Team-Studie Wie wichtig ist Sympathie für Zusammenarbeit?

Kollegen im Büro hinter Computerbildschirmen
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Welche Bedeutung hat Sympathie dafür, wie wir zusammenarbeiten? Und gibt es dabei Unterschiede zwischen den Geschlechtern? Forschende der Universität Hamburg und der Goethe-Universität Frankfurt (Main) haben sich diese Frage gestellt und eine überraschende Antwort bekommen.

Wie misst man die Rolle der Sympathie?

Um den Einfluss der Sympathie auf das Verhalten zu messen, nutzten die BWL-Experten Leonie Gerhards und Michael Kosfeld Teamspiele. Dabei ging es zum Beispiel um Kooperation - je besser, desto größer der gemeinsame Gewinn. Gerhards und Kosfeld führten jedoch eine weitere Komponente in ihre Untersuchung ein. Alle Teilnehmer mussten vorab über Fotos Sympathiewerte für die jeweils anderen abgeben. Spielten sie anschließend miteinander, dann wurden sie vorab an diese Bewertung erinnert.

Wer kann mit wem besser?

Leonie Gerhards
Dr. Leonie Gerhards lehrt an der Universität Hamburg Betriebswirtschaftslehre. Bildrechte: Leonie Gerhards

Das Ergebnis fassten die Forscher so zusammen: Sympathie beeinflusst das Verhalten der Spieler maßgeblich. Wer sich nicht mag, arbeitet weniger zusammen und koordiniert weniger Gleichgewichte - soweit, so logisch. Doch es gab eine Ausnahme. Sind in den Teams auf beiden Seiten nur Männer, war Sympathie weniger von Bedeutung. Mit anderen Worten: Erst wenn Frauen in den Teams waren, spielte es für die Männer eine Rolle, ob ihnen die Mitspieler sympathisch waren oder nicht. Bei Frauen war das immer so, egal, ob in reinen Frauenteams oder gemischt-geschlechtlichen.

Professionalität ist wichtig

Was bedeuten diese Ergebnisse jetzt für den Alltag? Gerhards und Kosfeld glauben, "dass der Sympathiefaktor eine nützliche neue Perspektive bieten kann, wie moderne Arbeitsplätze die Interaktion von Männern und Frauen beeinflussen und wie sie weiterentwickelt werden können, um Chancengleichheit für Frauen und Männer zu schaffen."

Zu wissen, dass es diesen Unterschied gibt, so die Forschenden, könne Unternehmen bereits helfen. Vor allem, wenn das dazu führt, "so genannte 'sympathieneutrale' Arbeitskulturen zu implementieren und zu fördern", wie sie in ihrer Studie schreiben. Damit meinen sie Arbeitsumgebungen, in denen es mehr um Professionalität geht, und nicht die Sympathie "als Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit angesehen wird".

Link zur Studie

Dr. Leonie Gerhards lehrt an der Universität Hamburg Betriebswirtschaftslehre, Dr. Michael Kosfeld ist BWL-Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Ihre Studie "I (Don’t) Like You! But Who Cares? Gender Differences in Same-Sex and Mixed-Sex Teams" erschien in "The Economic Journal"

cdi/gp

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2020, 14:49 Uhr

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