Verkündigungssendung Das Wort zum Tag bei MDR SACHSEN

Täglich hören Sie das Wort zum Tag. Montags bis freitags gegen 5:45 Uhr und 8:50 Uhr, am Sonnabend gegen 8:50 Uhr, sonntags 7:45 Uhr. Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche Guido Erbrich.

Dienstag, 04.08.2020: Monoholy

Guido Erbrich, Senderbeauftragter der katholischen Kirche beim MDR. 3 min
Bildrechte: Michael Baudisch

gesprochen von Guido Erbrich

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Mi 05.08.2020 05:45Uhr 02:50 min

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Die Holländer sind als ein großes Handelsvolk bekannt. Ob mit Waren von weit her oder aus den Niederlanden selbst, viele Jahrhunderte lang befuhren ihre Schiffe die Meere und es wurde immer gutes Geld gemacht. Selbst die größte Geldmetropole der Welt, New York, wurde als neu Amsterdam von Handeltreibenden Holländern gegründet. Vermutlich werden Holländer immer gewinnen, wenn man mit ihnen Monopoly spielt.

Umso erstaunlicher ist, dass ein Pfarrer aus den Niederlanden ein Spiel erfunden hat, in dem es nicht darum geht Geld zu gewinnen und sein Vermögen zu vergrößern, sondern - ganz im Gegenteil, um es zu teilen und zu verschenken. Mit einem Augenzwinkern hatte es Monoholy genannt und es sieht auf den ersten Blick genauso aus wie der Klassiker aus den USA. Wer etwas genauer schaut, kann sich wundern. Die Straßennamen sind Werte wie "Glaube, Liebe, Hoffnung", "Dankbarkeit" oder "Vergebung". Die Einkommenssteuer ist der "Zehnte des Gehalts".

In der ersten Runde müssen die Spieler Geld verdienen und Werte sammeln. Wie beim Monopoly. Aber in der zweiten Runde geht es darum, das erspielte Geld so schnell wie möglich loszuwerden. Wer auf dem Feld eines anderen Spielers landet, bekommt Geld von ihm ausbezahlt. Deutlich wird, wer teilt gewinnt.

Vorbild für das Spiel ist nicht der dollarschwenkende dicke Kapitalist mit Zylinder, Frack und Stock, der alle klassischen Monopolyspiele ziert, sondern der Zöllner Zachäus aus der Bibel. Der hatte, so steht geschrieben, sehr viel Geld angehäuft und wahrscheinlich dabei auch viele Leute über den Tisch gezogen. Als Jesus in seinen Ort kommt, lädt er sich bei diesem reichen Sünder zum Essen ein. Und Zachäus wird nach dem Besuch Jesu ein anderer Mensch. Er verteilt sein Geld, schenkt es den Armen und ist glücklich dabei.

Passend zum Spiel: man bekommt es nirgendwo zu kaufen. Viel einfacher: man bekommt es geschenkt. Auf Anfrage verschickt der holländische Pastor und Spieleerfinder Marien Kollenstaart eine vollgepackte E-Mail und dann druckt man es sich aus. Das geht bisher nur auf Holländisch, aber Fassungen auf Deutsch und englisch sind schon geplant. Wunderschön gestaltet ist es allemal und vielleicht kennen Sie ja jemanden aus den Niederlanden, der mitspielt und übersetzt, oder sie versuchen es selbst. Langsam vorgelesen kann manch niederländischer Satz ganz gut verstanden werden.

Ich selbst bin jedenfalls sehr gespannt darauf, ob es beim Monoholy genauso viel Spaß macht wie beim Monopoly zu gewinnen. Mehr noch hoffe ich, dass das Verlieren bei diesem Spiel nicht so frustrierend ist wie beim Geld scheffelnden Klassiker aus Amerika.