Studie TU Chemnitz Acht Minuten Massagerolle - da freut sich der Rücken

Ob im Auto, Zug oder Büro oder nach Feierabend auf der Couch: Wir sitzen ständig und vor allem viel zu viel. Das macht nicht nur unserem Herz-Kreislauf-System, sondern auch unserem Rücken zu schaffen. Der braucht nämlich Bewegung. Wenn wir dagegen zu lange sitzen, dann verspannt sich die Rückenmuskulatur. Das haben Bewegungswissenschaftler von der TU Chemnitz jetzt auch wissenschaftlich nachgewiesen und gleich eine Methode entwickelt, die Abhilfe innerhalb von nur acht Minuten schaffen soll.

Silhouette einer Frau, die in einem Büro am Schreibtisch sitzt und sich an den Rücken fasst.
Bildrechte: imago images / Westend61

Es zieht, es zwickt und sticht: Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. Kaum jemand hat nicht irgendwann mal "Rücken". Bewegungswissenschaftler Freddy Sichting von der Technischen Universität Chemnitz wundert das nicht. Wir sitzen viel zu viel, sagt er, nämlich sechs bis zehn Stunden am Tag.

Es ist immer schwer, das Ganze nur auf das Sitzen zu reduzieren. Große Übersichtsarbeiten zeigen, dass Personen, die sehr sehr lange sitzen, häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, teilweise die Sterblichkeit auch früher ist. Das heißt, 'Sitzen ist das neue Rauchen'- an dem Slogan ist tatsächlich etwas dran.

Dr. Freddy Sichting - TU Chemnitz

Wie misst man einen verspannten Rücken?

Ein Mann hält sich die Hände an den schmerzenden Rücken.
Wie verschafft man sich Erleichterung bei verspanntem Rücken im Büro? Bildrechte: imago/Westend61

Außerdem sorgt zu viel sitzen und zu wenig Bewegung für Verspannungen in der Rückenmuskulatur, das ist allgemein bekannt. Dagegen wollten die Chemnitzer Forscher etwas tun, gerade im Hinblick auf Berufsgruppen, die nicht einfach so schnell mal aufstehen können wie Berufs-Kraftfahrer zum Beispiel. Doch dann stellte sich etwas Überraschendes heraus:

Das Kuriose ist, dass zwar sehr viele das Gefühl teilen, dass nach langem Sitzen der Rücken verspannt ist, das aber tatsächlich bisher nicht wissenschaftlich ausführlich untersucht wurde. Das war ein großes Anliegen: Lässt sich das überhaupt nachweisen?

Dr. Freddy Sichting - TU Chemnitz

Selbstmassage an der Wand

Schematische Darstellung: Ein Mensch rollt sich mit einer Rolle zwischen Rücken und Wand auf und ab.
Acht Minuten auf und nieder mit der Hartschaumrolle lockern die Rückenmuskulatur Bildrechte: Julia Gabriel

So mussten die Chemnitzer den Nachweis selbst erbringen, um an entsprechende Daten zu kommen. Dabei haben ihnen knapp 60 Probanden geholfen. Sie wurden in zwei Gruppen geteilt: Der eine Teil durfte sich nach viereinhalb Stunden sitzen acht Minuten lang den Rücken mit einer harten Schaumstoff-Rolle selbst massieren - der andere Teil pausierte ebenfalls acht Minuten, aber nur im Stehen ohne Massage. Davor und danach haben die Forscher gemessen, wie steif die Rückenmuskulatur der Probanden war.

Die Ergebnisse zeigten: Langes Sitzen sorgt tatsächlich für verspannte Rückenmuskeln, erläutert Sichting. Aufstehen allein helfe dagegen nicht, die Massage allerdings sehr gut, sagt der Wissenschaftler:

Mit der Rolle kann seine Rückenpartie massieren. In unserer Studie mussten die Personen an einer Wand lehnen, zwischen sich und der Wand war diese Massage-Rolle. Die Personen haben sich auf und ab bewegt, so dass sie mit dieser Rolle den Rücken an den Stellen massieren konnten, wo sie Probleme hatten.

Dr. Freddy Sichting - TU Chemnitz

Erleichterung nach acht Minuten, aber vorbeugen ist effektiver

Nachdem die Probanden ihren Rücken jeweils eine Minute an acht verschiedenen Stellen massiert hatten, war ihre Rückenmuskulatur sogar wieder genauso wie vor dem langen Sitzen. Wer jeden Tag sehr lange sitzen muss - so wie zum Beispiel ein Busfahrer - kann diese Übung täglich wiederholen, so Sichting. Aber noch besser wäre es, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen.

Der Hinweis, dass man bei Bürotätigkeiten durchaus aller halbe bis einer Stunde aufstehen sollte, um kleinen sportlichen Aktivitäten nachzugehen, diese Empfehlung würde ich weiterhin aussprechen. Die würde ich sogar bevorzugen, bevor man sozusagen zu der Massagerolle greifen sollte. Dann kommt es erst gar nicht zu dieser Versteifung der Muskulatur.

Dr. Freddy Sichting - TU Chemnitz

Mehr Bewegung im Alltag

Generell empfiehlt der Forscher viel mehr Bewegung in den Alltag einzubauen - wenn es denn möglich ist. Für alle anderen forschen die Chemnitzer weiter: Nämlich daran, welchen Einfluss der Druck bei der Massage auf die Muskulatur hat.

Eine junge Frau streckt sich im Büro aus
Wer nicht zwischendurch mal Treppensteigen kann, kann auch Sportübungen im Büro machen. Bildrechte: MDR/Nicky Scholz

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 07. Dezember 2019 | 07:50 Uhr

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