Mi 11.08. 2021 20:45Uhr 29:30 min

Exakt - Die Story Stiefkind Schiene

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Güterverkehrszentrum Leipzig-Wahren. 29 min
Güterverkehrszentrum Leipzig-Wahren. Die Bundesregierung will den Anteil der Gütertransporte auf der Schiene erhöhen: von derzeit 19% auf 25% im Jahr 2030. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
MDR FERNSEHEN Mi, 11.08.2021 20:45 21:15

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Jürgen Krebs auf der Elbebrücke der "kanonenbahn"
Jürgen Krebs ist Verkehrsingenieur im Ruhestand. Er ist überzeugt, dass die "Kanonenbahn" auch künftig eine wichtige Rolle für den Güterverkehr spielen könnte. Dafür müsste sie aber wieder aufgebaut werden. Bildrechte: MDR
Jürgen Krebs auf der Elbebrücke der "kanonenbahn"
Jürgen Krebs ist Verkehrsingenieur im Ruhestand. Er ist überzeugt, dass die "Kanonenbahn" auch künftig eine wichtige Rolle für den Güterverkehr spielen könnte. Dafür müsste sie aber wieder aufgebaut werden. Bildrechte: MDR
Dirk Flege ist Geschäftsführer von "Allianz pro Schiene"
Dirk Flege ist Geschäftsführer von "Allianz pro Schiene". Er kritisiert die aktuelle Verkehrspolitik der Bundesregierung als zu straßenlastig. Bildrechte: MDR
Container-Umschlag zwischen Bahn und Straße im GVZ Leipzig-Wahren.
Container-Umschlag zwischen Bahn und Straße im GVZ Leipzig-Wahren. Nicht überall wird die Bahn den LKW ersetzen können. Aber Güter sollen wenn möglich den größten Teil ihres Weges per Bahn zurücklegen. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
Güterverkehrszentrum Leipzig-Wahren.
Güterverkehrszentrum Leipzig-Wahren. Die Bundesregierung will den Anteil der Gütertransporte auf der Schiene erhöhen: von derzeit 19% auf 25% im Jahr 2030. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
Güterverkehrszentrum Leipzig-Wahren. Die Bundesregierung will den Anteil der Gütertransporte auf der Schiene erhöhen: von derzeit 19% auf 25% im Jahr 2030.
Güterverkehrszentrum Leipzig-Wahren. Die Bundesregierung will den Anteil der Gütertransporte auf der Schiene erhöhen: von derzeit 19% auf 25% im Jahr 2030. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
Ein Güterzug zwischen Halle und Magdeburg.
Ein Güterzug zwischen Halle und Magdeburg. Mehr als drei Viertel aller Gütertransporte in Deutschland benutzen allerdings die Straße. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
Der Güterbahnhof in Halle (Saale). So hochmodern sind längst nicht alle Güteranlagen in Deutschland, weshalb Milliarden investiert werden müssen, wenn die Wende im Güterverkehr gelingen soll.
Der Güterbahnhof in Halle (Saale). So hochmodern sind längst nicht alle Güteranlagen in Deutschland, weshalb Milliarden investiert werden müssen, wenn die Wende im Güterverkehr gelingen soll. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
Bei Güsten wurde der Bahndamm der ehemaligen Kanonenbahn komplett weggerissen – zugunsten der Autobahn 36. Wiederaufbau: höchst unwahrscheinlich.
Bei Güsten wurde der Bahndamm der ehemaligen Kanonenbahn komplett weggerissen – zugunsten der Autobahn 36. Wiederaufbau: höchst unwahrscheinlich. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
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Deutschland erstickt im Verkehr. Mehr als drei Viertel aller Gütertransporte werden hierzulande über die Straße abgewickelt. Bahnstrecken als umweltfreundliche Alternativen gerieten dagegen in den letzten Jahrzehnten immer weiter ins Abseits. Jetzt will die Bundesregierung ernst machen mit einer Verkehrswende. Doch dafür muss sie Fehler korrigieren, die sie in der Vergangenheit gemacht hat. "Exakt - Die Story" nimmt das "Stiefkind Schiene" unter die Lupe.

Ein Fünftel aller Bahnstrecken in Deutschland ist seit 1990 stillgelegt worden - fast 6.500 Kilometer. Auch Überhol- und Anschlussgleise wurden massiv abgebaut. Als die Bahn damals an die Börse gebracht werden sollte, galten sie als unwirtschaftlich.

Das sorgt heute für Probleme, weil vielerorts die Infrastruktur fehlt, um mehr Güterzüge fahren zu lassen. An manchen Stellen wurde "ganze Arbeit" geleistet. Der Bahndamm der ehemaligen "Kanonenbahn" bei Güsten wurde sogar komplett weggerissen - für eine Autobahn.

Mit einem Kopfschütteln quittiert das Jürgen Krebs. Der Verkehrsingenieur ist überzeugt, dass die inzwischen abgebaute Strecke eine wichtige Rolle für den Güterverkehr spielen könnte - wie zuletzt zu DDR-Zeiten. Doch die Versprechungen der Politik für mehr Gütertransporte auf der Schiene sieht er skeptisch: "So lange mehr in die Straße gesteckt wird, als in die Schiene, sind das alles Lippenbekenntnisse."

Fachleute kritisieren, dass die Verkehrspolitik der Bundesregierung noch immer zu straßenlastig sei. Die Lkw-Maut komme nicht ansatzweise für die Milliardenkosten auf, die Lkw alljährlich durch Schadstoffe, Unfälle und Polizeieinsätze verursachen. Das würden die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler finanzieren.

Den Kauf eines neuen Diesel-Lkw belohne der Staat aber mit einer Prämie von 15.000 Euro, beklagt Dirk Flege vom Lobbyverband "Allianz pro Schiene". "Wenn man all diese Dinge mit Steuergeld anreizt, dann darf man sich nicht wundern, warum die Güterbahn nicht aus dem Knick kommt, weil sie preislich einfach nicht mithalten kann."

Als Folge dieser Förderpolitik ist der Lkw für große Teile der Wirtschaft das flexiblere und vor allem preiswertere Transportmittel gegenüber der Bahn. Das wird längst auch von der Bahn selbst kritisiert. "Wir haben die große Aufgabe vor uns, die Rahmenbedingungen wieder schienengüterverkehrsfreundlich zu gestalten", mahnt Sigrid Nikutta, Vorstandsvorsitzende der Bahn-Tochter DB Cargo, die zugleicht Europas drittgrößter Logistik-Konzern ist.

Nun sollen sich die Bedingungen tatsächlich ändern, beteuert die Bundesregierung. Mit einem Investitionsprogramm in dreistelliger Milliardenhöhe, das die Fehler der Vergangenheit ausbügeln soll. Mit höheren Kraftstoffpreisen, die den Verkehr auf der Straße zwangsläufig teurer machen werden.

Warum kommen diese Maßnahmen erst jetzt? Reichen sie aus, um tatsächlich mehr Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern? Und meint es die Bundesregierung wirklich ernst mit ihren Bemühungen um eine Verkehrswende? "Exakt - Die Story" fragt nach.

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Gleb stammt aus einem verlorenen Dorf aus dem Ural. Er pendelt zwischen seiner Heimat und Moskau. Er sieht sich als Rapper und hält nichts von Politik. Bildrechte: MDR/WDR/Lichtfilm GmbH
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