Verhaltensforschung Experimente zeigen: Schweine sind klüger als Hunde

Schwein gehabt – das haben Wissenschaftler der Budapester Universität ELTE. Sie testeten in einer Versuchsreihe bei etwa sieben Monate alten Minischweinen und ähnlich alten Hunden das Verhalten beim Lösen von Problemen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Das verblüffende Ergebnis: Schweine lösen Probleme eigenständiger als Hunde.

Wildschwein Rose (4 Monate) und Hausschwein Babette (5 Monate) zusammen an der Hundehütte
Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

Marianne Wondrak hat 40 Schweine und erforscht schon seit sechs Jahren das Verhalten der Tiere am Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizin der Uni Wien. Dort wurde ein Versuch mit einer nicht lösbaren Aufgabe durchgeführt. Auf der einen Seite stand eine Gruppe Schweine, die bei Menschen in der Familie aufgewachsen sind, auf der anderen eine fast gleiche Anzahl an Hunden.

Die Tiere erhielten einen durchsichtigen Plastiknapf mit Futter. Sie konnten diesen Plastiknapf umwerfen und so das Futter bekommen. Beim zweiten Mal war man der Napf fest am Boden verankert, sodass er nicht umgedreht werden konnte. "Uns hat interessiert: Wie lange werden die Hunde versuchen, bevor sie aufgeben? Und wie lange werden die Schweine das versuchen, bevor sie aufgeben?", sagt Wondrak. "Und vor allen Dingen: Wer von beiden wendet sich an den Menschen, um HIlfe zu bekommen? Wer spricht den Menschen direkt an, indem er sich zu ihm umwendet und Kontakt aufnimmt?"

Schweine waren ausdauernder als Hunde

Das erstaunliche Ergebnis: Die Schweine hielten länger durch, sie entwickelten Ehrgeiz und waren damit selbständiger als die Hunde. Dass Hunde sich hilfesuchend an eine Kontaktperson wenden, hatten auch schon Versuche mit Hunden und Wölfen ergeben. Das - so Wondrak - liegt in der Domestikationsgeschichte der Tiere. Immerhin sind sie seit 15.000 Jahren treuer Begleiter des Menschen.

Domestiziert sind Schweine natürlich auch, nur kamen sie dem Menschen in den letzten Jahrhunderten nicht so nahe. Die Schweine waren in diesem Versuch also selbständiger: Heißt das auch, dass die Borstentiere schlauer sind als die beliebten Fellnasen?

"Es kommt auf den Versuch an", sagt Wondrak. In diesem Fall hätten sich die Schweine mehr Mühe gegeben als die Hunde. Von den Hunden hätten sogar einige ausgeschlossen werden müssen, die gar nicht gelernt hätten, den Becher umzuwerfen.

Die Schweine haben es alle geschafft. Das ist jetzt allerdings ein Kontext, den Schweine sehr gut können, das ist nun mal ihre Wühlbewegung. Ich möchte nicht sagen, dass Hunde dümmer sind als Schweine, aber sie nehmen sich nichts, möchte ich behaupten. Mit Blick auf diesen speziellen Task, der in dieser Studie vorkommt, haben die Schweine besser gelernt als die Hunde.

Marianne Wondrak, Messerli Institut

Schweine wenden sich auch an ihre Menschen

Das Erstaunliche aber: Die Schweine wendeten sich nach einer längeren Zeit eben auch an den Menschen. Was wiederum für ihre Schläue spricht. "Zunächst haben wir gesehen, was wir erwartet haben: Dass sich die Schweine weniger am Menschen orientieren als die Hunde. Aber sie orientieren sich an den Menschen." Bisher sei die Forschung  davon ausgegangen, dass sich das domestizierte Schwein eigentlich ganz ähnlich verhält wie sein wilder Vorfahre und sich nur wenig um den Menschen kümmere. "Aber sie drehen sich tatsächlich zum Menschen um, wenn sie es auch nicht so stark machen wie Hunde. Wie das immer so ist in der Forschung: Man findet etwas und findet hundert neue Fragen."

Nun müsse genauer erforscht werden, auf welche Art und Weise Schweine denn überhaupt kommunizieren? "Das verrückteste an Hausschweinen ist ja, das wir ganz im Gegensatz zum Haushund noch fast nichts über sie wissen, insbesondere über ihr Sozialverhalten und auch über ihr Verhalten einer anderen Spezies, also uns Menschen gegenüber", sagt Wondrak. "Ich selbst, die ich mich schon seit sechs Jahren mit Schweinen befasse, kann nicht zur Gänze verstehen, was jetzt von ihnen als Kommunikation zu mir gemeint ist."

Sozialforschung bei Schweinen noch in den Kinderschuhen

Es könne gut sein, dass die Schweine einfach nur anders mit den Menschen kommunizieren, sagt die Forscherin. "Schweine vokalisieren mehr. Wir haben einen ähnlichen Versuch auch schon mal gemacht: Die grunzen und quietschen und zeigen mit ihren Lautäußerungen, dass sie überhaupt nicht zufrieden sind mit der Situation. Und das Schwänzchen geht anders, und die Ohren stellen sich auf."

Wondrak meint: Was das Sozialverhalten der Schweine angeht, steckt die Forschung noch in den Kinderschuhen. Deswegen, so die Wissenschaftlerin aus Wien, muss umgedacht werden - die Tiere verdienen mehr Wertschätzung. Von der Lernbereitschaft sind sie mit Hunden vergleichbar, was ihre Eigensinnigkeit angeht, ähneln sie eher einer Katze. Wer bei der Haustierwahl also noch unschlüssig ist, kann sich die Frage stellen: Welches Schweinderl darfs denn sein?

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