Forschung in Sachsen Wird Extremwetter vorhersagbar?

Was wäre, wenn man Starkregen, Hochwasser und Überschwemmungen punktgenau vorhersagen könnte? Forscher des Helmholtz-Institutes sammeln dafür im sächsischen Müglitztal Daten über Wetterextreme.

Stürme, Starkregen und Hochwasser sind statistisch häufiger als früher. Könnte man Starkregen, Hochwasser und Überschwemmungen exakt vorhersagen, sähe manche Schadensbilanz nach solchen Naturereignissen anders aus. Verschiedene Forschungsteams des Helmholtz-Zentrums gehen den Wassermassen und ihren Folgen im interdisziplinären Projekt MOSES auf den Grund.

In Sachsen forschen sie im Müglitztal, das dank seiner topographischen Eigenschaften aus Forschersicht regelrecht prädestiniert ist für derartige Untersuchungen. Und schließlich auch, weil man beispielsweise schon 2002 exemplarisch sehen konnte, wie sich Starkregen auswirken kann: Der kleine Fluss Müglitz verwandelte sich binnen kürzester Zeit in einen reißenden Strom, der Häuser und Straßen zerstörte.

Rückblick Müglitztal 2002

Anwohner fotografiert die Verwüstungen am Elbufer nach der Jahrhundertflut im Müglitztal bei Weesenstein.
Bildrechte: imago/STAR-MEDIA
Anwohner fotografiert die Verwüstungen am Elbufer nach der Jahrhundertflut im Müglitztal bei Weesenstein.
Bildrechte: imago/STAR-MEDIA
Luftaufnahme zeigt zerstörte Wohnhäuser im Müglitztal.
Bildrechte: imago/Kai Horstmann
Alle (2) Bilder anzeigen

Rückblick Müglitztal 2002

Müglitz 2002

Bildergalerie

Forschung mit Hindernissen

Die Helmholtz-Forschungen untersuchen seit 2017 im Projekt "MOSES" verschiedene Wetterextreme: Was machen Hochwasser, Starkregen, Überschwemmungen mit dem Boden? Warum entstehen aus gleichen Hochwassermengen auf manchen Flächen Hochwasser und auf anderen aber nicht?

Dazu werden die Daten von Wind, Boden, Temperatur und Wasser akribisch aufgenommen – im optimalen Fall vor und nach dem Wetterereignis. Allerdings ist das mit dem "Vorher" so eine Sache – beispielsweise kamen Anfang Mai die Forscherteams aus Karlsruhe, Jülich und Potsdam wegen eines angekündigten Starkregen-Ereignisses ins Tal - dann aber trafen nur Unwetter-Ausläufer die Region.

Regenmessung mit Laserstrahl

Ein Mann sitzt an einem Tisch vor mehreren Bildschirmen
Hydrologe Marvin Reich Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gemessen wurde trotzdem, die Art der Regentropfen, Winddaten, Bodenmasse. Auskünfte liefern die Messgeräte, die sie dafür entlang der Müglitz in der Nähe von Glashütte postiert haben.

So lässt sich beispielsweise die Größe der Regentropfen mit einem Distrometer ermitteln, zwei längliche silberne Geräte, die optisch an Zeitungsbriefkästen an Einfamilienhäusern erinnern: Fallen Regentropfen zwischen die beiden Kästen, unterbrechen sie einen Laserstrahl. So lässt sich feststellen, wie stark oder schwach ein Regenguss war. Die Bodenmasse wird mit einem Gravimeter untersucht. Hydrologe Marvin Reich vom Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) erklärt im Gespräch mit dem MDR, warum sich die Bodenmasse je nach Regenform verändert:

Starkregen dringt nämlich oft nicht so gut in den Boden ein, wie ein Nieselregen, der längere Zeit andauert. Lang anhaltender Nieselregen bringt mehr Eintrag in den Boden als starker Regen, der oberflächlich abfließt, sagt Marvin Reich:

Man möchte komplett verstehen: kann ich alles Wasser, was vom Himmel gefallen ist, auch im Boden wiederfinden oder wo ist es hin? Und wenn ja, warum hat es sich irgendwo konzentriert und irgendwo anders vielleicht nicht?

Marvin Reich, Hydrologe, GFZ

Stück für Stück rücken die Forscher so den Wetterextremen auf die Pelle. Ein Geduldspiel, denn noch lassen sich ja weder Gewitter noch Niederschläge auf den Meter genau vorhersagen. Die Messreihe im Müglitztal läuft bis Mitte Juli 2019.

Forschung im Müglitztal
Blick auf die Helmholtz-Forschungsstation bei Glashütte Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Hauswand inmitten der Fluten der Müglitz. 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Bild wurde zum Symbol – eine Familie auf einer Mauer inmitten der tobenden Müglitz. 13 Stunden mussten sie dort ausharren, ehe Rettung kam.

MDR FERNSEHEN Fr 07.06.2013 12:41Uhr 02:29 min

https://www.mdr.de/zeitreise/stoebern/damals/video127888.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2019, 15:07 Uhr

Mehr über Wetterextreme

Extreme Wetter, extreme Bilder

Der Jenaer Fotograf Marco Rank ist Storm Chaser - immer auf der Suche nach extremen Wetterereignissen. Daraus entstehen atemberaubende Bilder.

Superzelle Bautzen
Eine sogenannte HP-Superzelle nahe Bautzen in Sachsen. HP sind die niederschlagsintensivsten Superzellen. Bildrechte: Marco Rank
Superzelle Bautzen
Eine sogenannte HP-Superzelle nahe Bautzen in Sachsen. HP sind die niederschlagsintensivsten Superzellen. Bildrechte: Marco Rank
Glorie Lilienstein
Lichterscheinung Glorie auf dem Lilienstein in der Sächsischen Schweiz Bildrechte: Marco Rank
Blitzentladung Jena
Gewitter mit Blitzentladung über Jena. Bildrechte: Marco Rank
Ein pinker Blitz am dunklen Himmel
Wolkenblitz ohne Einschlagspunkt am Boden (bei Gove City in Kansas - USA). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Kitzingen Albertshofen
Eine Shelfcloud bei Kitzingen (Albertshofen). Diese tiefen Wolken treten oft in Verbindung mit Gewittern auf. Bildrechte: Marco Rank
Spiralgalaxie Keilberg
Die Milchstraße - fotografiert über Keilberg (Klinovec). Bildrechte: Marco Rank
Tornado New Mexico
Tornado zwischen Milnesand und Dora in New Mexico. Bildrechte: Marco Rank
Wolken Sankt Peter Böhl
Beutelartige und regenschwere Wolkenform über dem nordfriesischen Watt bei Sankt Peter Ording in Schleswig-Holstein. Bildrechte: Marco Rank
Superzelle Kansas
Aufzug einer Superzelle nahe des Ortes Brewster in Kansas (USA). Bildrechte: Marco Rank
Boeenwalze Fritzla
Aufzug einer Böenwalze (Shelfcloud) nahe Fritzlar in Hessen. Bildrechte: Marco Rank
Alle (10) Bilder anzeigen