Covid-19 Wuhan zeigt: Herdenimmunität nicht durch Infektionen erreichbar

Wuhan war der erste Corona-Hotspot, doch auch dort haben nur sieben Prozent der Einwohner Antikörper gegen das Virus, zeigt eine neue Studie. Eine weitere liefert neue Erkenntnisse zum Ursprung der Pandemie.

Wuhan Metropole China
Die Millionenmetropole Wuhan in China: Trotz einer enormen Infektionswelle haben nur knapp 7 Prozent der Einwohner Antikörper gegen Sars-CoV-2. Bildrechte: IMAGO / agefotostock

Im Frühjahr 2020, als Europa gerade die erste Welle der Coronapandemie erlebte, hatte China das Virus durch rigide Maßnahmen bereits eingedämmt. Wissenschaftler begannen umgehend, die Auswirkungen der Masseninfektionen zu erforschen und dabei auch der Frage nachzugehen, wie viele Menschen eigentlich Antikörper gegen Sars-Coronavirus-2 gebildet haben und wie lang diese Immunantwort erhalten bleibt. Jetzt hat eine Gruppe um Chen Wang von der chinesischen Akademie für medizinische Wissenschaften Ergebnisse im Fachblatt "The Lancet" veröffentlicht. Fazit: Trotz massivem Infektionsgeschehen hat nur ein Bruchteil der Bürger von Wuhan einen effektiven Schutz gegen das Virus aufgebaut.

Nur sieben Prozent haben Antikörper

Für ihre Untersuchung wählten die Forscher per Zufall Menschen aus verschiedenen Stadtvierteln Wuhans aus und luden sie zu der Studie ein. Insgesamt konnten sie so rund 9.500 Teilnehmer aus rund 3.500 Familien gewinnen, die einerseits in standardisierten Fragebögen beantworteten, ob sie infiziert waren und Symptome hatten. Andererseits nahmen die Mediziner Blutproben und zwar insgesamt drei Mal: Mitte April, im Juni und Anfang Oktober 2020.

Das Ergebnis war erstaunlich: Bei nur 532 Teilnehmern (5,6 Prozent) fanden die Forscher Antikörper gegen Sars-CoV-2. Nach statistischer Korrektur ergibt sich für die Gesamtbevölkerung ein Wert von 6,92 Prozent der Stadtbewohner, die Antikörper gegen das Virus haben. Von den 532 Personen hatten 437 (82,1 Prozent) die Infektion ohne Symptome erlebt.

Herdenimmunität nur durch Impfung erreichbar

Nur rund 40 Prozent der Menschen mit Antikörpern verfügten auch über sogenannte neutralisierende Antikörper. Das sind solche, die das Virus effektiv ausschalten können. Dieser Anteil blieb über alle drei Bluttests relativ stabil, die Forscher fanden nur einen geringfügigen, statistisch nicht signifikanten Rückgang. Es zeigte sich auch: Vor allem Personen, die eine symptomatische Erkrankung durchgemacht hatten, besaßen diese neutralisierenden Antikörper. Bei asymptomatischen Verläufen waren diese Antikörper viel schwächer ausgeprägt.

Die Forscher schließen aus ihrer Untersuchung, dass auch in Hotspots, wo es zu massiven Ausbrüchen der Pandemie kam, nicht genügend Menschen über einen Immunschutz verfügen, um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. Die ist definiert als Stadium, in dem genügend Menschen Immun gegen einen Erreger sind, so dass er nicht mehr einfach von Wirt zu Wirt springen kann. Eine solche Herdenimmunität sei wahrscheinlich nur durch Massenimpfungen erreichbar, schreiben die Autoren der Studie.

Simulation: Virus zirkulierte wahrscheinlich schon im Oktober in Hubei

Eine Computersimulation von Jonathan Pekar und seinem Team kommt unterdessen zu dem Schluss, dass die ersten Coronafälle bereits Mitte Oktober 2019 aufgetreten sein könnten. In ihrem Beitrag für Science schreiben die Autoren, dass dadurch der Seafoodmarkt als Ursprung der Pandemie immer unwahrscheinlicher werde. Der sogenannte Patient 0 oder Indexfall müsste laut den Berechnungen der Forscher lange vor dem Cluster im Dezember auf dem Markt aufgetreten sein.

Die Forscher nutzen einerseits die sogenannte Bayes'sche Molekularuhr-Phylogenetik, um den zeitlichen Ursprung des ersten bekannten Stamms von Sars-CoV-2 abzuschätzen. Dann berechneten die mit epidemiologischen Modellen dessen Ausbreitung unter der Annahme, dass dieses Virus noch weit weniger übertragbar war, als die späteren Stämme. Laut den Forschern zeigen die Ergebnisse, dass das Virus bereist im Oktober und November auf niedrigem Niveau in der Hubei Provinz zirkuliert haben könnte, bevor es in Wuhan bemerkt wurde.

Zu den Studien

1 Kommentar

Felix am 21.03.2021

Krankheiten werden wir wohl nicht verhindern, aber man kann zumindest seine Immunität gegen Angst und Panik stärken - indem man einfach mal Medien fastet. Schon geht es einem besser und man kann vielleicht auch mal wieder mit Leben anfangen. Schönen Sonntag!