Terrorismus Platz in Jena nach NSU-Opfer benannt

Die Stadt Jena hat einen Platz nach dem ersten Mordopfer des Nationalsozialistischen Untergrundes benannt. Zur Eröffnung des "Enver-Şimşek-Platz" sprach auch Ministerpräsident Bodo Ramelow. Die Familie des Mordopfers war bei der Veranstaltung anwesend.

Simsek Platz NSU Jena
Der bislang namenlose Platz in Jena trägt ab sofort den Namen des ersten NSU-Mordopfers. Bildrechte: MDR/Robert Müller

Die Stadt Jena hat einen Platz nach dem ersten Mordopfer des NSU benannt. Der "Enver-Şimşek-Platz" befindet sich im Stadtteil Winzerla, aus dem die Haupttäter des Nationalsozialistischen Untergrunds stammen. An der Veranstaltung am Samstagvormittag nahmen auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke), der Generalkonsul der Republik Türkei, Serdar Deniz sowie die Witwe und eine Tochter des Ermordeten teil.

Simsek Platz NSU Jena
Die Familie des NSU-Opfers Enver Şimşek ist zur Eröffnung nach Jena gereist. Bildrechte: MDR/Robert Müller

Jena: Platz nahe des Wohnorts der NSU-Täter

Der "Enver-Şimşek-Platz" - zwischen Straßenbahnhaltestelle und Supermarkt - befindet sich am Eingang von Winzerla, wo die NSU-Täter Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe bis zu ihrem Untertauchen 1998 lebten. Der Platz stehe für die ehrende Erinnerung an alle Mordopfer des Nationalsozialistischen Untergrunds, so Ministerpräsident Ramelow. Auch dafür, "dass die mörderische Ideologie des Rassismus und des Rechtsterrorismus nicht gebannt sind und dass die Aufarbeitung des NSU-Komplexes längst nicht abgeschlossen ist." Ein Wegsehen dürfe es nicht mehr geben.

Die Idee zur Benennung des bislang namenlosen Platzes hatten die Winzerlaer selbst, sagte Friederike Costa, die Pfarrerin des Stadtteils. Sie sieht darin ein wichtiges Zeichen für den Wandel von einer Hochburg der Rechten hin zu einem weltoffenen Quartier.

Simsek Platz NSU Jena
Ein Enkel des Ermordeten legt eine Blume an der Gedenktafel am "Enver-Şimşek-Platz" in Jena Winzerla ab. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Enver Şimşek: Erstes Mordopfer des NSU in Nürnberg

Vor 20 Jahren - am 9. September 2000 - hatten Böhnhardt und Mundlos den 38 Jahre alten türkischen Blumenhändler Enver Şimşek in Nürnberg erschossen. Es war der Beginn einer Mordserie mit insgesamt zehn Todesopfern. Das NSU-Trio wird zudem für 43 Mordversuche, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle verantwortlich gemacht.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 19. September 2020 | 11:30 Uhr

Mehr aus der Region Jena - Apolda - Naumburg

Mehr aus Thüringen