Mikroskopaufnahme von Gewebe ist in leuchtendem lila eingefärbt.
Fluoreszenzbild einer Tumorfront des Gebärmutterhals. Zellkerne wurden blau und sich teilende Zellen grün markiert. Tumorzellen, rot markiert, befallen und verdrängen gesundes Gewebe. Bildrechte: Universität Leipzig

Gebärmutterhalskrebs Leipziger Forscher: Krebsausdehnung folgt Mustern

Die Metastasen von Tumoren dehnen sich nach einem bestimmten Muster im Körper von Krebspatienten aus, zeigen Forscher der Uni Leipzig. Ihre Erkenntnis könnte Krebs-OPs effektiver machen.

Mikroskopaufnahme von Gewebe ist in leuchtendem lila eingefärbt.
Fluoreszenzbild einer Tumorfront des Gebärmutterhals. Zellkerne wurden blau und sich teilende Zellen grün markiert. Tumorzellen, rot markiert, befallen und verdrängen gesundes Gewebe. Bildrechte: Universität Leipzig

In den meisten Krebspatienten entwickelt sich ein Tumor zunächst an einer bestimmten Stelle im Körper. Später streut das Geschwür seine Zellen im Körper. Über diese sogenannten Metastasen dehnt sich die Krankheit aus. Viele Mediziner dachten bislang, dass diese Streuung zufällig verläuft. Forscher der Uni Leipzig zeigen nun in einer neuen Studie, dass dieser Prozess nach bestimmten Mustern verläuft.

Wie Tumore im Körper streuen

Wie der Physiker Hans Kubitschke und der Mediziner Benjamin Wolf im Fachblatt Science Advances berichten, entscheidet die biologische Entwicklungsgeschichte von Gewebe darüber, wie wahrscheinlich es von Krebszellen befallen wird. Kubitschke und Wolf simulierten dazu unter anderem die Ausbreitungsmuster von Gebärmutterhalskrebs. Dabei stellten sie fest: Metastasen befallen deutlich häufiger das Gewebe der Harnblase als das des Harnleiters. Dafür gibt es eine Erklärung.

Zwischen der Befallswahrscheinlichkeit und dem entwicklungsbiologischen Ursprung der Gewebe – der sogenannten Kompartimente – besteht ein Zusammenhang: Kompartimente, die einen starken entwicklungsbiologischen Verwandtheitsgrad zum Gebärmutterhals aufweisen, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, vom Tumor befallen zu werden als Gewebe mit einem schwachen Verwandtheitsgrad.

Benjamin Wolf, Universitätsklinikum Leipzig

Unterschiedliches Krebsrisiko für verschiedene Arten von Gewebe

Mit anderen Worten: Tumore siedeln sich eher in solchem Gewebe an, das den gleichen oder eng verwandten Zellen des früheren Embryos entstammt, wie sie selbst. Dadurch lässt sich vorhersagen, an welchen Stellen im Körper sich am ehesten Krebszellen anlagern. Die Forscher hoffen, auf dieser Basis eine Art Risikolandkarte für verschiedene Arten von Tumoren entwickeln zu können, die Ärzten dabei hilft, gezielter zu operieren.

Wenn man den embryologischen Ursprung eines Gewebes kennt, in dem Krebs auftritt, kann man eine relative Wahrscheinlichkeit ableiten, dass verschiedene benachbarte Gewebe von Tumorzellen befallen werden.

Josef Alfons Käs, Universität Leipzig

Gezieltere Operationen bei Krebs möglich

So soll die Sterblichkeit von Tumorpatienten verringert werden. Gewebe, das nur ein geringes Risiko der Ansteckung hat, könnte gezielt geschont werden. Zugleich ließe sich die Kontrolle des Tumors verbessern.

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2019, 16:01 Uhr