Invasive Arten Schwarzmundgrundel: Kleiner Fisch, fette Schlagzeilen

Ursprünglich gründelte sie im Schwarzen, Kaspischen und Asowschen Meer. Die Schwarzmundgrundel. Der kleine Fisch fühlt sich seit einigen Jahrzehnten pudelwohl in der hiesigen Unterwasserwelt. Ob Rhein, Elbe, Donau: Wie geht es den Flüssen mit dieser Art?

Schwarzmundgrundel
Auf dem Teller: Macht sie nur in Mengen satt. Unter Wasser: Bringt sie ökologische Gleichgewichte durcheinander. Bildrechte: imago images / blickwinkel

"Einmal Schwarzmundgrundel, bitte!" Theoretisch denkbar, dass sie in Zukunft in Restaurants entlang der Elbe auf der Speisekarte steht, denn die Schwarzmundgrundel an sich kann man essen. Allerdings würde das nicht das generelle Problem mit Neogobius melanostomus lösen, wie der kleine Fisch auch heißt. Die Grundel ist zwar essbar, zum Beispiel in Butter geschwenkt, den Schwanz schön resch angebraten - aber nur dann sättigend, wenn man gleich ein paar Stück verspeist. Die Grundel wird nämlich nur 22 Zentimeter lang. Zum Vergleich: Der Karpfen wird bis 85, die Schleie 70, die Barbe sogar 85 Zentimeter lang. Das Zeug zur Konkurrenz auf der Speisekarte hat die Schwarzmundgrundel also nicht. Dafür aber unter Wasser, denn da bringt sie einiges durcheinander.

Schwarzmund Grundel 6 min
Bildrechte: MDR Wissen

Wo kam sie her, wo geht sie hin?

Als invasive Art, die ursprünglich aus dem Schwarzen Meer stammt, verbreitet sie sich seit Jahrzehnten auch in unseren Breitengraden. Anfang der 1990er-Jahre wurde sie erstmals in Österreich, aber auch viel weiter nördlich, in der Danziger Bucht gesichtet. Anfang der 2000er-Jahre tauchte sie in großen deutschen Flüssen wie Rhein und Elbe auf.

Kleiner Fisch - große Schlagzeile

Warum macht der kleine Fisch mit seinem abgeflachten Kopf, nach oben stehendem Maul und Augen, und zum Saugtrichter verwachsenen Bauchflossen also solche Sorgen? Er ernährt sich auch nicht anders als andere Fische: Von Insektenlarven, Muscheln, Schnecken, Flohkrebsen und Fischlaich.

Vogel mit Fisch im Maul
Mahlzeit: Haubentaucher frisst Schwarzmundgrundel Bildrechte: imago images / imagebroker

Sogar Feinde hat die Grundel, im Wasser zum Beispiel Barsch und Zander, außerhalb des Wassers lauern Kormoran und Graureiher. Was sie so gefährlich für unsere Gewässer macht, ist die Effektivität, mit der sie sich fortpflanzt und ihren Nachwuchs bewacht: Zum einen laichen die Weibchen mehrfach im Jahr. Bis zu vier Weibchen nutzen ein Gelege, diese Nester werden mit bis zu 10.000 Eiern an der Unterseite von Steinen festgeklebt. Die Männchen bewachen diese dann. So geschützt kann sich der Nachwuchs prächtig entwickeln.

Warum können die Grundeln sich so ausbreiten?

Das erklärt auch, warum die Fische sich beispielsweise im Rhein schnell stark vermehren konnten. Das Flussufer ist dort über lange Strecken von Blocksteinschüttungen gesäumt - beste Lebensbedingungen für die an sich eher schlechten Schwimmer. Wobei sich das Vorkommen der Schwarzmundgrundeln im Rhein, zehn Jahre nach ihrem ersten Nachweis am Niederrhein 2008, dem Rheinischen Fischereibestand zufolge mehr als halbiert hat. Wie es genau in der Elbe aussieht ist in Zahlen nicht bekannt. Seit 2018 gibt es ein Monitoring, das erfasst, inwieweit die Grundel anderen Elbfischen als Futter dient.

lfw

3 Kommentare

MDR-Team vor 42 Wochen

Hallo lieber Arthur, zunächst geht es um die Ausbreitung in unseren Gefilden und wie dies geschehen konnte. Weiterhin geht es um die Fressfeinde, die die Schwarzmundgrundel hat und um den Rückgang des Bestandes im Rhein. Liebe Grüße

Arthur vor 42 Wochen

Zitat von oben: Wobei sich das Vorkommen der Schwarzmundgrundeln im Rhein, zehn Jahre nach ihrem ersten Nachweis am Niederrhein 2008, dem Rheinischen Fischereibestand zufolge mehr als halbiert hat.
Kann mir jemand den Satz erläutern? Ging es nicht um die Ausbreitung dieses Fisches ?

Nehners Vati vor 42 Wochen

@ MDR Super Artikel! Wer diesen guten Beitrag liest, wird schnell auf vermutlich ungewollte Parallelen stoßen. Vordergründig entsteht die Frage: Warum glauben weltfremde Fantasten, dass Gesetze in der menschlichen Gesellschaft (Umwelt) andere sind, als die, welche in der Natur herrschen? Erst wer komplexe Zusammenhänge begreift, wird zu logischen Schlussfolgerungen kommen. So gesehen, ein echter Beitrag der dem Anspruch Bildungsauftrag auch gerecht wird, weil er zu einer empirischen & dialektischen Denkweise anregt. Bitte mehr davon, denn noch einfacher, besser & verständlicher kann man den Komplex Welt nicht erklären.