Mann dreht sich einen Joint (Cannabis)
Bildrechte: imago/Science Photo Library

Gedächtnis, Motivation und Impulskontrolle leiden Wie Cannabis Gehirne von Jugendlichen verändert

Kanadische Neurowissenschaftler haben untersucht, wie Cannabiskonsum während der Pubertät langfristig das Gehirn verändert. Beeinträchtigt werden vor allem Gedächtnis, Entscheidungsfähigkeit und Impulskontrolle.

Mann dreht sich einen Joint (Cannabis)
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Seit Oktober 2018 ist Cannabis in Kanada legal. Fast jeder fünfte Jugendliche dort kifft von Zeit zu Zeit (19 Prozent der 15- bis 19-Jährigen). Nicht nur Forscher wollen also dringend wissen: Schränkt die Droge dauerhaft die kognitive Leistung der Heranwachsenden ein? Die Ergebnisse der Neurowissenschaftler Patricia Conrod, Steven Laviolette, Iris Balodis and Jibran Khokhar deuten in diese Richtung. Die Forscher präsentieren ihre Ergebnisse an diesem Wochenende bei einer Konferenz in Toronto.

Grundlage ist unter anderem eine Untersuchung an insgesamt 3826 Siebtklässlern. Die Forscher befragten sie vier Jahre in Folge zu ihrem Alkohol- und oder Cannabisgebrauch. Dann maßen sie mit einem Computertest kognitive Fähigkeiten und beobachteten dabei auch die Hirnaktivitäten.

Cannabis beeinträchtigt Gedächtnis und logisches Denken

Das Gehirn durchlaufe während der Pubertät eine sensible Entwicklung. Unter anderem reifen Bereiche heran, die für Arbeitsgedächtnis, Entscheidungsfindung und Impulskontrolle zuständig seien, so die Forscher in einer Mitteilung. In dieser Zeit würden wichtige Verbindungen gebildet zwischen Kortex und tieferen Hirnregionen, die für die Emotionsverarbeitung zuständig seien.

Bei den Tests zeigte sich: Der Drogengebrauch minderte die kognitiven Fähigkeiten insgesamt. Vor allem bei Jungen beeinträchtigte Cannabis das Arbeitsgedächtnis. Mädchen und Jungen hatten durch Kiffen weniger Impulskontrolle. Cannabiskonsumenten konnten sich zudem schlechter erinnern und hatten größere Probleme beim logischen Denken.

Muster wie bei Schizophrenie: THC verändert Gehirne von Nagetieren

Das Team von Steven Laviolette wiederum untersuchte an den Modellen von pubertierenden Nagetiergehirnen die Effekte des Cannabis-Wirkstoffes THC. Dort zeigten sich Veränderungen im präfrontalen Cortex und im mesolimbischen System, die denen durch eine Schizophrenie-Erkrankung ähnelten. Mit Medikamenten, die die Aktivitäten im Cortex normalisieren, konnten die Forscher die Hirnveränderungen später aber rückgängig machen. Die Schäden waren also nicht bleibend.

(ens)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 20. Mai 2019 | 20:37 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Mai 2019, 15:29 Uhr