Deutschland-Doppel In Kassel und in der Rhön sieht man die Sterne schön

Die Menschen in der thüringischen Rhön leben rund 150 Kilometer vom Landkreis Kassel entfernt. Beide verbindet aber etwas: Viele von ihnen beobachten gern den Nachthimmel. Das funktioniert in beiden Regionen besonders gut, denn nur wenig künstliches Licht stört bei der Beobachtung. Diese Voraussetzungen sind für beide Kreise Geschenk und Herausforderung zugleich.

Sternenhimmel über Kassel und über der Rhön

Sternenhimmel über Kassel
Bildrechte: SFN Kassel
Sternenhimmel über Kassel
Bildrechte: SFN Kassel
Sternenbeobachtung auf der Hohen Geba in Thüringen
Der Sternenhimmel über dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen (links) und über dem Landkreis Kassel (rechts). Bildrechte: Verein Sternenpark Rhön e.V.
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Die Landkreise Kassel und Schmalkalden-Meiningen haben eine ähnliche Lichtverschmutzung, die im bundesweiten Vergleich besonders niedrig ist. Das geht aus Messungen des Geoforschungs-Zentrum Potsdam hervor. Für beide Kreise wurde im Januar 2019 ein gerundeter Wert von 1,05 nW/cm² gemessen.

Werte der Lichtverschmutzung im Januar 2019

Landkreis nW/cm²
Schmalkalden-Meiningen 1.05657
Kassel 1.04856
Bundesdurchschnitt 2.87832

Rhön als Hotspot der Sternenbeobachter

Die Region im Herzen Deutschlands ist dünn besiedelt, es gibt wenig Industrie und eine Höhenlage. Das macht die Rhön beliebt für Sternebeobachter. Im Sommer ist der Gebaberg im Kreis Schmalkalden-Meiningen ein Hotspot. Das hat sich mittlerweile auch herumgesprochen. Aus dem gesamten Bundesgebiet reisen Menschen an, um an Sternenführungen teilzunehmen. Sabine Frank wandert mit ihnen durch die Region, zeigt Sternenbilder und erklärt, dass diese vor allem wegen der geringen Lichtverschmutzung gut zu sehen sind.

Die geringe Lichtverschmutzung ist bisher auch Straßenlampen in den Gemeinden zu verdanken, die nicht grell sind und in einem schmalen Winkel nach unten strahlen. Bei neuen Bauprojekten oder dem Ersatz alter Lampen werden aber immer öfter LED-Leuchtmittel eingesetzt. Dabei wird oft nicht mehr darauf geachtet, dass sie in einen schmalen Winkel nach unten strahlen. Durch die geringen Kosten werden außerdem oft leistungsstärkere und hellere LEDs eingesetzt, als es notwendig wäre. Das sorgt nicht nur für eine Lichtverschmutzung des Nachthimmels, sondern gefährdet auch viele Insektenarten.

Freiwilliger Einsatz für weniger Lichtverschmutzung in der Rhön

Vor 6 Jahren hat die Rhön einen UNESCO-Titel bekommen. Seitdem verpflichten sich mehrere Gemeinden der Region, besonders den Nachthimmel zu schützen. Sabine Frank hat sich das zur persönlichen Aufgabe gemacht. Früher ehrenamtlich - heute als Sternenparkskoordinatorin des Biosphärenreservats Rhön.

Es wird hier immer heller, heller und heller und da muss was gemacht werden. Und davon lass ich mich auch nicht abbringen.

Sabine Frank, Sternenparkskoordinatorin

Sie tourt durch Gemeinden, hält Vorträge, spricht mit Elektrikern in Thüringen, Hessen und Bayern. Vor Ort will sie den Akteuren verdeutlichen, wie wichtig es ist, darüber zu sprechen, wie Licht eingesetzt wird. Laut Frank fehlt es oft aber noch an Verständnis für dieses Thema. Manchmal würden dann doch ungeeignete Lampen verbaut werden. Aus der Bevölkerung erhält sie aber immer wieder viel Zuspruch, was das Thema angeht:

Der Sternenhimmel ist auch ein Teil unserer Heimat und das hat man in Thüringen gut verstanden.

Sabine Frank, Sternenparkskoordinatorin

In Thüringen hat inzwischen eine weitere Koordinatorin die Arbeit aufgenommen. Sie soll die Kommunikation der Akteure unterstützen und somit dabei helfen, die Lichtverschmutzung zu senken.

Blick von der Hohen Geba im Landkreis Schmalkalden-Meiningen

Sternenbeobachtung auf der Hohen Geba in Thüringen
Bildrechte: Verein Sternenpark Rhön e.V.
Sternenbeobachtung auf der Hohen Geba in Thüringen
Bildrechte: Verein Sternenpark Rhön e.V.
Sternenbeobachtung auf der Hohen Geba in Thüringen
Bildrechte: Verein Sternenpark Rhön e.V.
Sternenbeobachtung auf der Hohen Geba in Thüringen
Bildrechte: Verein Sternenpark Rhön e.V.
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Störendes Licht an der Sternwarte Kassel-Calden

Licht ist auch für die Sternwarte in Calden - einer Gemeinde im nordhessischen Landkreis Kassel - ein nicht unbedeutendes Thema gewesen. Rund 40 Jahre lang haben sich Fans der Astronomie und Forscher in der Sternwarte am Stadtrand von Kassel zum Beobachten des Nachthimmels getroffen.

Ehemalige Sternwarte in Calden
Die ehemalige Sternwarte in Calden im Landkreis Kassel. Bildrechte: SFN Kassel

Allerdings stand der Sternwarten-Leiter Bernd Holstein vor einem Problem: Der kleine Flugplatz in der Nähe wurde zum Regionalflughafen ausgebaut. Seit 2013 leuchtet dort eine Start- und Landebahn sowie ein Haupttower - rund 120 Meter von der Sternwarte entfernt.

Sternwarte zieht von Calden nach Kassel

Für die Sternwarte in Kassel hatte sich nur eine Lösung geboten: Der Umzug in die Stadt. Dort entstand mit der örtlichen Uni eine neue Sternwarte, die für interessierte Jugendliche auch leichter zu erreichen ist.

Wegen des hell, dunkel, hell, dunkel durch das Licht des Flughafen-Towers war für uns klar, dass wir die Sternwarte aufgeben mussten.

Bernd Holstein, Sternwarten-Leiter

In der Stadt selbst ist die Lichtverschmutzung zwar nicht so gering, wie früher in Calden, das konstante Licht lässt sich aber gut herausfiltern, erklärt der Sternwarten-Leiter Bernd Holter. Das Thema Lichtverschmutzung ist für die Kasseler aber nicht vom Tisch. Mittlerweile haben sie eine eigene Schüler-Forschungsgruppe, die mit Messgeräten durch den Landkreis zieht. Auch eine mögliche Teilnahme bei “Jugend forscht” wird mit dem Projekt nicht ausgeschlossen.

Sternwarte in Calden
Beobachtungsplattform der neuen Sternwarte in Kassel. Bildrechte: SFN Kassel

Kassel und Rhön arbeiten zusammen gegen Lichtverschmutzung

Von dem Engagement in der Rhön profitiert der Landkreis Kassel übrigens auch. Sabine Frank hat mit dem Kreis eine gemeinsame Broschüre erstellt. Darin informieren sie über eine Beleuchtung, die Lichtverschmutzung möglichst gering hält. Damit Sternenfreunde weiter die Nacht beobachten und Tiere unbeschwert neben dem Menschen in der Natur leben können.

Über das Projekt Deutschland-Doppel

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Deutschland-Doppels - ein Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs M.Sc. Journalismus der Universität Leipzig und der Redaktion MDR Wissen aus Anlass von 30 Jahren Wiedervereinigung.