Auf Planet B alles besser machen Wie können Menschen den Mars nachhaltig besiedeln?

Der Traum vom Menschen auf dem Mars könnte sich schon in den kommenden Jahrzehnten erfüllen. Die großen Raumfahrtorganisationen und private Unternehmen arbeiten bereits an entsprechenden Missionen. Zeit, sich nicht nur über die technischen Aspekte Gedanken zu machen, sondern auch um die Nachhaltigkeit. Das Forschungsprojekt "Humans on Mars" will ab heute (8. Juli) herausfinden, wie Menschen den roten Planeten langfristig besiedeln können, ohne dass Umwelt oder Gesellschaft Schaden nehmen.

Illustration zeigt zwei Menschen in Raumanzügen auf der Marsoberfläche, die neben Sonnenkollektoren und größeren Silo-artigen Bauwerken stehen und an weißen Kisten arbeiten.
Die Besiedelung des Mars. Hier sollten wir gleich von Anfang an alles richtig machen. Bildrechte: Joris Wegner / Universität Bremen

Das erste Ziel der Artemis-Mission der Nasa ist der Mond. Mitte der 2020er-Jahre soll sie wieder Menschen auf den Erdtrabanten bringen, darunter auch die erste Frau. Später soll es dann weiter gehen in Richtung Mars. Und auch die europäische Weltraumorganisation Esa hat gerade ehrgeizige Pläne veröffentlicht: Noch vor 2040 will sie im Rahmen der ersten bemannten Mission einen europäischen Astronauten zum Mars schicken. Das geht aus dem Strategiepapier "Terrae Novae" hervor. Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX ist noch viel ehrgeiziger: Das Unternehmen will laut Elon Musk noch in diesem Jahrzehnt Menschen zum Mars bringen.

Schon heute arbeiten auch Forscherinnen und Forscher in Deutschland daran, Leben und Arbeit auf anderen Planeten möglich zu machen. Der Fokus dabei liegt bisher eher auf einer rein technischen Perspektive: Wie können Siedler auf dem Mars überhaupt leben?

Ein neues, nachhaltiges Leben

Die Universität Bremen und einige weitere Forschungsinstitute widmen sich in dem neuen Projekt "Humans on Mars" einem breiteren, fächerübergreifenden Ansatz. So wollen sie herausfinden, ob und wie eine nachhaltige Erkundung des Mars durch den Menschen möglich ist. Rund 60 Forschende aus acht Fachbereichen gehen dabei unter anderem den Fragen nach, was die konkreten Herausforderungen vor Ort sind und was sie mit uns Menschen machen? Und wie wirkt sich umgekehrt der Mensch auf die neue Umgebung aus? Das Ziel sind Konzepte, die zeigen, wie eine langfristige, nachhaltige Erkundung und Besiedelung des Mars durch den Menschen aussehen könne, heißt es.

Wir wollen mit unserer Forschung Wege aufzeigen, wie eine dauerhafte Präsenz des Menschen auf dem Mars einen langfristigen Nutzen für die Menschheit erbringen und zugleich mit Umsicht und Rücksicht auf den roten Planeten erfolgen kann.

Prof. Marc Avila, Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der Universität Bremen

Dabei stehe in den verschiedenen Teilprojekten nicht die technologische Machbarkeit im Vordergrund, sondern der Mensch. Denn wenn der tatsächlich auf dem Mars leben müsste, gäbe es eine Menge komplexe Herausforderungen – für den Menschen selbst, aber auch, weil sich das natürlich auf die bisher unberührte "Umwelt" auswirken würde. Doch der Fokus der Forschung bei Raumfahrtorganisationen und der privaten Unternehmen liege allein auf der bloßen Technologie und dem Überleben der Astronautinnen und Astronauten auf dem Mars, so die Universität.

Illustration eines Astronauten im Raumanzug mit dem Aufdruck ESA, der über die Marsoberfläche läuft, im Hintergrund der Mars-Helikopter ingenuity.
Terrae Novae: Die Esa will noch vor 2040 einen Menschen auf den Mars schicken. Bildrechte: ESA–Olivier Pâques

Nachhaltigkeit statt Produktivität

Doch damit Menschen auf dem Mars leben können, wird unweigerlich ein immenser Eingriff in die Umwelt des Planeten notwendig sein. Im staubigen roten Sand auf der Mars-Oberfläche überlebt der nämlich nur im Raumanzug. Aufgrund der Mars-Atmosphäre müsste eine Raumstation als Lebensraum gebaut werden, in der Menschen vor kosmischer Strahlung geschützt sind und Sauerstoff bekommen können. Während eine solche Basis auf dem Mond noch von der Erde aus (mit)versorgt werden könnte, sind Menschen auf dem Mars völlig auf sich allein gestellt. Sie müssen autonom leben und die knappen Ressourcen verantwortungsvoll nutzen. Auch an solchen modularen Raumstationen wird bereits am ZARM der Universität Bremen geforscht.

Es wäre ein extremes Leben. Ob der Mensch das überhaupt körperlich und psychologisch leisten kann, ist bereits in mehreren Simulationen ausprobiert worden. Das Ergebnis: Es ist kompliziert. Deshalb soll der neue Bremer Forschungsansatz "radikal neue Lösungen für die extremen Anforderungen an das Leben und Überleben auf dem Mars" ermöglichen. Ziel sei es, das derzeitige Paradigma der Produktivität durch eines der Nachhaltigkeit zu ersetzen, erläutert Professor Marc Avila, Sprecher der Initiative "Humans on Mars" und Direktor des Zentrums für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der Universität Bremen.

Ressourcen, Energie und eine neue Gesellschaftsform

Die Forschungsinitiative wird sich dabei verschiedenen Perspektiven widmen. Eine davon ist die Frage nach der autarken Versorgung von menschlichen Siedlungen in der extremen und lebensfeindlichen Umgebung. Und dann gibt es auch nur sehr wenig Energie und Ressourcen auf dem Mars. Auch dafür sollen Lösungen erarbeitet werden, unter anderem werde untersucht, ob die gefährliche Weltraumstrahlung zur Energiegewinnung genutzt werden könne. Und dann gibt es auch eine gesellschaftliche Perspektive: Wie gestaltet sich die Neubildung einer Mikrogesellschaft mit künstlich intelligenten Systemen und Maschinen in ihrer Mitte und wie entwickelt sich langfristig ihr Verhältnis zu den Menschen auf der Erde? Dieses neue Leben schaffe nie gekannte gesellschaftliche und ethische Herausforderungen.

Astronaut auf dem Mars.
Wie können Menschen auf dem Mars möglichst "umweltschonend" leben? Bildrechte: Colourbox.de

Doch besonders viel Aufmerksamkeit wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dem Thema "Umweltschutz" widmen. Dabei gehe es unter anderem um mögliche Kompromisse zwischen der Besiedlung und dadurch bedingte notwendige Eingriffe in die "Natur" auf der einen und der Unversehrtheit des Planeten und seiner Atmosphäre auf der anderen Seite. Die einzigartige Umwelt des roten Planeten müsse für zukünftige Generationen bewahrt werden. Außerdem sei es auch möglich, dass der Marsboden ein "Hafen" für Leben war oder ist, der für die Wissenschaft von außerordentlichem Interesse wäre.

Die Forschenden erhoffen sich außerdem, dass die Forschung für die lebensfeindliche Umgebung Mars, womöglich auch Erkenntnisse für das Leben auf der Erde liefern kann – etwa hinsichtlich eines verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen oder dem Umweltschutz. Vom Mars lernen, die Erde zu erhalten, nennt es das Forschungsteam. Sie betonen, dass die Forschungsziele ihres Projekts nicht nur anspruchsvoll, sondern teils auch widersprüchlich seien. Deshalb setzten sie auf den interdisziplinären Ansatz mit Forscherinnen und Forschern, die Brücken schlagen sollen zwischen Sozial- und Geisteswissenschaften, Mensch-Maschine-Interaktion, Kommunikation und Robotik sowie Materialwissenschaften und Produktionstechnik.

Die analoge Astronautin Anika Mehlis (l.) wurde beim Außeneinsatz von Carmen Köhler, einer älteren analogen Astronatin (r.) unterstützt 7 min
Bildrechte: MDR, Florian Voggeneder, OeWF

Links

Hier finden Sie mehr Informationen zum Forschungsprojekt "Human on Mars".

(kie)

Mars-Basis am Mauna Loa Hawaii 3 min
Bildrechte: University of Hawaii, Ross Lockwood
eine Rakete 6 min
Bildrechte: ESA/ MDR
6 min

Wie könnten wir Menschen auf anderen Planeten überleben? Science-Fiction-Autoren aber auch Wissenschaftler haben sich mit diesen Fragen beschäftigen. Und sie haben teilweise auch schon spannende Antworten!

Mo 28.03.2022 15:48Uhr 06:29 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/aktuell/artemis-leben-auf-mond-und-mars100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Thomas Reiter während eines Interviews. 8 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

1 Kommentar

wer auch immer vor 21 Wochen

"Nachhaltigkeit statt Produktivität"
Klar geht es um das Wissen wie unser Universum entstanden ist.
Aber das die Geldgeber auf lukrative Gewinne verzichten, kann ich mir nicht vorstellen. Wir leben doch nicht im Edelkommuismus.