Dürre-Sommer 2018 Frühlingswetter verschlimmerte Sommer-Dürre

Nach zwei Dürrejahren in Folge haben in diesem Frühjahr viele Menschen auf möglichst viel Regen gehofft, damit die Böden sich erholen können. Doch das Wetter im Frühjahr könnte sogar noch wichtiger für die Verhältnisse im Sommer sein als bisher angenommen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass das Frühjahreswetter die Sommer-Dürre 2018 noch verschlimmert hat.

Maisfeld, das von der Dürre ausgetrocknet wurde.
Der Sommer 2018 war staubtrocken und sehr heiß. Bildrechte: Colourbox.de

Wenn im Frühling alles grünt und blüht und unter lauen Sonnenstrahlen die Pflanzen wieder wachsen, ist das für viele Menschen die beste Zeit des Jahres. Wenn es dann noch wärmer und sonniger ist, heißt es oft: Es ist gutes Wetter. Aber im Frühjahr 2018 waren genau diese Wetterbedingungen gar nicht so gut für die Dürre, die im Sommer folgen sollte. Es hat sie nur noch schlimmer gemacht, heißt es in einer aktuellen Untersuchung. Zu dem Schluss kommt das Forschungsteam um die Klimaforscherin Ana Bastos vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena in einer internationalen Studie, die im Fachmagazin Science Advances erschienen ist.

Frühjahrsvegetation verschlimmert Dürre

Die Untersuchung basiert auf dynamischen globalen Vegetationsmodellen. Der Begriff dynamisch kann dabei schon auf die richtige Spur führen: Das Forschungsteam stellt nämlich fest, dass die Bedingungen im Frühjahr 2018 dazu geführt haben, dass mehr Pflanzen gewachsen sind. Die Rede ist hier von einer früheren und erhöhten Frühlingsvegetation. Doch dann im Sommer - genau zu der Zeit, als die Hitzewelle kam und der Regen ausgeblieben ist - haben diese Pflanzen dem Boden zusätzlich Feuchtigkeit entzogen. Eigentlich eine einfache Rechnung: Mehr Pflanzen brauchen zum Überleben auch mehr Wasser.

Die Studienergebnisse legten außerdem nahe, dass diese zusätzlichen Pflanzen bereits im Frühling so viel mehr Wasser in die Atmosphäre abgegeben hätten, dass sie in etwa ebenso stark zur Dürre beigetragen hätten wie die Klimabedingungen im Sommer, schreiben die Forschenden. Bastos und ihr Team kommen deshalb zu dem Schluss, dass starkes Pflanzenwachstum im Frühling ein Warnzeichen dafür sein könne, dass ein besonders heißer Sommer droht. Begründung: Der Boden dörrt durch das frühere Ergrünen bereits aus, der späteren Vegetation fehlt Feuchtigkeit. Weil zudem der kühlende Effekt von Verdunstung fehlt, steigt die Temperatur - was wiederum die Trockenheit verstärkt.

Trockenheit 2018 Berlin und die Dürre

Die Hitze und der Mangel an Regen hatten im Sommer 2018 die Vegetation auf dem ganzen Kontinent in Mitleidenschaft gezogen. In und um Berlin herum zeigten sich deutliche Unterschiede zu 2017 (linkes Bild).

Luftaufnahme von Berlin auf einem Sattelitenbild vom 31. Juli 2017
Bildrechte: contains modified Copernicus Sentinel data (2018), processed by ESA
Luftaufnahme von Berlin auf einem Sattelitenbild vom 31. Juli 2017
Bildrechte: contains modified Copernicus Sentinel data (2018), processed by ESA
Luftaufnahme von Berlin auf einem Sattelitenbild vom 26. Juli 2018.
Bildrechte: contains modified Copernicus Sentinel data (2018), processed by ESA
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Europa muss sich anpassen

In den vergangenen 20 Jahren habe es immer wieder sommerliche Hitzewellen und Dürren in Europa gegeben. Sie hätten die öffentliche Gesundheit bedroht, die Lebensmittelproduktion und Luftverschmutzung sowie Kohlendioxidkreisläufe beeinträchtigt. Doch die Hitzewelle 2018 sei in Nordeuropa rekordverdächtig gewesen, so das Forschungsteam, auch durch das sehr warme und sonnige Wetter bereits im Frühling und das frühe Wachstum der Vegetation. Da es aber nur wenige Analysen dazu gebe, wie die Klimabedingungen in den Jahreszeiten zu solch einem extremen Sommerwetter führen und wie sich das auf die Ökosysteme auswirke, haben sie sich das genauer angeschaut.

Um am Beispieljahr 2018 herauszufinden, wie genau sich der Frühlingszeitraum auf die Schwere der Sommer-Dürre auswirkte, hat das Team um die Jenaer Klimaforscherin eine Reihe von Simulationen durchgeführt. Mit insgesamt elf verschiedenen sogenannten dynamischen globalen Vegetationsmodellen haben sie diese Simulationen durchgespielt.

Luftaufnahme aus einem Flugzeug zeigt Trockenschäden auf einem Getreidefeld
Die Trockenschäden auf den Feldern waren deutlich zu erkennen. Bildrechte: dpa

Dabei beobachteten sie regionale Unterschiede: Verschiedene Regionen haben im Sommer unterschiedlich große Mengen Kohlendioxid aufnehmen können. So seien bewaldete Regionen Europas größere Kohlenstoffsenken gewesen, so die Forschenden. Das sei damit zu begründen, dass mehr Blätter, die im Frühjahr gewachsen sind, auch mehr Kohlenstoff aufnehmen konnten. Ackerflächen dagegen hätten weniger Kohlendioxid aufnehmen können. Womöglich seien Bäume besser geeignet, um Dürren standzuhalten, da ihre Wurzeln ihnen Zugang zu tieferen Wasserschichten ermöglichten, schlussfolgern Bastos und ihr Team. Deshalb sprechen sie sich für ein Umdenken in der Landwirtschaft aus: Zukünftige Strategien müssten sich auf dürreresistentere Pflanzenarten konzentrieren, um die Auswirkungen solcher sommerlicher Dürrezeiten zu verringern.

(kk)

(kie)

2 Kommentare

MDR-Team vor 14 Wochen

Hallo "wo geht es hin",
der Artikel bezieht sich vergleichend auf das Dürrejahr 2018.
Liebe Grüße

wo geht es hin vor 14 Wochen

Also ich dachte, wir schreiben das Jahr 2020....