Klimakrise Mülldeponien stoßen mehr Methan aus als bisher gedacht

Abfalldeponien stoßen kontinuierlich schädliche Klimagase aus. Forschende vom SRON Netherlands Institute for Space Research konnten nun anhand detaillierter Satellitendaten des Troposphären-Überwachungsinstruments TROPOMI zeigen, dass von Müllkippen deutlich mehr Methan ausgeht als bisher angenommen.

Ein Bagger auf einer Mülldeponie.
Aktive, unabgedeckte Mülldeponien stoßen kontinuierlich die Treibhausgase Kohlendioxid und Methan aus. Bildrechte: IMAGO/Pacific Press Agency

Jeden Tag produziert jeder Mensch auf der Welt Müll. Die einen mehr, die anderen weniger. Dieser Müll landet in vielen Ländern der Erde immer noch auf Deponien. Aus dem Auge, aus dem Sinn. Leider ist er aber nun einmal nicht weg und er wirkt sich auf verschiedene Art und Weise weiterhin auf unser Leben, unsere Umwelt und unser Klima aus.

Abfall produziert Klimagase

Abfall auf Deponien, der organische Komponenten enthält, setzt bei seinem biologischen Abbauprozess Deponiegase frei. Die bestehen zum größten Teil aus Kohlendioxid und Methan. Beides klimaschädliche Gase und Antriebsmotoren für die globale Erwärmung. Ca. 18 Prozent der weltweit anthropogenen, also menschgemachten Emissionen entfallen auf den Abfallsektor. Diese Gaskonzentrationen zu mindern ist also ein wichtiges Mittel im Kampf gegen den Klimawandel.

Natürlich gibt es längst Regelungen, dass solche Deponiegase zu unterbinden bzw. zumindest zu minimieren sind. Deponieabschnitte und Deponien werden deshalb abgedeckt und das Entweichen der Gase regelmäßig kontrolliert. Sogar zur Energiegewinnung nutzbar können sie gemacht werden.

Zwischen 1990 und 2018 sind die gemeldeten Emissionen der festen Abfälle in den Vereinigten Staaten um 38 Prozent zurückgegangen. In der EU hat sich der Wert sogar beinahe halbiert. Leider wird allerdings auch erwartet, dass die Menge der deponierten Abfälle bis 2050 mehr als doppelt so schnell zunehmen wird wie das Bevölkerungswachstum und das vor allem in tropischen Ländern. Die Methanemission könnte also enorm ansteigen.

Mehr Methan-Ausstoß als angenommen

Zu allem Überfluss haben Forschende vom SRON Netherlands Institute for Space Research nun anhand neuer Satellitendaten herausgefunden, dass die Mülldeponien dieser Welt viel mehr Emissionen freigeben als bisher angenommen. Sie untersuchten große Deponien in Buenos Aires, Delhi, Lahore und Mumbai.

Die Daten zeigten, dass die Emissionen auf Stadtebene 1,4 bis 2,6 Mal größer sind als in den allgemein verwendeten Emissionsverzeichnissen angegeben und dass die Deponien sechs bis 50 Prozent dieser Emissionen verursachen.

So zum Beispiel sind die Deponien in Buenos Aires und Mumbai für mehr als ein Viertel der gesamten städtischen Emission verantwortlich. Es ist also dringend nötig, solche Methan-Hotspots ausfindig zu machen, kontinuierlich zu überwachen und entgegenzusteuern. Und das ist mit Satellitenaufnahmen möglich.

Farbig dargestellte Satellitenbilder der Deponie in Buenos Aires. Über der Deponie ist die Methankonzentration besonders hoch un in Orange- und Rottönen dargestellt.
TROPOMI-Daten zeigen die Methankonzentration zwischen 2018 und 2019 auf der Deponie Norte III in Buenos Aires. Diese Deponie ist für etwa die Hälfte der argentinischen Festmüllemissionen verantwortlich. Bildrechte: SRON/TROPOMI

Zusammenspiel verschiedener Messinstrumente

Die Forschenden aus den Niederlanden verwendeten für ihre Studie Daten des Troposphären-Überwachungsinstruments TROPOMI, das seit Oktober 2017 täglich globale Informationen über die Methankonzentration in der Atmosphäre mit einer räumlichen Auflösung von 5,5 x 7 km² liefern. Weil diese Auflösung aber nicht gut genug ist, um tatsächlich punktgenau Methan-Hot-Spots auszumachen, wurden Daten von GHGSat-Satelliten hinzugezogen, die mit einer Auflösung von 25 x 25 m² arbeiten. Das gepaart mit Windinformationen ermöglichte den Forschenden Zielorte mit ausreichender räumlicher Genauigkeit zu ermitteln.

Die Forschenden sehen darin ein leistungsfähiges Instrument zur Erkennung, Lokalisierung und Quantifizierung von Emissionen. So könnten Betreiber uns Aufsichtsbehörden informiert werden und Maßnahmen zur kosteneffizienten Reduzierung von Methanemissionen gefördert werden. Die Ursache für die Emissionen ist dann zwar noch nicht beseitigt, doch die Daten wären ein Mittel, Emissionen besser zu verstehen, bodengestützte Messkampagnen zu leiten und das Emissionsinventar für die Klimapolitik zu verbessern.

JeS