Neurologie Wie neugebildete Nervenzellen bei Mäusen das Gedächtnis unterstützen

Mäuse können im Erwachsenenalter noch Nervenzellen neu bilden. Japanische Forscher haben herausgefunden, wie diese bei der Formung des Gedächtnisses wirken. Das könnte fürs Verständnis des menschlichen Gehirns helfen.

Maus für Versuchszwecke
Bildrechte: imago images / Jochen Tack

Die Wissenschaftler um Masanori Sakaguchi von der Universität von Tsukuba konditionierten für ihre im Fachmagazin "Cell" erschienene Studie Mäuse mit schwachen Elektroschocks und machten dabei einzelne Neuronen sichtbar. Dafür nutzten sie die Methode der Optogenetik, bei der die Bereiche Optik und Genetik verknüpft werden, um zelluläre Aktivitäten zu visualisieren. Mit blauem Licht wurden genetisch veränderte Nervenzellen gezielt gehemmt oder aktiviert.

REM-Phase entscheidend für Gedächtnisbildung

Während des REM-Schlafs (von Rapid-Eye-Movement, eine Schlaf-Phase, in der Erinnerungen verarbeitet werden und Träume stattfinden) zeigte sich bei den Mäusen dann ein fein austariertes Netz von aktiven, neugebildeten Nervenzellen. Störten die Forscher diese Neuronen durch Manipulation, bildete sich das Angstgedächtnis der Mäuse schlechter aus.

Diese Grundlagenforschung könnte wichtige Erkenntnisse über die Gedächtnisbildung liefern - auch beim Menschen. Auch wenn die Ergebnisse natürlich nicht direkt übertragbar sind, wie etwa Dr. Lisa Genzel erklärt: "Wenn wir von Lernen beim Menschen sprechen, dann geht es meistens um weniger emotionale Gedächtnisinhalte. Auch wenn wir mit Elektroschocks arbeiten, sind das eher unbedeutende Erlebnisse im Vergleich zu unserem ganzen Leben", sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsgruppe Networks of Memory and Sleep an der niederländischen Radboud-Universität.

Obwohl es beim Menschen ungleich schwerer sei, solche Mechanismen direkt nachzuweisen, erscheint es möglich, dass in unserem Gehirn ähnliche Prozesse ablaufen, sagt Dr. Johannes Letzkus vom Frankfurter Max-Planck-Institut für Hirnforschung. Und Prof. Dr. Gerd Kempermann vom Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen in Dresden resümiert: "Mäuse schlafen ganz anders als Menschen, aber sie schlafen, und auch bei ihnen werden Gedächtnisinhalte, die sich freilich auf ihr Mäuseleben beziehen, im Schlaf konsolidiert."

cdi

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