Covid-19 Corona-Ansteckung: Ältere und Übergewichtige geben mehr Tröpfchen ab

Corona wird durch Tröpfchen übertragen. Forscher zeigen jetzt: Je älter und übergewichtiger Menschen sind, desto mehr Tröpfchen geben sie ab. Weinger als 20 Prozent stoßen 80 Prozent aller Aerosole aus.

Symbolbild: Tröpfchenwolke beim Niesen in der Luft bei Gegenlicht
Je älter und je übergewichtiger Menschen sind, desto feiner wird der Schleim in ihren Atemwegen bei Ausatmen zerstäubt, desto mehr Aerosole geben sie ab. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/7aktuell

Zu den frühen Rätseln der Corona-Pandemie gehört, warum viele Infizierte kaum andere anstecken, wenige Infektiöse aber offenbar sehr viele andere infizieren. Forscher um David A. Edwards von der Harvard-University haben nun eine mögliche Erklärung gefunden. Sie untersuchten bei 194 gesunden Versuchspersonen im Alter zwischen 19 und 66 Jahren, wie viele Tröpfchen diese über ihren Atem an die Umgebung abgaben.

Je stärker die Infektion, desto kleiner die Tröpfchen

Tröpfchen beziehungsweise Aerosole gelten als Hauptübertragungsweg von Sars-Coronavirus-2. Bei den Experimenten stellten die Forscher fest: Wenige Versuchspersonen gaben sehr viel mehr Tröpfchen ab als die übrigen. Generell galt: Je höher der Body-Mass-Index war und je älter die Versuchsperson, desto höher der Aerosolausstoß. Etwa 18 Prozent der Individuen waren für insgesamt 80 Prozent der Aerosole verantwortlich. Je mehr Aerosole eine Person ausstieß, desto kleiner waren die einzelnen Partikel.

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Außerdem infizierten die Forscher je vier Versuchsaffen mit Sars-CoV-2 und einer Bakterienart, die ebenfalls Lungenentzündungen auslöst. Dann beobachteten sie die abgegebenen Aerosole. Die Tiere schieden ab dem ersten Tag Krankheitserreger aus. Der Höhepunkt wurde zwischen Tag 7 und Tag 14 der Infektion erreicht, ab Tag 28 waren keine Mikroben mehr feststellbar. Analog verhielt es sich mit der Menge ausgestoßener Aerosole: Die Zahl der Tröpfchen stieg steil an ab Tag 3 der Infektion und erreichte bis Tag 7 ihren Höhepunkt. Dann fiel sie bis Tag 14 ab auf das Ausgangsniveau.

Abstands- und Hygieneregeln nicht immer ausreichend

Die Autoren schreiben, auch bei Beobachtungen an Menschen habe sich gezeigt, dass die Menge der ausgeschiedenen Aerosole direkt mit den Symptomen einer Lungenentzündung korrelierten. Die Forscher schließen, dass es diesen Zusammenhang möglicherweise bei allen Infektionen gibt, die die Lungen betreffen. Offenbar werde der Schleim auf den Atemwegen umso stärker in kleine Partikel zerteilt, je älter und übergewichtiger Menschen sind.

Außerdem zeigten die Experimente, dass auf dem Höhepunkt der Infektion die ausgeschiedenen Tröpfchen immer kleiner werden. Das ist insofern gefährlich, weil sehr kleine Aerosole offenbar Masken durchdringen können und weitere Distanzen als zwei Meter überschreiten. Bei einer starken Infektion sind also die gewöhnlichen Schutzmaßnahmen nicht ausreichend.

Die Autoren hoffen, dass sich weitere Forschungsgruppen mit der Frage beschäftigen, wie sich das Zerstäuben von Schleim in den Atemwegen bei älteren und übergewichtigen Menschen stärker verhindern lässt. So könnte auch das Übertragungsrisiko von Corona reduziert werden.

(ens)

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