Verhaltensforschung Gesten kann man hören – ohne sie zu sehen

Telefonieren Sie mit einer Freisprecheinrichtung? Kopfhörern und Mikrofon? Das ist gut. Denn nur so kann ein Gesprächspartner wirklich alles verstehen. Auch das, was Sie mit den Händen sagen.

Eine Frau beim telefonieren mit einem Smartphone.
Gesten kann man nicht nur sehen, sondern auch hören, sagt eine aktuelle Studie. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Können Sie mit ihren Händen sprechen? Klar werden Sie sagen. Ich gestikuliere ja, und das kann man sehen. Aber kann man das auch hören, ohne es zu sehen? Zum Beispiel beim Telefonieren? Ja, sagen Forschende vom Max Planck Institut für Psycholinguistics in Nijmegen, Holland und ihre Kollegen von der Universität Connecticut, USA.

Gesten sollen Sprache visuell verbessern

Wir gestikulieren ständig, wenn wir reden. Aktuelle Theorien besagen, dass diese Ko-Sprech-Gesten dazu dienen, die Sprache visuell zu  verbessern. Aber wir tun es auch am Telefon. Und selbst blind geborene Menschen gestikulieren beim Reden – und zwar so, wie es auch Sehende tun. Das legt nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen Körperbewegung und Sprachakustik gibt. Und den hat das internationale Team um den Verhaltensforscher Wim Pouw untersucht.

Die Forschenden stellten sich für ihre Studie die Frage: Können Zuhörer Bewegungsinformationen der oberen Extremitäten in der menschlichen Stimme wahrnehmen, ohne sie zu sehen? Dafür ließen sie sechs Probanden den Vokal a (wie im englischen Wort für Kino – cinema) aussprechen – allerdings mit verschiedenen Handbewegungen, nur mit dem Handgelenk oder mit dem ganzen Unterarm. Dreißig andere Probanden bekamen die Aufnahmen über Kopfhörer zu hören und sollten ihre Handgelenke und Arme so bewegen wie die Sprecher. Das Ergebnis: Die Bewegungen waren fast identisch. Oder wie es die Forscher schreiben: "In Übereinstimmung mit unseren Hypothesen stellten wir fest, dass die Zuhörer Bewegungen aus Vokalisationen erkennen und mit diesen synchronisieren konnten."

Gesten werden also nicht nur gesehen - sie können auch gehört werden.

Wim Pouw, Radboud University Nijmegen

Die menschliche Stimme enthält also eine Art Körperabdruck, so die Forscher, den wir erkennen können, ohne ihn zu sehen. Offenbar ein evolutionäres Konzept, dass uns zum Beispiel etwas darüber verrät, in welcher Stimmung unser Gegenüber ist, selbst, wenn wir sie oder ihn nicht sehen.

Die Studie ist unter dem Titel "Akustische Informationen über die Bewegung der oberen Extremitäten beim Sprechen" im Fachmagazin PNAS erschienen.

(gp)

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