PIK-Studie Potsdam Wie zehn Milliarden Menschen satt werden

Die Ressourcen der Erde sind endlich und ein Ersatzplanet ist auch nicht in Sicht. Die gute Nachricht: Wenn wir das, was wir haben, anders als bisher nutzen, kann die Erde auch zehn Milliarden Menschen ernähren. Die unbequeme Nachricht, die mit dieser Prognose Hand in Hand geht: Das erfordert radikales Umdenken, sowohl, was die Nutzung der Ressourcen unseres Planeten angeht, als auch die Ernährungsgewohnheiten in manchen Regionen.

Beregnung eines Kartoffelfeldes
Mit künstlicher Beregnung nachhelfen oder das anbauen, was die Bodenbeschaffenheit hergibt? Bildrechte: imago/Rust

Kann die Erde zehn Milliarden Menschen ausreichend ernähren? Die Antwortet des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung PIK ist ein klassisches "Ja, aber".

Koch und Gäste an Buffet
Gehört für viele zum Urlaub: So viel essen, wie das Buffet hergibt. Bildrechte: imago images / Danita Delimont

Denn die gesicherte Ernährung für so viele Menschen hat ihren Preis: Der Kalorienverbrauch pro Kopf darf nicht höher sein als 2.355 kcal pro Tag, haben die Forscher berechnet. Ist das viel oder wenig, knurrt uns dann der Magen, oder sind wir dann auch noch pappsatt?

Eine Frage der Betrachtung: Menschen in Industrieländern wie in Europa hatten im Jahr 2000 pro Kopf und Tag im Durchschnitt 3.450 kcal zur Verfügung. Für Menschen in Südasien oder in den Ländern südlich der Sahara in Afrika waren es im Jahr 2000 etwa 2.424 kcal pro Kopf und Tag. Und das ist auch für die meisten von uns völlig ausreichend, wie die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zeigen.

Die Potsdamer Forschungsgruppe hat nun in Simulationen berechnet, ob bzw. wie auf der Erde zehn Milliarden Menschen satt werden können.

Diese Simulationen kann man sich auch als Suche nach einem globalen Gleichgewicht vorstellen: Wo auf der Welt überdehnen wir die Grenzen des Sinnvollen, zum Beispiel wenn es um den Einsatz von Dünger geht für maximale Gewinne in der Landwirtschaft. Wo wiederum wäre an anderer Stelle Platz, zum Beispiel für Landwirtschaft, ohne Böden auszulaugen?

Wo wir umdenken müssten

Die Forscher haben die vier Ressourcenfelder betrachtet, die weltweit anders gehandhabt werden müssten als heute: Ökosysteme, Landnutzung, Süßwassernutzung und Stickstoffflüsse, also Düngemittel-Nutzung. Sie kommen zu dem Schluss, dass die derzeitige Nahrungsmittelproduktion zur Hälfte darauf basiert, dass die Ressourcen "ausgeweidet" werden - und das dazu noch ineffektiv: Produzieren wir weiter so wie bisher, kann das am Ende nur 3,4 Milliarden Menschen satt machen, sogar wenn man nur von einem Kilokalorienverbrauch von 2.355 pro Kopf weltweit ausgeht.

Verschwendete Energie: Lebensmittel für die Tonne

Damit mehr als zehn Milliarden satt werden können, müsste man also den Umgang mit Süßwasser, Dünger, Land und Ökosystemen komplett umstricken, landwirtschaftliche genutzte Flächen der Natur überlassen, Essensgewohnheiten umstellen - Proteine müssen nicht zwingend aus tierischen Lebensmitteln kommen - und unseren generellen Umgang mit Nahrung überdenken. Den Forscher zufolge geht zum Beispiel derzeit ein Viertel der produzierten Lebensmittel im Lauf der Produktionskette verloren - auch dieser Verlust ließe sich halbieren.

Abfallhaufen mit Tomaten
Lebensmittelvernichtung - ist vermeidbar, sagen die Forscher. Bildrechte: imago images / imagebroker/theissen

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