Sars-CoV-2 Mysteriöse Hepatitis bei Kindern wahrscheinlich Covid-19 Folge

Seit Jahresbeginn registriert die WHO weltweit gehäuft schwere Leberentzündungen (Hepatitis) bei Kindern. Israelische Forscher glauben jetzt, dass es sich um Folgen einer Corona-Infektion handelt.

Animation der Leber eines Babies
Sitz der Leber im Körper einers Kleinkinds. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Science Photo Library

Update 20.6.: Inzwischen haben sich einige Mediziner, darunter die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek, kritisch zu der Studie aus Israel geäußert. Wir haben ihre Einschätzung hier ergänzt.

Gesundheitsbehörden in Europa haben seit Jahresbeginn 402 Fälle von Hepatitis-Erkrankungen (Leberentzündungen) unbekannten Ursprungs bei Kindern bis zu einem Alter von 16 Jahren festgestellt. Das berichtet das Europäische Zentrum für Krankheits-Prävention und Kontrolle (ECDC) in seinem jüngsten Report vom 10. Juni. Die allermeisten Fälle traten in Großbritannien auf, wo insgesamt 224 Kinder behandelt wurden, gefolgt von Spanien mit 36 Fällen. Das Robert Koch-Institut in Deutschland sieht bislang keine Häufung von Hepatitis-Fällen im Kinderalter mit unbekannter Ursache, die über das übliche Geschehen hinausgingen, teilte das Institut auf Anfrage von MDR WISSEN mit.

Hepatitis möglicherweise durch überschießende Immunreaktion nach Covid-19

Israelische Mediziner wollen jetzt mehr Hinweise gefunden haben, die einen Verdacht erhärten, den zuvor bereits US-Forscher geäußert haben. Bei den mysteriösen Erkrankungen könnte es sich um eine Spätfolge einer Covid-19-Infektion handeln. Die Forscher hatten fünf Kinder untersucht (zwei Säuglinge im Alter von drei und fünf Monaten sowie drei Kinder im Alter von zwei, acht und 13 Jahren), von denen vier via PCR-Test nachgewiesene milde Covid-19-Infektionen durchgemacht hatten. Beim fünften Kind konnten die Forscher Antikörper gegen Sars-CoV-2 im Serum nachweisen.

Die beiden Säuglinge mussten im Krankenhaus wegen akutem Leberversagen behandelt werden und bekamen schließlich Spenderorgane. Bei der anschließenden Untersuchung der herausgenommenen Organe fanden die Mediziner keine Spuren der Coronaviren, aber viele Hinweise auf eine überschießende Immunreaktion und anhaltende Entzündungen. Auch bei den drei älteren Kindern zeigten sich fehlgeleitete Immunreaktionen, die bei ihnen die Gallentätigkeit blockierten. Die drei Kinder konnten mit Steroiden behandelt und die Entzündungen so abgemildert werden.

Auch bei Erwachsenen können Leber und Galle nach Covid-19 geschädigt sein

Andere Ursachen außer der vorangegangenen Corona-Infektion konnten laut den Forschenden ausgeschlossen werden. Zudem treten auch bei Erwachsenen zunehmend Erkrankungen der Leber und der Galle als Folge einer Covid-19 auf.

US-Forscher hatten bereits im Mai darauf hingewiesen, dass viele Kinder nach einer Covid-19 auffällige Leberwerte zeigen. Hepatitis-Erkrankungen könnten als weitere Post-Corona-Erkrankungen bei Kindern hinzukommen zu dem bereits bekannten Pediatrischen Inflamatorischen Multisystem Syndrom (PIMS).

Deutsche Mediziner vorsichtig in Bezug auf die Corona-These

Deutsche Mediziner wie die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek äußerten sich jedoch skeptisch zu den Ergebnissen aus Israel. "Mit einer Anzahl von insgesamt fünf Fällen ist diese Fallserie sehr klein. Das gilt im Besonderen, wenn man bedenkt, wie heterogen die Gruppe von Patienten ist: Ein junger Säugling mit einem Alter von drei Monaten sowie ein Kind im Alter von 13 Jahren werden hier gemeinsam präsentiert, obwohl in diesen Altersgruppen sehr unterschiedliche Aspekte und mögliche Ursachen berücksichtigt werden müssen", sagte sie in einem Kommentar zu der Studie.

Es sei unklar, ob überhaupt alle Kinder selbst mit dem Virus infiziert gewesen seien, oder ob beispielsweise die beiden Säuglinge lediglich Antikörper ihrer Mütter bekommen hätten. Zudem seien die Erkrankungen bei den fünf Kindern extrem unterschiedlich verlaufen. "Eine Beteiligung von SARS-CoV-2 ist weiterhin weder bewiesen noch ausgeschlossen", lautet Cieseks Fazit.

Links/Studien

(ens/smc)

Podcast Kekulés Gesundheits-Kompass 54 min
Bildrechte: MDR/Stephan Flad

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