Verhütung Anti-Babypille: Hormondosen könnten drastisch gesenkt werden

Die Antibaby-Pille ist das wichtigste Verhütungsmittel. Doch die Akzeptanz schwindet, vor allem wegen der Nebenwirkungen. Forscherinnen zeigen nun: Sie funktioniert auch mit deutlich weniger Hormonen.

Eine Frau hält etwas kleines zwischen Daumen und Zeigefinger
Antibabypille: Wie viele Hormone sind wirklich nötig? (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / agefotostock

Wann kommt eigentlich die Pille für den Mann? Gute Frage. Aber die Antwort wird Sie nicht befriedigen. Denn in den vergangenen Jahren wurden sie so oft von Forschenden angekündigt (auch wir haben berichtet, z.B. hier oder hier oder hier), aber zu kaufen ist sie immer noch nicht.

So bleibt es also dabei, dass die Hauptlast der Verhütung bei den Frauen liegt. Die haben aber immer seltener Lust auf den Hormon-Cocktail aus Östrogenen und Gestagenen (Progesteron). Vor allem bei den jungen Frauen unter 20 beobachten die Krankenkassen seit rund zehn Jahren einen deutlichen Abwärtstrend. Die letzten bekannten Zahlen z.B. der Techniker Krankenkasse zeigen, das von 2015 bis 2020 die Zahl der jungen Mädchen und Frauen (von 14 bis 19 Jahren), die die Pille verschrieben bekamen, von 44 Prozent auf 33 Prozent sank. Auch andere Kassen, wie etwa die AOK, melden ähnliche Trends.

Über die Gründe gibt es nur Spekulationen. Eine davon: Das erhöhte Thrombose-Risiko bei den Anti-Babypillen der dritten und vierten Generation.

Wie viele Hormone sind nötig?

Ein internationales Forschungsteam aus Dänemark, den Philippinen, Südkorea und den  USA hat nun in einer kleinen Studie untersucht, wie viel Hormongehalt überhaupt nötig ist, um die sichere Wirkung der Pillen zu gewährleisten. Dabei kamen die Forschenden auf erstaunliche Zahlen. Nach dem Rechenmodell könnte die Dosierung von Hormonen in gängigen Verhütungsmitteln um bis zu 92 Prozent reduziert werden und dennoch den Eisprung wirksam unterdrücken.

Diese hohe Zahl betraf die reinen Östrogen-Präparate. Bei den Progesteron-Mitteln wurde eine Verringerung um 42 Prozent als ausreichend berechnet, so das Forschungsteam. Durch die Kombination von Östrogen und Progesteron konnten die Dosen der einzelnen Hormone aber noch weiter reduziert werden.  

Wie die Antibabypillen wirken Die meisten Antibabypillen bestehen aus zwei Hormonen: Östrogen und Gestagen. Das Gestagen wirkt wie das körpereigene Hormon Progesteron. Die Einnahme bewirkt,

dass der Eisprung unterdrückt wird, solche Pillen heißen Ovulationshemmer,

dass sich keine befruchtete Eizelle in der Schleimhaut der Gebärmutter einnisten kann,

dass der Schleim im Gebärmutterhals für Spermien undurchlässiger wird.

Kleine Studie mit Rechenmodellen

Mit 23 Frauen ist die Zahl der Teilnehmerinnen allerdings sehr klein. Alle Frauen waren im Alter von 20 bis 34 Jahren und hatten einen normalen Menstruationszyklus. Aus den gemessenen Hormonspiegeln entwickelte das Team Rechenmodelle, die die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Hormonspiegeln und den Auswirkungen exogener Hormone darstellen, also der Hormone, die durch die Pillen zugeführt wurden.

Die Autorinnen und Autoren hoffen, dass die Ergebnisse Ärzten "Einblicke in optimale Dosierungsformulierungen und Therapiepläne geben, die den Eisprung unterdrücken können". Denn die Untersuchungen zeigten, wie wichtig es sei, die Hormone während des Zyklus zeitlich zu steuern. Dadurch sei es möglich, die Präparate nur während bestimmter Phasen des Menstruationszyklus zu verabreichen, anstatt in konstanten Dosen.

pm/gp

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story | 08. März 2023 | 20:45 Uhr