Züricher Forscher Effektivste Methode zur Klimarettung: Bäume pflanzen

Wir könnten unser Klimaproblem lösen, wenn wir nur genug Bäume pflanzen. Das jedenfalls sagen Foscher aus Zürich. Wieviel Platz würde man dafür brauchen und was würden die Bäume eigentlich bewirken?

Junger Bauer pflegt Setzlinge für die Aufforstung von gerodeten Flächen im Amazonas-Regenwald.
Aufforstungsprojekt in Brasilien. Bildrechte: imago/imagebroker

Bäume pflanzen fürs Klima? Klingt nach einem Plakat auf einer Demonstration von Umweltschützern, ist aber tatsächlich das, was Züricher Forscher jetzt mit Zahlen untermauert haben: Würden wir eine Fläche von 900 Millionen Hektar Land mit Bäumen bepflanzen, würden die wiederum 205 Gigatonnen CO2 aus der Atmosphäre speichern. Zum Vergleich: 2018 wurden weltweit 37 Gigatonnen Kohlendioxid freigesetzt. Und die 900 Millionen Hektar entsprechen der übrigen Fläche, die die Forscher errechnet haben, wenn man von der weltweiten Gesamtfläche möglicher Bewaldungsfläche die abzieht, die von Menschen benutzt wird.

Also einfach Bäume auf einer Fläche pflanzen, die der doppelten Größe der EU entspricht? Das klingt auf den ersten Blick tatsächlich sehr einfach und beinahe beruhigend. Selbst Thomas Crowther, Professor für Globale Ökosystemökologie an der ETH Zürich und Mitautor der Studie haben die Zahlen verblüfft:

Wir alle wussten, dass die Wiederherstellung von Wäldern eine Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels spielen kann, aber wir wussten nicht wirklich, wie groß die Auswirkungen sind. Unsere Studie zeigt deutlich, dass die Wiederherstellung von Wäldern die derzeit beste Lösung für den Klimawandel ist.

Prof. Thomas Crowther, ETH Zürich

Und jetzt kommt der Haken: Das Ganze muss schnell gehen, denn bis Bäume tatsächlich in vollem Umfang CO2 speichern, müssen sie wachsen - und das dauert. Und der Zeitfaktor birgt verschiedene Gefahren: Die Flächen, die sich zur Aufforstung eignen, schrumpfen durch zwei große Feinde: Menschen, die ihren Lebensraum ausweiten und die Natur, die immer weiter Flächen verwüstet im wahrsten Sinne des Wortes. Die grauen Flächen auf der Grafik zeigen das deutlich, wie viel Wald-untaugliche Fläche es bereits rund um den Globus gibt.

Wo Bäume wachsen könnten

Land, das sich für Bäume eignen würde
Bildrechte: ETH Zurich / Crowther Lab
Land, das sich für Bäume eignen würde
Bildrechte: ETH Zurich / Crowther Lab
Land, das sich für Aufforstung eignen würde
Land, das sich zur Aufforstung anbietet - ohne Wüsten, Landwrtschaft und städtische Gebiete Bildrechte: ETH Zurich / Crowther Lab
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Forscher Crowther mahnt deshalb:

Wir müssen schnell handeln, da es Jahrzehnte dauert, bis neue Wälder ihr volles Potenzial als Quelle für die Speicherung von natürlichem Kohlenstoff entfalten.

Prof. Thomas Crowther,

Besonders großes Potential zur Aufforstung bieten den Studienautoren zufolge Russland, USA, Kanada, Australien, Brasilien und China.

Und was sagen die Kollegen? Das Echo der Wissenschaft...

Animation 1 min
Bildrechte: MDR/Robert Rönsch

Di 14.05.2019 11:14Uhr 01:18 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/Photosynthese100.html

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Unter Forschern werden die KI-gestützten Berechnungen der Schweizer dagegen skeptisch debattiert. Prof. Dr. Felix Creutzig vom Berliner Klima-Forschungszentrum Mercator sieht nicht allein diese Länder mit Aufforstungspotential als die alleinigen Klima-Stopper. Er verweist vielmehr auf unsere Ernährungsgewohnheiten: Würden wir unseren Fleischkonsum verringern, würden weniger tropische Wälder gerodet für das Soja, mit dem massenhaft Schweine, Geflügel und Rinder in gefüttert werden.

Dr. Marcus Lindner vom European Forest Institute in Bonn mutmaßt, dass es beispielsweise in Russland keine technischen Mittel, Arbeitskräfte und verlässliche institutionelle Unterstützung für solche Maßnahmen geben könnte. Hier müsste der Fokus eher darauf liegen, Waldverluste durch Brände zu minimieren und mit gezielter Bewirtschaftung vorzubeugen. Allerdings müsste man dabei nicht nur nach Russland gucken, ganz aktuell zeige sich das ja auch in Deutschland mit vielen hochgradig brandgefährdeten Kiefernbeständen.

Ein Mann blickt von einem Aussichtsturm von Niedersachsen aus über die Elbe auf den Waldbrand auf den Waldbrand bei Lübtheen
Waldbrand Lübtheen - über hunderte Kilometer lag Brandgeruch in der Luft Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: 3sat/nano | 05. Juli 2019 | 18:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juli 2019, 12:50 Uhr