Wasserkraft und Forschung Wie Roboter aus Magdeburg Fische retten sollen

Wasserkraft ist umweltfreundlich, ressourcenschonend – eine der wichtigsten erneuerbaren Energiequellen. Aber sie hat auch eine wenig beachtete dunkle Seite. Für zigtausende Fische ist sie tödlich. Und sogar bei dem Versuch, sie weniger tödlich zu gestalten, kommen jedes Jahr tausende Versuchsfische ums Leben. Das wollen Forscher in Magdeburg ändern. Mit einem Roboterfisch.

Roboterfisch in einem trüben Wasserbecken. Ein Mann beobachtet durch eine Glasscheibe. 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Er sieht einem Fisch schon ziemlich ähnlich. Seinem natürlichen Vorbild aber kann dieser Prototyp noch lange nicht das Wasser reichen. Oder mit den Worten von Stefan Hoerner:

Dieser Fisch ist leider derzeit noch komplett doof.

Stefan Hoerner, Strömungsmechaniker, Uni Magdeburg

Hoerner ist Strömungsmechaniker an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Und dort versucht er, einen Roboterfisch zu bauen. Das macht er nicht allein. Denn der Roboterfisch ist ein Projekt von Wissenschaftlern in Dresden, Jena, Stuttgart und dem estländischen Tallinn.

Tausende Testfische müssen durch die Turbinen

Stefan Hoerner und das internationale Team machen das, um echten Fischen zu helfen. Genau jenen Abertausenden, die sich Jahr für Jahr beim Durchqueren von Wasserkraftwerken tödlich verletzen. Sie werden direkt getroffen, geraten zwischen bewegliche Teile, werden in den Turbulenzen durchgewalkt, so beschreibt es Dr. Falko Wagner vom Institut für Gewässerökologie und Fischereibiologie Jena.

Deshalb müssen Betreiber von Flusskraftwerken nachweisen, dass Fische die Anlagen unverletzt durchqueren können. Das Absurde daran: Für diese Tests werden wieder echte Fische durch die Turbinen geschickt.

Für diese Tierversuche, um solche Mortalitätsraten zu ermitteln, kommen in Deutschland aktuell mehrere tausend Fische bis in Einzelfällen über 100.000 Fische pro Jahr zum Einsatz.

Dr. Falko Wagner, Institut für Gewässerökologie und Fischereibiologie Jena

Robofische mit Blackbox

Solche Tier-Versuche sollen künftig die Roboterfische übernehmen. Mit einem eingebauten Antriebssystem richten sie sich selbständig gegen die Strömung aus. Später sollen Sensoren am Fischkörper Daten zum Verletzungsrisiko liefern. Sollten die Magdeburger Erfolg haben, könnte die Energiegewinnung aus Flüssen ihren bitteren Beigeschmack verlieren. Denn allein in Deutschland gefährden mehr als 7.000 Wasserkraftwerke das Leben der Fische.

Doch was, wenn auch die Roboterfische nicht ohne Schaden davonkommen und in den Turbinen kaputtgehen? Auch dafür hat Strömungsmechaniker Hoerner eine Lösung:

Der Plan ist, dass wir den Kopf wie so eine Blackbox bauen.

Stefan Hoerner

Also wie bei einem Flugzeug. Selbst wenn der Körper des Robofisches kaputt geht, bleibt der Kopf erhalten und mit ihm die Daten. Die Magdeburger sind zuversichtlich, dass ihre Roboterfische in ein paar Jahren mit allen Wassern gewaschen sind.

Wasserkraft in Zahlen

In Deutschland gibt es 7.600 Wasserkraftanlagen, über 6.000 davon sind laut Umweltbundesamt sogenannte Kleinanlagen. Sie erzeugen trotz ihrer großen Zahl nur 20 Prozent der aus Wasser gewonnenen Energie. Über 80 Prozent des Wasserkraftstroms werden im Süden Deutschlands in Bayern und Baden-Württemberg erzeugt. Damit werden in Deutschland rund 3,6 Prozent unseres Bruttostromverbrauchs abgedeckt. In Norwegen und Island wird fast der gesamte Strom aus Wasserkraft gewonnen, weltweit liegt der Anteil bei 16 Prozent.

rw

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