Psychologie Können Kinder Dankbarkeit lernen?

Du weißt gar nicht, wie gut Du es hast! Diesen Satz haben viele Eltern schon gesagt oder zumindest gedacht und mehr Dankbarkeit von ihrem Kind erwartet. Aber reicht es, "Danke!" zu sagen, und kann man wirklich empfundene Dankbarkeit lernen? Eine neue Studie aus den USA sucht nach Antworten.

Thanksgiving
Thanksgiving in den USA - Symbolfoto (nicht zu übersehen) Bildrechte: IMAGO / Shotshop

Thanksgiving ist das wichtigste Familienfest in den USA und in Kanada, immer am vierten Donnerstag im November. Das C.S. Mott Children’s Hospital an der University of Michigan Health nahm dieses Dankesfest zum Anlass, um nachzufragen, wie es um diese Tugend bei den Jüngsten im Land bestellt ist. Eine Umfrage unter Eltern vier- bis zehnjähriger Kinder ergab: vier von fünf der Befragten schätzten ihre Kinder als undankbar und egoistisch ein. Dabei sind drei Viertel der Familien bemüht, ihren Kindern Dankbarkeit anzuerziehen.

Dankbarkeit ist gesund und kann unser Leben verändern

Schon seit der Antike setzen sich Philosophen mit der Dankbarkeit auseinander, denn sie bestimmt mit, wie wir miteinander leben, uns aneinanderbinden, wie wir uns fühlen. Die Vertreter dieser griechisch-römischen Denkschule um Epiktet (um 50–135 n. Chr.) und Seneca (4 v. Chr.–65 n. Chr.) entwickelten daraus vor 2.000 Jahren ein raffiniertes Rezept für unser Lebensglück: Getreu dem Motto "Es hätte schlimmer kommen können", lenkten sie den Blick darauf, dankbar zu sein für jedes Unglück, das nicht eintrat. So gesehen haben wir mehrmals am Tag einen Anlass, dankbar zu sein.

Die Psychologie hat das Potential dieses komplexen Gefühls hingegen erst vor etwa 20 Jahren entdeckt und festgestellt, dass es helfen kann, unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und die seelische Abwehrkraft zu stärken. Robert Emmons und Michael McCullough arbeiteten ab 2003 an drei Studien, die sich der Frage widmeten, was Dankbarkeit erreichen kann. Unter anderem ließen sie ihre Probanden Dankbarkeitstagebücher führen. Das Ergebnis: Diejenigen, die positive Ereignisse und Empfindungen notierten, fühlten sich insgesamt besser und optimistischer. Außerdem konnten sie Fortschritte im Hinblick auf persönliche Ziele verzeichnen, sei es beruflich, zwischenmenschlich oder gesundheitlich. Erwachsene mit einer neuromuskulären Erkrankung waren nach einem 21-tägigen Dankbarkeitstraining optimistischer und spürten eine stärkere Verbundenheit mit anderen. Sie schliefen auch besser und länger. Inzwischen wird diese Intervention auch bei Depressionen zur Unterstützung hinzugezogen.

Können Kinder Dankbarkeit erlernen?

In einer weiteren Studie von 2008 (hier als pdf verfügbar) konnte Emmons gemeinsam mit seinen Kollegen Jeffrey Froh und William Sefick feststellen, dass Kinder, die dankbar sind, eine positiverer Einstellung zur Schule und zu ihrer Familie haben. Was aber, wenn die meisten Kinder zu wenig Dank empfinden können, wie in der Studie aus Michigan unter Leitung der Kinder- und Jugendmedizinerin Sarah Clark festgestellt?

Dankbarkeit erwerben Kinder nicht automatisch. Wir müssen die sie altersgerecht vermitteln.

Sarah Clark, Co-Direktorin des C.S. Mott Children´s Hospital, Michigan, USA

Fünf Wege zur Dankbarkeit

1. "Danke" sagen: Dass ihre Kinder "Bitte" und "Danke" sagen, das gelingt immerhin 88 Prozent der befragten Eltern. Damit aus der höflichen Phrase eine ehrlich empfundene Dankbarkeit werden kann, müssen Erwachsene Kindern erklären, warum und wofür sie sich bedanken sollen. Dazu kann man zum Beispiel nach dem Geburtstag oder nach Weihnachten gemeinsam Dankeskarten gestalten.

2. Über Dankbarkeit sprechen: An jedem Tag gibt es Anlässe, für die wir dankbar sein können. Dafür, dass wir gesund sind, dass wir zusammen sein können, dass es den einen oder anderen schönen Moment gegeben hat.

3. Helfen: Wer mithilft, wer tut, was andere sonst tun, entwickelt ein Verständnis dafür, was andere leisten und damit auch Dankbarkeit. Eine Mahlzeit zubereiten, Aufräumen, das Haustier füttern. Wer Kinder in diese Aufgaben einbezieht, weckt bei Ihnen auch das Gefühl der Dankbarkeit. Ein weiterer Schritt ist, sich ehrenamtlich zu engagieren und damit auch außerhalb der Familie zu helfen.

4. Geben: Um zu sehen, dass es anderen nicht so gut geht und man deshalb dankbar sein kann für die eigene Situation, sind Spendenaktionen eine gute Gelegenheit: zum Beispiel gemeinsam mit dem Kind Spielzeug oder Kleidung auszuwählen, das anderen Kindern zu Gute kommt oder sich an Wohltätigkeitsbasaren zu beteiligen.

Viele Geschenke - viel Dankbarkeit?

Kinder, die daran gewöhnt sind, viele Geschenke zu bekommen, nehmen sie als Selbstverständlichkeit an und nicht als etwas Besonderes, wofür sie dankbar sein sollten. Das Übermaß an Materiellem lenkt sie ab von der Idee, die hinter dem Schenken steckt: Dass jemand, der das Kind gern hat, sich Gedanken darüber gemacht hat, wie er ihm eine Freude machen kann.

krm

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