Computerspiele E-Sportler erleben genauso viel Druck wie Fussballprofis

Millionen Euro an Preisgeldern, eigene Ligen und Fernsehübertragungen - eSport und klassischer Sport werden sich immer ähnlicher. Und auch die mentalen Herausforderungen ähneln sich, wie eine britische Studie herausfand.

Ein junger Mann unter Kopfhörern, jubelt.
Teilnehmer eines ESL-Wettbewerbs. Bildrechte: ESL/University of Chichester

Wenn am 14. und 15. Dezember die besten eSport-Profis Deutschlands zur ESL-Meisterschaft nach Magdeburg kommen, werden sie mental genauso gefordert werden wie etwa die Kicker des 1. FC Magdeburg, die an dem Wochenende bei Preußen Münster antreten. Diese Übereinstimmung zwischen Sport und eSport hat eine Studie der britischen Universität Chichester herausgefunden - nach eigener Aussage die erste ihrer Art - die im "International Journal of Gaming and Computer-Mediated Simulations" veröffentlicht wurde.

51 Stressfaktoren gefunden

Phil Birch
Dr. Phil Birch. Bildrechte: Phil Birch

Die Forscher um Dr. Phil Birch untersuchten die psychischen Herausforderungen von eSport-Profis bei wichtigen Wettkämpfen. Dabei kamen sie auf insgesamt 51 Stressfaktoren, etwa Kommunikationsprobleme oder dem Spielen vor Live-Publikum.

Den gleichen Schwierigkeiten sehen sich etwa Fußball- und (eine offensichtlich englische Studie) Rugby-Stars in Top-Turnieren gegenüber.

"Bisher gab es nur wenig Forschung zu den psychischen Faktoren, die eSportler beeinflussen", erklärt Birch. "Dabei wird in dieser Sportart mittlerweile extrem viel Geld umgesetzt und ein weltweites Publikum erreicht."

Wenn die Topspieler Strategien entwickeln können, um mit den untersuchten Stressfaktoren umzugehen, können sie auch ihr Spielniveau anheben.

Phil Birch, Co-Autor der Studie

Psychologisches Training empfohlen

Eines der größten Probleme dabei stellt eine zu geringe Kommunikation zwischen den Teammitgliedern dar. Im Zuge dessen würden die Spieler entweder extrem aggressiv gegenüber ihren Kameraden reagieren oder aber die Kommunikation ganz einstellen - was sich beides negativ auf die Leistung auswirkt.

Die Halle der Esports Berlin ist bunt ausgeleuchtet.
ESport füllt mittlerweile große Hallen, wie hier die Verti Music Hall bei der League of Legends Worlds 2019. Bildrechte: imago images/Camera 4

Die Forscher, die für die Studie Spieler des Ego-Shooters "Counter-Strike: Global Offensive" interviewten, empfehlen daher ein psychologisches Training für die Top-eSportler, um mit den Drucksituationen auf einem hohen eSport-Niveau umgehen zu können.

Weitere Untersuchungen sollen folgen - auch in Chichester, wo gerade erst ein neuer Bachelor für eSport ins Leben gerufen wurde. Dazu wurde an der Uni für rund 40 Millionen Euro ein Tech Park gebaut, an dem künftig zu den physischen und psychischen Auswirkungen des Esports geforscht werden soll.

cdi

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 14. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2019, 10:18 Uhr

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