Eine Mutter macht mit ihrer Tochter Hausaufgaben
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Wissen-News Arme Eltern helfen allen Kindern bei Schulaufgaben – Vermögende vor allem bei schlechten Noten

26. März 2024, 14:19 Uhr

Ob Familien Unterschiede machen in der Förderung ihrer Kinder, hängt auch von ihrem Einkommen ab. Das ist das Ergebnis einer Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung, dessen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Unterstützungsverhalten von Eltern in Abhängigkeit von Schulnoten untersucht haben.

Frühere Forschung deutete auf Folgendes hin: Eltern mit höherem Einkommen unterstützen Kinder mit schlechteren Schulnoten stärker, während Eltern mit niedrigerem Einkommen hingegen Kinder mit besseren Noten förderten. Bisher wurde vermutet, dass die Motivation der Eltern der soziale Status ist. Eltern mit höherem Einkommen würden ihre Kinder demnach vor sozialem Abstieg bewahren wollen, Eltern mit niedrigerem Einkommen sozialen Aufstieg anstreben.

Die neue Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung kann diese Annahme nicht bestätigen. Die Forschenden verwendeten Befragungsdaten von Familien mit Zwillingen. Sie werteten aus, wie stark Eltern ihre Kinder bei den Hausaufgaben und beim gemeinsamen Lernen unterstützen und welche Erwartungen sie an die Kinder formulieren. Befragt wurden sowohl die Eltern als auch ihre Kinder. Ziel war es, herauszufinden, welchen Einfluss bessere oder schlechtere Noten der Kinder auf die Unterstützung ihrer Eltern haben.

Die Auswertung der Befragung zeigte, dass sich die Unterstützung der Eltern tatsächlich nach Einkommensschichten unterscheidet. Jedoch gibt es eine wichtige neue Erkenntnis:
Entgegen der bisherigen Annahme machen Familien mit niedrigem Einkommen keine Unterschiede in der Förderung ihrer Kinder, egal sie ob gute oder schlechte Noten bekommen. Eltern aus höheren Einkommensschichten dagegen unterstützen tatsächlich Kinder mit schlechteren Schulnoten tendenziell stärker als Kinder mit besseren Noten. Die Forschenden stützen sich ebenfalls auf die Vermutung, dass hier die Angst vor sozialem Abstieg eine wichtige Rolle spielt.

Links/Studien

  • Philipp Dierker, Martin Diewald: Compensation or accentuation? How parents from different social backgrounds decide to support their children, European Sociological Review (2024).

ASG

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Hörer machen Programm | 18. März 0024 | 06:23 Uhr

11 Kommentare

MDR-Team vor 3 Wochen

Hallo @Freies Moria,
Meinungen sollten auch als solche erkenntlich sein.
"Ich denke, das stimmt so nicht" wäre dabei ein besserer Einstieg. Denn so ist es eine [unwahre] Behauptung.
Herzliche Grüße

Freies Moria vor 3 Wochen

@MDR-Team: Das stimmt so nicht. Wissenschaft soll neues Wissen liefern. Bekanntes Wissen sollte also widerlegt werden, oder eben akzeptiert sein. Hier wurde frühere Forschung genauer gefasst, aber nach der 2. Runde stellt man fest, dass die Forschung nur das abbildet, was man im täglichen Leben ohnehin beobachtet hat. Da gibt es dann ganz sicher viel wichtigere Forschungsfelder!

MDR-Team vor 3 Wochen

Wir glauben, lieber @THOMAS H, dass unsere Antwort eindeutig war. Wissenschaft beruht auf Erfahrungswissen, soweit korrekt! Jedoch wird dies durch These und analytische Verfahren untersucht. Empirie ist demnach eine Methode, um Sachverhalte zu prüfen. Durch Studien und Untersuchungen sowie den gestellten Thesen, kann sich so an objektive Ergebnisse herangetastet werden. Eigenes/einzelnes Erfahrungswissen bleibt hingegen meist subjektiv, da es an Daten, globalen Erfahrungen und Vergleichen fehlt. Es sei denn, der Nutzer/die Nutzer*in hat eine objektive Studie genau zu dieser These (siehe Meinung des Nutzers) veröffentlicht und zur wissenschaftlichen Diskussion gestellt.
Herzliche Grüße