Moment.

Auf Griechisch sind die Glücklichen "Makarioi". Von Jesus sind die Seligpreisungen überliefert. Die Makarismen. Jesus spricht dort über die, die eigentlich nichts zu lachen haben, aber  glücklich, oder, ja, selig sein werden. "Selig sind, die da Leid tragen. Denn die sollen getröstet werden." In jedem Ach, das Menschen erleben, liegt oft schon der Keim für neues Glück. Plötzlich und unerwartet kann das geschehen. Meist braucht es nur wenig dafür. Darauf will ich hoffen und wünsche diese Hoffnung auch Ihnen.

Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche:

Kurzvita Mira Körlin

Mira Körlin

Geboren am 01.10.1976 in Dresden | 1995 Abitur | 1995-1996 freiwilliges Soziales Jahr in Zwickau | 1996-2002 Studium der Germanistik, Literaturwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Ev. Theologie an der TU Dresden | 2002-2003 Pressereferentin in der Sächsischen Staatskanzlei | seit 2003 Referentin für Öffentlichkeitsarbeit für die beiden Dresdner Kirchenbezirke | verheiratet, zwei Kinder

Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag...

... sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.