Heuschrecken-Plage Pheromone lassen Heuschrecken Schwärme bilden

Nicht umsonst gelten Heuschrecken-Schwärme als biblische Plage: Sie bilden Schwärme von mehreren Millionen Tieren, die gemeinsam über eine Region herfallen und ganze Ernten vernichten können. Forschende aus China haben jetzt herausgefunden, dass ein Pheromon dafür sorgt, dass die Tiere solche Schwärme bilden. Und damit haben sie womöglich den Schlüssel zur Bekämpfung von Heuschrecken-Invasionen gefunden.

Über ein Feld in Indien fliegt ein Schwarm Heuschrecken.
Heuschrecken-Schwärme können ganze Ernten vernichten. Bildrechte: imago images/Hindustan Times

Wenn diese Tiere über eine Region herfallen, ist es eigentlich immer eine Katastrophe: Heuschrecken können sich zu Schwärmen mit mehr als einer Milliarde Tiere zusammenschließen. Und die können etwa ihr eigenes Körpergewicht an Nahrung vertilgen. Beim Fressen stürzen sie sich auf so ziemlich jede Pflanze - also auch auf Ackerflächen, auf denen Pflanzen für die Menschen wachsen. Heuschrecken-Schwärme können ganze Ernten zerstören. Unter so einer Plage leiden derzeit ganze Landstriche: In Pakistan, Indien und Jemen kämpft man gegen die Schwärme und in Ostafrika ist es sogar die größte Heuschreckenplage seit Jahrzehnten.

Pheromone sorgen für Schwarmbildung

Aber wie kommt es, dass die Tiere derartig große Schwärme bilden? Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Chinesischen Akademie der Wissenschaften jetzt herausgefunden. Offenbar sorgen bestimmte Pheromone dafür, dass die Tiere sich gegenseitig anziehen und beieinander bleiben. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin Nature erschienen.

Eine Wanderheuschrecke (Locusta migratoria), sitzt auf einem Stein in Frankreich
Eine Wanderheuschrecke in grau. Es gibt sie aber auch in anderen Färbungen. Bildrechte: imago/blickwinkel

Das Forschungsteam hat eine der am weitesten verbreiteten und gefährlichsten Heuschreckenarten untersucht: die Wanderheuschrecke (Locustia migratoria). Dabei konnten sie eine organische Verbindung mit der Bezeichnung 4-Vinylanisol (4VA) identifizieren. Die würden die Heuschrecken freisetzen, um Artgenossen anzulocken. Denn es handle sich um ein Pheromon und in diesem Fall um einen starken Lockstoff, der Wanderheuschrecken jeden Alters und beiderlei Geschlechts anziehe. Wenn vier oder fünf Heuschrecken beisammen seien, fingen sie an, diesen Lockstoff zu bilden, schreiben die Forschenden.

Schlüssel zur Bekämpfung von Plagen?

Die Wanderheuschrecken verfügen dem Forschungsteam zufolge über bestimmte Sinneszellen, die diese Pheromone wahrnehmen: Die sogenannten basikonischen Sensillen steckten in den Fühlern der Heuschrecken. Hier binde sich das Lockstoff-Molekül an einen Geruchsrezeptor namens OR35. Fehle dieser Rezeptor bei einer Heuschrecke, fühle sie sich weniger stark von dem Lockstoff angezogen, berichten die Forschenden.

Goßer Schwarm Heuschrecken über einem Feld in Pakistan
In Pakistan versuchen Bauern die Tiere mit Lärm zu vertreiben. Bildrechte: IMAGO

Basierend auf diesen Ergebnissen überlegen sie in ihrer Untersuchung, welche Schlüsse sie daraus für die Bekämpfung von Heuschrecken-Plagen ziehen können. Dabei entwerfen sie mehrere Varianten, die man in Zukunft näher untersuchen könnte, um die optimale Lösung zu finden. So schlagen sie unter anderem vor, eine synthetische Version des Lockstoffs 4VA in freier Wildbahn einzusetzen, um die Heuschrecken möglicherweise in Fallen zu locken und sie anschließend zu töten. Eine andere Idee ist, in betroffenen Gebieten eine Chemikalie freizusetzen, die die Aktivität der Pheromon-Moleküle blockiert. So könnte verhindert werden, dass sich die riesigen Schwärme dort überhaupt bildeten, schreibt das chinesische Forschungsteam. Doch um die optimale Lösung zu finden, sind weitere Untersuchungen möglich. Die müssten klären, ob diese oder ähnliche Strategien überhaupt umsetzbar und effizient wären.

(kie)

Wissen

Vorschaubild für den Podcast Meine Challenge, Folge 2: Essen, damit die Welt nicht hungert. Reporterin Daniela Schmidt hält eine Gabel, auf der eine Heuschrecke steckt. 39 min
Bildrechte: MDR Wissen

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