Gefahr von Nebenwirkungen Muskelentspannende Mittel helfen kaum bei Rückenschmerzen

Fast jeder hat es schon erlebt: der Rücken schmerzt heftig, Linderung muss her. Australische Forscher haben herausgefunden, dass Muskelentspannungsmittel dabei kaum helfen. Dafür können sie einige Nebenwirkungen haben.

Eine Frau liegt im Bett und greift sich an ihren Rücken.
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Es ist ein Volksleiden: Fast zwei Drittel der Deutschen haben laut einer Umfrage des Robert Koch-Instituts in den vergangenen zwölf Monaten Rückenschmerzen erlebt, rund 15 Prozent leiden an chronischen Rückenproblemen. Oftmals werden dagegen Medikamente verschrieben, die Muskeln entspannen sollen. Doch diese wirken zumindest bei Schmerzen im unteren Rückenbereich kaum, wie eine australische Studie herausgefunden hat, die im Fachmagazin "Britisch Medical Journal" veröffentlicht wurde.

Keine bessere Wirkung als Placebos oder Nicht-Behandlung

Die Forschenden verglichen dafür die Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit von Muskelentspannungsmitteln mit der von Placebos, anderen Medikamenten und der nicht erfolgten Behandlung. Dafür wurden Untersuchungen an insgesamt 6.500 Erwachsenen aus 31 Studien mit unspezifischen Schmerzen im unteren Rücken zusammengefasst.

Bei den geprüften krampflösenden Medikamenten ohne Benzodiazepin (Wirkstoffe: Carisoprodol, Thizadinin, Thiocolchicosid, Cyclobenzaprin, Orphenadrin) die normalerweise bei akuten Rückenschmerzen innerhalb von zwei Wochen wirken sollen, wurde eine bestimmte Schwelle nicht überschritten, ab der eine klinische Wirkung gemessen werden kann. Auch nach drei bis 13 Wochen stellten die Experten nur maximal geringe Effekte fest. Dazu wurden je ein Antispastikum (Baclofen) und Mittel mit Benzodiazepin (Diazepam) sowie zwei gemischte Schmerzmedikamente (Thiocolchicosid) untersucht.

Patienten sollten besser über Unsicherheiten aufgeklärt werden

Mit niedriger Wahrscheinlichkeit können diese Mittel zudem das Risiko von Nebenwirkungen bei der Behandlung verstärken. Dazu gehören Schwindel, Schläfrigkeit, Übelkeit und Kopfschmerzen. Die Forscher betonen jedoch, dass bei einzelnen Personen durchaus positive Wirkungen durch die Einnahme von Muskelentspannungsmedikamenten auftreten können.

"Wir möchten Mediziner ermutigen, die Unklarheiten bei der Wirksamkeit und der Sicherheit von Muskelrelaxanzien mit ihren Patienten zu besprechen", schreiben die Studienautoren. Denn umfassend informiert könnten die Patienten letztlich auch bessere Entscheidungen treffen. Und sie fordern große, qualitativ hochwertige, placebokontrollierte Studien, "um Unsicherheiten über die Wirksamkeit und Sicherheit von Muskelrelaxanzien bei Kreuzschmerzen auszuräumen".

cdi

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