Spaceway-1 außer Kontrolle Unkontrollierbarer Satellit: Ist der Friedhofsorbit die Rettung?

Droht eine Explosion im Weltraum? Bis zum 25. Februar muss der TV-Satellit Spaceway-1 aus der geostationären Umlaufbahn gebracht werden. Ansonsten wird er unkontrollierbar und könnte beim Zusammenstoß mit anderen Satelliten explodieren. doch die Betreiber haben eine Lösung gefunden: den Friedhofsorbit.

Der AEOLUS-Satellit umkreist die Erde.
Künstlerische Darstellung eines Satelliten. Bildrechte: ESA/P. Carril, 2010

Bereits im Dezember kam es zu "erheblichen und irreversiblen thermischen Schäden“ an der Batterie von Spaceway-1. Dies teilte der Betreiber DirecTV am 19. Januar mit. Seitdem ist die Batterie deaktiviert und der Satellit ist auf Solarstrom umgestiegen. Doch am 25. Februar wird er in den Erdschatten eintreten - und ohne Energie unkontrollierbar: Ein Zusammenstoß mit noch aktiven Satelliten sei nicht ausgeschlossen.

Es bleibt zu wenig Zeit

Um das Risiko gering zu halten, haben der Betreiber DirecTV und Intelsat verschiedene Gegenmaßnahmen durchgespielt. Spaceway-1 soll 300 Kilometer oberhalb der geostationären Umlaufbahn geparkt werden. Das Manöver dauert 21 Tage, was bedeutet, dass sieben Tage für das Ablassen des Treibstoffes bleiben. Doch diese Zeit hat der Satellit nicht.

Die zirka 73 Kilogramm geladener Biotreibstoff sind ein großes Problem. Laut der Federal Communication Commission (FCC) ist DirecTV dazu verpflichtet, den Treibstoff vor dem Deaktivieren von Satelliten entweder komplett zu verbrauchen oder abzulassen. Dieser Vorgang würde zwei bis drei Monate dauern. Wenn dies nicht geschieht, droht beim Zusammenprall etwa mit anderen Satelliten eine Explosion, die aus dem entstehenden Weltraumschrott gefährliche Geschosse macht.

Geostationäre Umlaufbahn

Satelliten wie Spaceway-1 befinden sich in der geostationären (GEO) Umlaufbahn, auf der hauptsächlich Kommunikations- und Wettersatelliten unterwegs sind. Die künstlichen Himmelskörper bewegen sich dort synchron zur Erde, so dass sie von uns gesehen immer am selben Punkt am Himmel stehen. Da die Erdrotation aber nicht symmetrisch verläuft, müssen die Satelliten ihre Bahn korrigieren – dafür der Treibstoff. Weil sich die geostationäre Umlaufbahn auf rund 35.800 bis 42.200 Kilometer Entfernung befindet (bis zum Mond ist es etwa zehn Mal so weit), ergibt der Eintritt in die Atmosphäre keinen Sinn. Deshalb werden ausrangierte Satelliten in den Friedhofsorbit gebracht.

Weltraumschrott ESA 3 min
Bildrechte: European Space Agency (ESA)

Diese Animation zeigt verschiedene Arten und Größen von Weltraumschrott, der sich in den Umlaufbahnen um die Erde befindet.

Di 10.12.2019 14:37Uhr 02:39 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/aktuell/weltraumschrott-verteilung-erd-orbit-100.html

Rechte: ESA - European Space Agency

Video

Einleitende Rettungsmassnahmen

Dieser befindet sich 300 Kilometer oberhalb der GEO-Umlaufbahn. Um Spaceway-1 in diese sichere Umlaufbahn zu bringen, wendete sich DirecTV an die Kommission: "Wir bitten um Aufhebung der Regel". Man argumentiert damit, dass die Abweichung der Regel dem öffentlichem Interesse diene. Die FCC stimmte dem Anliegen zu.

Bis zum 10. Februar wollte DirceTV Spaceway-1 in den Ruhestand schicken. Doch anders als üblich entschied sich das Unternehmen für 500 Kilometer über dem Äquator - mit einem höheren Treibstoffverbrauch als Folge. Intelsat, die den Spaceway-1 für dieses Manöver steuerten, haben es nach eigenen Angaben geschafft: Spaceway-1 sei weit über der Schwelle für die GEO-Friedhofsumlaufbahn außer Betrieb genommen worden. Auf Anfragen von MDR Wissen reagierte DirecTV aber nicht.

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