Nachgefragt Mohn, Mohn, Mohn: Warum wir überall rot sehen

Papaver rhoeas - das ist der lateinische Name für Klatschmohn. Jetzt ist gerade seine Zeit schlechthin: Überall steht er in prachtvoller roter Blüte. Und in diesem Jahr scheint er besonders üppig zu blühen. Vielleicht ist Ihnen das auch aufgefallen?

Mohn 5 min
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Überall steht er diesen Sommer in prachtvoller roter Blüte. 2020 scheint er besonders üppig zu blühen. Was steckt dahinter?

Do 18.06.2020 15:07Uhr 05:00 min

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Rote Tupfen soweit das Auge reicht. Auf Feldern und am Wegesrand, im Garten – besonders in den etwas schmuddeligen Ecken, wo auch mal das Unkraut sprießt. Wenn der Klatschmohn im Mai und Juni blüht, fällt er wirklich jedem ins Auge. Dabei hat er es eigentlich gar nicht so leicht, erklärt Dieter Orzessek, Professor für Agrarwissenschaft an der Hochschule Anhalt. Die Pflanze ist einjährig und muss sich ständig gegen harte Konkurrenz der mehrjährigen Pflanzen durchsetzen. Dafür habe der Klatschmohn aber gute Strategien entwickelt:

Einmal ist es so, dass Klatschmohn sehr viel Samen bringt also eine Pflanze kann bis zu 10.000 Samen produzieren. Das ist eine ungeheure Zahl. Und zum zweiten: die Samen halten sehr lange im Boden.

Dieter Orzessek, Agrarwissenschaftler

Klatschmohnsamen kann bis zu dreißig Jahre lang im Boden überleben. Erst wenn die Bedingungen günstig sind, keimt er aus. Dafür braucht Klatschmohn vor allem offenen Boden, sagt der Biologe Erik Welk von der Uni Halle, denn dort, wo nichts wächst, kann der Mohn austreiben:

Zum Beispiel konnte man im letzten Jahr an der A38, der Südharz-Autobahn beobachten, dass die ganze Autobahn links und rechts gesäumt war von dichten Mohn-Beständen. Es ist immer ein lokales Phänomen. Momentan ist zum Beispiel an der B91 nach Merseburg ein schöner Streifen mit viel Mohn, weil dort in den letzten Jahren viel gebaut wurde. Diese Störung durch Baumaßnahmen fördert für kurze Zeit auch die Mohnblüte.

Erik Welk, Biologe

2020 - ein gutes "Mohnjahr": Nur warum?

Was ist aber der Grund, warum der Klatschmohn gerade in diesem Jahr besonders häufig wächst und blüht? Das hänge hauptsächlich mit der Witterung zusammen, erklärt Dieter Orzessek:

Der Klatschmohn ist eine sogenannte winterannuelle Art, also im Herbst werden Blätter ausgebildet. Dann kommt ein Kältereiz über den Winter und dann geht's im Frühjahr in die generative Phase.

Klatschmohn, sagt Orzessek weiter, hat den Vorteil, dass er mit sehr niedrigen Temperaturen zurechtkommt. Da es 2019/2020 überhaupt keinen Winter gab, konnte er also immer weiter wachsen. Der Klatschmohn konnte sich also gut entwickeln und hatte dementsprechend einen gute Startposition im Frühjahr. Da konnte auch der Kälteeinbruch Ende März dem Klatschmohn nichts anhaben, während andere Pflanzen noch mal so richtig ausgebremst wurden.

Lückenbüßer haben es in diesem Jahr leichter

blühender Mohn
Ein Beispiel aus Brandenburg. Auch dort blüht der Mohn überall. Bildrechte: Jörg Perschke

Für Erik Welk spielt auch der trockene Sommer 2019 eine Rolle. Zum einen würden die Landwirte in Mitteldeutschland wegen der Trockenheit inzwischen viel weniger Mais anbauen – und dort, wo die Maisfelder im Frühjahr aufbereitet werden, hat der Klatschmohn keine Chance. Zum anderen habe der letzte trockene Sommer große Lücken in die bisherige Vegetation gerissen.

Man kann eigentlich sagen, dass dieses Frühjahr das Jahr der Einjährigen ist, der konkurrenzschwachen Pflanzen, die immer ein Lückenbüßer-Dasein führen. Die konnten jetzt richtig gut zur Geltung kommen.

Welt sagt aber auch, mit dem einsetzenden Regen der vergangenen zwei, drei Wochen habe es sich wahrscheinlich simultan ergeben, dass der Mohn so stark gleichzeitig und so prägnant aufblüht.

Und wer hätte das gewusst: Bis zu 400 Blüten kann eine einzelne Klatschmohnpflanze ausbilden. Kein Wunder, dass wir nur noch rot sehen. Die Pflanze ist eben sehr auffällig. Und das ist auch noch so ein Punkt, scherzt Erik Welk: Irgendwie glauben wir doch jedes Frühjahr, dass es diesmal besonders viel Klatschmohn gibt.

Mohn
Eine Mohnblüte kann 400 Blüten ausbilden. Bildrechte: Gerald Pers

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