Bodenbewirtung Leipzig: Von der Mülldeponie zum blühenden Berg

Müllberge müssen keine toten Hügel bleiben. Das zeigt ein Projekt aus Leipzig, bei der eine Fläche auf einer Deponie erfolgreich begrünt und stabilisiert wurde. Wie funktioniert das?

Zentraldeponie Cröbern
Ähnlich wie die Deponie Gröbern bei Leipzig ragen kahle Mülldeponien in die Landschaft. Könnten sie in Zukunft anders aussehen? Bildrechte: IMAGO / STAR-MEDIA

Optisch sind sie keine Hingucker: Mülldeponien. Das könnte sich in Zukunft ändern. In einer Leipziger Deponie sind jedenfalls 600 Quadratmeter Deponie erfolgreich begrünt worden, wie das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS, mitteilte. Dahinter steckt ein Rezept, das zusammen mit Deponiebetreibern, Klärschlammverwertern, Spezialmaschinenherstellern und Agrarexperten entwickelt wurde und das nun auf einer Versuchsfläche für frische Gräser, Blumen und Stauden sorgt: Substratabfälle aus der Pilzzucht und Klärschlamm-Kompost.

Klärschlamm und Pilzsubstrat als Wertstoffe

Arbeitende in einer Champignonzucht.
Nach der Pilzernte wird das Substrat sterilisiert Bildrechte: IMAGO / Joerg Boethling

Das sind Stoffe, die sowieso da sind: Klärschlamm entsteht in den kommunalen Kläranlagen und enthält das, was dem Deponieboden fehlt: Mikroorganismen. Und das Pilzsubstrat? Zuchtchampignons wachsen in großen Hallen in übermannshohen Regalen, die mit Kompost und einem speziellen Substrat gefüllt sind. Nach der Ernte wird das bisher als Dünger für Getreide oder Gemüse benutzt. Allerdings muss es davor im Ofen sterilisiert werden – ein Prozess, der 30 Prozent des kompletten Energiebedarfs in der Pilzzucht verursacht und bei dem wertvolle organische Inhaltsstoffe verloren gehen. Würde man also die Substratabfälle aus der Pilzzucht nicht verbrennen, sondern auf Deponien ausbringen, würde das der Forschungsgruppe zufolge der Pilzproduktion Energie und Geld sparen.

Ein Wundpflaster aus Klärschlamm und Pilzzucht-Abfall

Pflanzen auf Sandboden
Harte, vertrockneter mit magerem Bewuchs Boden nimmt kaum Wasser auf. Bildrechte: IKTS

Und was bringen denn nun Blumen, Gräser und Stauden auf Mülldeponien, außer einer verbesserten Optik? Die Wurzeln der Pflanzen stabilisieren den Boden und schützen ihn vor Erosion. Regenwasser kann dadurch besser ins Erdreich einsickern, statt auf trocken-hartem Boden wegzufließen oder Ausspülungen zu verursachen. Zudem sinkt der pH-Wert des Bodens, anders als bei unbehandelten Deponiedecken, nicht mehr so stark ab.

Für Nico Domurath, Wissenschaftler für Pflanzenbau am IKTS, hat das Boden-Naturierungs-Projekt eine wichtige gesellschaftliche und ökologische Dimension: "Boden ist eine sehr wertvolle Ressource, die wir schützen müssen". Er verweist auf den Bodenverbrauch: Pro Tag gehen durchschnittlich 54 Hektar Bodenfläche, also etwa 76 Fußballfelder, verloren, für Wohnungs-, Straßen- und Bergbau.

Wie funktioniert das?

Je nach Zusammensetzung des Pilzzubstrats und des vorhandenen unbelebten Bodens wird die "Rezeptur" aufeinander abgestimmt, und zusammen mit dem Klärschlamm aufeinandergeschichtet. Danach vermengen Landmaschinen alles miteinander, bevor Sämaschinen Saatgut auf der neuen Bodenmischung ausbringen. Für Nico Domurath ist das Rezept eine Art Wundverschluss für die Verletzungen, die der Mensch mit dem Bau von Deponien in der Landschaft hinterlassen hat. In einem nächsten Schritt wird nun getestet, ob dieses "Landschafts-Heilpflaster" auch bei der Renaturierung ehemaliger Tagebaulandschaften funktioniert.

Pflanzen
Nach "Behandlung" auf Müllhalde mit Kärschlamm und Resten aus der Pilzzucht blüht und grünt es auf dem einst kargen Boden. Bildrechte: IKTS

lfw

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