Regenwald
Eigentlich gehört der feuchte Regenwald zu den am wenigsten Brand-gefährdeten Gebieten der Welt. Bildrechte: imago/blickwinkel

So viele Brände wie noch nie Amazonas: Regenwald in Flammen

Die Lunge der Welt steht lichterloh in Flammen. Riesige Flächen Amazonas-Regenwald in Brasilien - aber auch in Bolivien und Paraguay - brennen. Die Fläche soll so groß sein wie ganz Europa, schreiben einige Zeitungen. Auf jeden Fall ist sie so groß, dass die Brände deutlich vom Weltall aus zu sehen sind. Und auch die weit entfernte Metropole São Paulo hat die Auswirkungen der Brände schon zu spüren bekommen: Mitten am Nachmittag kam hier plötzlich die Dunkelheit.

Regenwald
Eigentlich gehört der feuchte Regenwald zu den am wenigsten Brand-gefährdeten Gebieten der Welt. Bildrechte: imago/blickwinkel

So schlimm wie jetzt war es noch nie: Im Amazonas-Gebiet brennen seit etwa drei Wochen die Wälder. Nach Angaben des brasilianischen Weltraumforschungsinstituts (Inpe) zeigen Satellitendaten, einen Anstieg der Brände um 83 Prozent verglichen mit demselben Zeitraum im Vorjahr. Auch auf Satellitenbildern der NASA und der europäischen Erdbeobachtungs-Satelliten des Copernicus-Programms sind die Feuer in der Amazonas-Region deutlich zu erkennen. Die Ausmaße der Fläche sind besorgniserregend: Hunderte Quadratkilometer brennen - nicht nur in Brasilien, sondern auch in Paraguay und Bolivien.

Satellitenbild des mittleren Teils des südamerikanischen Kontinents. Darauf sind deutlich große Rauchwolken im Amazonas-Gebiet zu erkennen.
Die Rauchwolken sind aus dem All deutlich zu erkennen. Bildrechte: NOAA

Waldbrände auf Rekordhoch

So viele Brände wie in diesem Jahr hat es in der Region offenbar noch nie gegeben. Inpe zufolge wurden bisher fast 72.900 gemeldet. Das sei ein Rekordwert. Allein seit vergangenem Donnerstag seien auf Satellitenbildern mehr als 9.500 neue Feuer entdeckt worden - vor allem im Amazonas-Becken. Dort steht der größte Regenwald der Welt, der als essentiell für den Kampf gegen die Klimakrise gilt.

Der brasilianische Bundesstaat Amazonas hat bereits Anfang August in einigen Regionen einen Notstand ausgerufen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Bisher nicht betroffene Regionen seien bereits in Alarmbereitschaft. In den brasilianischen Bundesstaaten Mato Grosso und Para hätten die Brände ebenfalls zugenommen - zwei Regionen, in denen die die Grenze zur Agrarregion sich immer mehr in Richtung Amazonas-Becken verschiebe und in denen die Entwaldung vorangetrieben werde.

Dürre und Menschen Schuld an Bränden

Waldbrände sind in der Trockenzeit, die derzeit herrscht, in der Region nicht unüblich. Außerdem herrscht schon seit einigen Monaten eine anhaltende Dürre in einigen Regionen Brasiliens. In manchen Gegenden hat es seit etwa drei Monaten nicht mehr geregnet.

Satellitenbild der Amazonas-Region im Grenzgebiet zwischen Brasilien, Bolivien und Paraguay. Darauf sind deutlich großflächige Rauchwolken mehrerer Brände zu sehen.
Auch Satellitenbilder der NASA zeigen die Brände im Amazonas-Becken. Bildrechte: NASA Earth Observatory / Lauren Dauphin

Allerdings werden die Feuer auch häufig vom Menschen angefacht - etwa wenn Bauern illegal Land roden, um dort Vieh zu halten oder etwas anzubauen. Reuters zufolge ist seit dem Amtsantritt des brasilianischen Staatschefs Jair Bolsonaro im Januar eine beispiellose Zunahme von Waldbränden zu verzeichnen. Der hatte versprochen, die Amazonasregion für Landwirtschaft und Bergbau zu erschließen. Dadurch fühlten sich die Menschen offenbar darin bestätigt, Wälder für ihre Zwecke zu roden. Bolsonaro selbst soll jede Mitschuld von sich gewiesen haben. Er gilt als Klimawandelleugner und Förderer der Agrar-Export-Industrie.

An dem Klima in diesem Jahr oder der Regenmenge im Amazonasgebiet ist nichts ungewöhnliches. Sie liegt nur leicht unter dem Durchschnitt. Die Trockenzeit schafft nur günstige Bedingungen für die Ausbreitung der Feuer, angefacht werden sie aber durch den Menschen - egal ob absichtlich oder aus Versehen.

Alberto Setzer, Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais (Inpe)

Dunkle Wolken erreichen São Paulo

Die Rauchwolken der gigantischen Amazonas-Brände haben sich indes ihren Weg nach Südosten gebahnt und am Montagnachmittag die rund 2.000 Kilometer entfernte Millionen-Metropole São Paulo erreicht. Dort wurde es durch den schwarzen Rauch in Kombination mit Kälte und feuchter Luft stockdunkel, erklärte ein Metereologe des brasilianischen Wetterdienstes Inmet dem Sender Globo. Auf grafischen Darstellungen der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ist die massive Rauchfahne zu sehen, die sich über Brasilien ausgebreitet hat.

Die dunklen Wolken, die in São Paulo für eine Nacht mitten am Tag gesorgt haben, verdeutlichten offenbar vielen Brasilianern das Ausmaß der Waldbrände im Amazonas-Gebiet. Die Menschen reagierten in Fernsehberichten aufgeschreckt und alarmiert. Einige sprachen von apokalyptischen Eindrücken. Inzwischen ist die Sorge auch in den Sozialen Netzwerken angekommen. Unter dem Hashtag #prayforamazonia soll auf die beispiellosen Waldbrände aufmerksam gemacht werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 10. August 2019 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2019, 16:52 Uhr