Gefahren für Bergtouristen Klimawandel in den Alpen: Felsstürze und kollabierende Gletscher

Der Klimawandel verändert auch die Gebirge tiefgreifend. Etwa den Mont Blanc und das Matterhorn: Bei den zwei berühmten Alpen-Bergen herrscht aktuell Alarmstimmung wegen Felsstürzen und Gletscherbewegungen.

Das Matterhorn wird seine weltbekannte Zipfelmützen-Gestalt wohl erst einmal nicht verlieren. Aber alte Bergsteigerrouten könnten bald zu gefährlich werden. Der Grund: der allseits bekannte Klimawandel.

Jan Beutel, forscht an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich zu Gletschern und arbeitet als Bergführer. "Da, wo wir früher unseren Rastplatz hatten, sollte man sich heute nicht mehr länger aufhalten", sagt er: Steinschlaggefahr. "Alles, was größer ist als ein halber Apfel, ist potenziell tödlich."

Veränderungen am Matterhorn habe es schon immer gegeben, doch sie werden schneller. "Keine Frage: es gibt zunehmend größere Felsstürze", sagt Beutel. Die Zürcher Forscher untersuchen den Einfluss des Klimawandels auf die Stabilität von steilen Felswänden. Für das Bröckeln sei auch das Auftauen des Permafrosts verantwortlich - Gestein und Sediment, das normalerweise das ganze Jahr über gefroren ist.

"Wir sehen beim Permafrost einen deutlichen Trend zur Erwärmung, der sich insbesondere seit 2010 zeigt", sagt Jeannette Nötzli, Expertin für das Thema Permafrost am WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos.

Permafrost in den Alpen wird wärmer

Zwei Wanderer am Mont Blanc bei Chamonix 1 min
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Am höchsten Berg der Alpen bewegen sich Eismassen. Der Planpincieux-Gletscher am Mont Blanc wird nun mit einem neuen Radarsystem genau beobachtet.

MDR AKTUELL Do 26.09.2019 11:38Uhr 01:03 min

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Nötzli misst mit anderen Wissenschaftlern an 16 Standorten in den Schweizer Alpen die Permafrosttemperaturen in Bohrlöchern von 20 bis 100 Metern Tiefe. Im Sommer tauten die obersten Meter der Permafrostschicht auf.

"Es gibt eine klare Tendenz, dass diese Auftauschicht immer mächtiger wird", sagt die Schweizer Wissenschaftlerin. Nach dem heißen Sommer seien die Temperaturen in den oberen Schichten sehr hoch gewesen. Ob die Auftauschicht in neue Rekordtiefen reicht, könne erst im Herbst beurteilt werden.

Am Blockgletscher Corvatsch-Murtèl bei St. Moritz in Graubünden ist der Permafrost in 20 Metern Tiefe minus 1,2 Grad Celsius kalt, gut ein halbes Grad wärmer als zu Beginn der Messungen vor 32 Jahren.

Touristen werden vom Gletschwerschwund angezogen

Auch auf beim Mont Blanc, dem höchsten Berg der Alpen, gibt es Anlass zur Sorge: Dort bewegt sich der Planpincieux-Gletscher wegen der Erwärmung schneller in Richtung Tal. Der Bürgermeister des beliebten Skiorts Courmayeur ließ aus Sorge vor einem Abbruch zwei Zugangsstraßen im Val Ferret sperren.

Bild des Mont Blanc, dem höchsten Berg Europas.
Der Mont Blanc. Bildrechte: imago images/IP3press

Könnten nun Tonnen von Eis herabrutschen und Bewohner und Touristen unter sich begraben? "Für das Val Ferret gibt es kein Risiko, selbst wenn 250.000 Kubikmeter herunterrutschen", sagte der italienische Klimatologe Massimiliano Fazzini.

Derzeit gibt es aber keinen Grund für übertriebene Warnungen. "Einwohner und Touristen sind nicht in Gefahr - selbst wenn Touristen paradoxerweise von der jetzigen Situation angezogen werden." Ein Spektakel, dass vielleicht schon bald eine Ende finden könnte. Denn wenn der Gletscher kollabiere, dann sei auch die Touristenattraktion dahin.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR Aktuell | 26. September 2019 | 11:40 Uhr

1 Kommentar

Eulenspiegel am 07.10.2019

Ja das Problem Klimawandel in den Alpen. Die Probleme an sich sind ja schon sei Jahrzehnten bekannt. Nur das man immer wieder liest die Veränderungen werden immer schneller. Das lässt nichts gutes ahnen. Und ich denke das ist das Problem. Nicht nur in den Alpen auch von dem Polareis liest man das gleich. Die Veränderungen werden immer schneller.

Vertrocknete Sonnenblume auf einem Feld 44 min
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