Psychologie Macht mehr Freizeit wirklich glücklicher?

"Mein Tag bräuchte 48 Stunden!" Stoßseufzer, die man oft unter Eltern hört, die Arbeit, Privatleben, Termine von Kindern und ihre eigenen sowie den Haushalt unter einen Hut bringen. Aber wären wir mit mehr Stunden am Tag tatsächlich glücklicher, weil wir dann mehr Freizeit hätten?

Frei - Schriftzug und Smiley in einem Terminkalender.
Freie Zeit macht automatisch glücklich? Ein Forschungsteam aus Pennsylvania sagt nein. Bildrechte: imago images / imagebroker / begsteiger

Eine Frage, der ein Forschungsteam aus Pennsylvania (USA) nachgegangen ist und zwar anhand unterschiedlicher Datensätze und eines Online-Gedankenexperiments. Ein Datensatz stammte aus Umfrage mit knapp 21.800 Menschen aus den USA, die zwischen 2013 und 2021 an einer Studie zu ihrem Zeitverbrauch teilgenommen hatten. Dafür hatten sie exakt notiert, wie und was sie wie lange im Laufe eines Tages gemacht hatten. Außerdem notierten sie ihr Wohlbefinden. Die Forscher glichen diese Daten nun ab und entdeckten: mit zunehmender Freizeit nahm das Wohlbefinden zu, pegelte sich bei zwei Stunden ein. Ab fünf Stunden Freizeit sank der Zufriedenheitswert wieder ab. Ein zweiter Datensatz aus einer Arbeiterbefragung zu deren Zeitnutzung aus dem Zeitraum 1992 bis 2008 zeigte denselben Effekt: Nur bis zu einem gewissen Punkt erhöht mehr Freizeit das Wohlbefinden.

Was wäre wenn man heimlich ein paar Stunden mehr Zeit hätte?

In zwei Online-Experimenten ging das Forschungsteam diesem Effekt auf den Grund. Die 6.000 Teilnehmenden mussten sich vorstellen, sie hätten für ein halbes Jahr jeden Tag ein wenig (Viertelstunde), mäßig mehr (3,5 Stunden) oder viel mehr Zeit (sieben Stunden). Dabei zeigt sich, dass die mit der mittleren zusätzlichen Zeitmenge den größten Wohlbefindens-Zuwachs hatten. Bei den Gruppen mit 15 Minuten oder sieben Stunden mehr Freizeit sank das Wohlbefinden. In einer zweiten Versuchsrunde musste eine Gruppe der Versuchspersonen sich vorstellen, dass sie die Zusatzfreizeit produktiv nutzen würde, für Hobbies wie Sport, während die Vergleichsgruppe unproduktive Tätigkeiten wie TV-Konsum oder Computer nutzte. Hier zeigte sich: Die Probanden mit sieben Stunden Zusatzfreizeit fühlten sich ähnlich glücklich wie die mit 3,5 Stunden Zusatzzeit, wenn sie etwas Produktives in dem Zeitraum machten. Bei mehr viel mehr Freizeit und unproduktiven Tätigkeiten gaben die Teilnehmer an, sich weniger wohlzufühlen.

Ein voller Terminkalender
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Das Forschungsteam schließt daraus: Auch wer den ganzen Tag zur freien Verfügung hat, ist nicht zwingend glücklich. Es kommt darauf an, einen bestimmten Zeitrahmen, der zur freien Verfügung steht, auch zu gestalten.

Die Studie lesen Sie hier im Original.

(lfw)

1 Kommentar

part vor 6 Tagen

Tja, leider wurde diese Studie in den USA gemacht, die nicht bekannt dafür sind so überproportional bürokratisch zu sein wie bestimmte Staaten in Europa, wo der Bürger für den Erhalt der Verwaltung zu sorgen hat mit immer neue Verwaltungsakten. Die Freizeit auf dem Kontinent schwindet daher schnell dahin, wenn man nach Feierabend eine aufgeplusterte Bürokratie zu bedienen hat und ich denke das ist international von Staat zu Staat unterschiedlich. Ich denke aber auch das mehr Freizeit die Kreativität des Einzelnen fördert und glücklich macht, was wiederum der ganzen Gesellschaft zugutekommt.