Archäologie Hielten Turkmenen vor 1.000 Jahren Hauskatzen?

Archäologen aus Halle haben in Zentralasien ein rund 1.000 Jahre altes Skelett einer Hauskatze gefunden. Angehörige des turkmenischen Hirtenvolks der Oghuz hatten die Katze offenbar als Haustier gehalten.

Eine Katze mit einem Halsband spielt mit einem Pappkarton.
Archäologen haben das etwa 1.000 Jahre alte Skelett einer Hauskatze in Zentralasien gefunden. Menschen hatten sich offenbar um das Tier gekümmert und es bis zum Tod gepflegt. (Symbolfoto) Bildrechte: Maike Glöckner / MLU

Sind Katzen auch über kasachische Hirtenvölker zu uns gekommen? Das zumindest legen archäologischen Untersuchungen nahe, die von der Martin-Luther-Universität in Halle geleitet wurden. Wie die Wissenschaftler um Ashleigh Haruda im Journal Scientific Reports berichten, lässt sich anhand eines fast vollständig erhaltenen Katzenskeletts das Leben des Haustiers an der Seidenstraße vor knapp 1.000 Jahren rekonstruieren. Die Handelsroute verband damals Ost- und Zentralasien mit dem Mittelmeerraum.

Fundort der sterblichen Katzenüberreste war Dzhankent, eine mittelalterliche Siedlung im Süden Kasachstans, die vom turkmenischen Hirtenvolk der Oghuz bewohnt wurde. Das Skelett zeigte zwar, dass das Tier - ein Kater - verschiedene Knochenbrüche erlitten hatte. Offenbar gab es aber Menschen, die sich um die Katze gekümmert und sie gepflegt hatten.

Gepflegt und gefüttert - bis zum Ende

Dabei ist allein die Tatsache besonders, dass das Skelett der Katze noch vollständig war. Den Forschen zufolge werden in der Regel nur einzelne Teile von Tieren gefunden. In diesem Fall scheint es, als sei die Katze nach ihrem Tod begraben worden. Das ist sonst vor allem Menschen vorbehalten. Dass die Menschen zu dieser Zeit bereits solche "exotischen" Tiere hielten und pflegten, deutet auf einen kulturellen Wandel hin, so die Forschenden, von dem angenommen wurde, dass er zu einem viel späteren Zeitpunkt in Zentralasien stattgefunden hat.

Katzenknochen aufgereiht
Der Fund eines vollständigen Katzenskeletts ist ungewöhnlich. Bildrechte: Ashleigh Haruda/Uni Halle

"Diese Katze hat sich öfter die Knochen gebrochen, überlebte aber", sagt Haruda. Isotopenanalysen gaben Aufschluss über die Ernährung des Tiers. Die war im Vergleich zu den Überresten anderer Haustiere sehr proteinreich. "Es muss vom Menschen gefüttert worden sein, weil das Tier gegen Ende seines Lebens fast alle Zähne verloren hatte."

Felsen in einer Wüste
Der Fundort in Kasachstan. Bildrechte: Ashleigh Haruda/Uni Halle

Eine DNA Analyse zeigte zudem, dass es sich um eine gezähmte Hauskatze handelte und nicht um die eng verwandte Steppenkatze. Der Fund deutet darauf hin, dass sich die Kultur der Oghuz im Lauf der Zeit verändert hat. Eigentlich hielt das Hirtenvolk nur Nutztiere, etwa Hunde, die für den Schutz der Herden gebraucht wurden. Für eine Katze gab es ursprünglich keine Verwendung.

(ens)

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Do 17.01.2019 13:06Uhr 01:55 min

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