Neugeborene Kinder betroffen Die resistenten Keime in Deiner Energiespar-Waschmaschine

In der Kinderintensivstation einer deutschen Klinik finden Mediziner immer wieder multiresistente Keime an frühgeborenen Babys. Die Spur führt zu einer Waschmaschine, die in Privathaushalten üblich ist.

von Clemens Haug

Farbige Wäsche in einer Waschmaschine
In einer Waschmaschine setzten sich multiresistente Keime fest., wie eine neue Studie zeigt. (Symbolfoto) Bildrechte: Colourbox.de

Zum ersten Mal haben Mediziner multiresistente Keime entdeckt, die sich dauerhaft in einer Waschmaschine angesiedelt hatten. Das berichtet ein Team um Ricarda Schmithausen vom Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit (IHPH) des Universitätsklinikums Bonn. Auf einer Frühchenstation einer deutschen Klinik wurde demnach immer wieder der Keim "Klebsiella oxytoca" übertragen. Diese Bakterien produzierten bestimmte Enzyme, die zahlreiche Antibiotika abwehren konnten. Die Studie wurde im Fachjournal "Applied and Environmental Microbiology" veröffentlicht.

Klinik nutze Haushalts-Waschmaschine mit Energiesparmodus

Der erste Verdacht der Mediziner war, dass die Inkubatoren, also die Brutkästen der Babys von den Keimen befallen sein könnten. Als sie dort nicht fündig wurden, untersuchten sie das Klinikpersonal sehr genau. Fündig wurden sie aber erst, als sie die Waschmaschinen untersuchten, mit denen Socken und Mützen für die frühgeborenen Kinder gewaschen worden waren.

Das Problem: Die Klinik verwendete unter anderem eine handelsübliche Waschmaschine für Privathaushalte. Normalerweise sind in Krankenhäusern aber Spezialmaschinen vorgeschrieben, die die Wäsche deutlich heißer waschen.

Gefahr für pflegebedürftige Menschen in Privathaushalten

Waschmaschinen für Privathaushalte sind heutzutage vor allem auf sparsamen Energieverbrauch optimiert. Dadurch wird die Wäsche meistens mit weniger als 60 Grad Celsius gewaschen. Das können viele Keime überleben. Im beschriebenen Fall hatten sie sich laut den Forschern wahrscheinlich an einer Gummiverkleidung angesiedelt. Vermutlich wurden sie dann nach dem eigentlichen Waschvorgang mit Restwasser vom Gummi auf die Babykleidung übertragen.

Die Forscher sehen auch für private Haushalte eine Gefahr, etwa wenn dort ältere Menschen in Pflege leben oder Menschen mit Verletzungen, die noch ausheilen. Sie raten dann, die Wäsche mit Temperaturen deutlich über 60 Grad zu waschen und wirksame Desinfektionsmittel zu verwenden.

Glück für die Frühchen

Die neugeborenen Babys hatten offenbar großes Glück. Laut der Studie kam es bei ihnen nicht zur Infektion durch die multiresistenten Keime. Die Bakterien kolonisierten die Kinder, vermehrten sich aber nicht sprunghaft und führten nicht zu einer Krankheit. Die Forscher vermuten, dass die Mikroorganismen dafür in tiefere Gewebeschichten hätten eindringen müssen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Aktuell | 03. März 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2019, 10:59 Uhr

2 Kommentare

zenkimaus vor 17 Wochen

Ja genau Umweltprogramm. Für mich Humbug. Bekleidung die auf der Haut getragen wird sollte immer mit 60 Grad zu waschen sein. Doch da fängt es schon an. Strümpfe bei 40 Unterwäsche bei 40 von T-Shirts rede ich nicht. Bettwäsche Handtücher mit 90grad doch ich bekomme sowas schon gar nicht mehr im Handel. Stattdessen Microfaser. 40grad ihr Tip mit den hygienespülern ist ein Graus für jede Kläranlage. Man versucht das Wasser biologisch zu reinigen und die Spüler machen die guten Bakterien kaputt und das Wasser fließt ungereinigter zurück.

part vor 17 Wochen

Keimbelastungen in Waschmaschinen kann man vorbeugen indem man Weiswäsche mit einen zusätzlich Schuß hangelsübrigen Chlorreinger wäscht, auch bei 60 ° und bei Buntwäsche auf Weichspüler verzichtet und Essig oder Zitronensäre für den letzten Spülgang ins Fach gibt, aber bitte nicht zusammen mit dem Chlorreiniger verwenden. Diese Tortur aus basisch und extrem sauer bewahrt vor üblen Gerüchen in Pumpensumpf der Maschine. Das ständige Benutzen von Weichspüler, hauptsächlich aus tierischen Abfällen hergestellt, lässt dann eine Fettschicht in der Waschmaschine übrig, die geradezu ein Nährboden für Keime ist. Zudem gibt es im Einzelhandel sogenannte Hygiene- Spüler, die nicht wesentlich teurer sind als das Fettgemisch mit künstlichen Duftstoffen.