Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung Studie: Wirbelsturmfolgen je nach Region verschieden

Was wäre, wenn die globale Temperatur bis 2100 um zwei Grad steigt? Wie wirken sich Wirbelstürme weltweit aus? Überall gleich? Ein Team des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung ist der Frage nachgegangen.

Hurrikan Dennis trifft auf die Küste Floridas. Palmen biegen sich im Hurrikan.
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Beim Stichwort Klima drückt man gedanklich leicht auf die Fernbedienung und schaltet innerlich ab. Vielleicht, weil es so abstrakt ist. Es kommt ja kein Klima zur Tür herein und sagt, "Danke, toll, wie du mich rettest!", nachdem man drei Jahre auf dem Rad statt im Auto zu Arbeit gefahren ist. Ähnlich wie die Gesundheit, die sich auch nie persönlich bedankt für den Verzicht auf Kaffee, Fleisch und die Chips-Orgie auf dem Sofa. Wenn beide tatsächlich persönlich hereinschneien würden, wäre es da anders? Oder wenn man Ausmaß und Folgen des Klima-Wandels vor der eigenen Haustür spüren würde?

Zwei Grad mehr - was dann?

Das Potsdamer Institut für Klimaforschung hat errechnet, was weltweit passiert, wenn sich die globale Temperatur um zwei Grad erwärmt. Da kein Mensch weiß, wann wo wieviele Menschen leben werden, haben die Forscher verschiedene Bevölkerungsentwicklungen in ihren Rechenmodelle durchgespielt und Szenarien für konkrete Wirbelsturm-Regionen berechnet.

Was würde nun ein Grad mehr global bedeuten? Den Berechnungen zufolge wären dann 26 Prozent mehr Menschen durch tropische Wirbelstürme gefährdet, also 33 Millionen Menschen, wenn man von der heutigen Erdbevölkerung ausgeht. Schon jetzt sind weltweit 150.000.000 Menschen jedes Jahr durch Wirbelstürme und Taifune in Gefahr. "Bei weiterem Bevölkerungswachstum könnten im Jahr 2050 circa 40 Prozent mehr Menschen Gefahren durch Wirbelstürme ausgesetzt sein", prognostiziert Tobias Geiger, Forscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Hauptautor einer neuen Studie, die im Fachmagazin Nature Climate Change veröffentlicht wurde.

Die Rechenmodelle zeigen auch: Mit einem Bevölkerungswachstum wie in der Studie angenommen steigt das Betoffenheitsrisiko für die Menschen in einigen ostafrikanischen Ländern um 300, in den USA um 100 Prozent. Auch auf der Arabischen Halbinsel ist demnach mit stark erhöhtem Wirbelsturmrisiko zu auszugehen. Auch die Folgen in den Regionen unterscheiden sich je nach Region: Während in den USA höchstwahrscheinlich mehr Wirbelsturmschäden entstehen werden, werden auf Wirbelstürme in anderen Weltregionen mehr Armut und Zwangsmigration folgen.

Die Forscher hoffen, dass ihre Berechnungen in die Entscheidungen des UN-Weltklimagipfels im November einfließen, bei dem die Eckdaten des Pariser Klimaabkommens überdacht werden.

Die Studienarbeit lesen Sie hier.

(lfw)

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4 Kommentare

togeig vor 9 Wochen

Die Angabe 150.000 Menschen pro Jahr sind heute schon betroffen ist falsch. Es sind tatsächlich 150 Millionen, wie in der Pressemitteilung beschrieben.

togeig vor 9 Wochen

Das hat die Studie auch untersucht mit dem überraschenden Ergebnis, dass anstatt 40% mehr betroffene Bevölkerung in 2050 "nur" ca 20% mehr Menschen betroffen wären. Die demographische Entwicklung macht es möglich. Unter jetzigen Annahmen würden vor allem in Ostasien weniger Menschen leben als heute. Der Klimawandeleffekt bei 2°C Erwärmung in 2050 und 2100 bleibt dabei natürlich identisch. Also noch ein Argument für eine Vermeidung des Klimawandels. Hier noch ein kostenloser Zugang zu der Studie: https://rdcu.be/cyxvS

Eulenspiegel vor 9 Wochen

„Was wäre, wenn die globale Temperatur bis 2100 um zwei Grad steigt?“
Also ich denke diese zwei Grad bis zur Jahrhundertwende werden sich wohl kaum noch verhindern lassen. Damit werden die Extremwetterlagen deutlich zu nehmen. Und die Wirbelstürme natürlich auch. Gott sei Dank werde ich den größten Teil der Katastrophen nicht mehr miterleben müssen.