Tschechien Die tschechische Krone - eine Erfolgsgeschichte

Am 8. Februar 1993, haben die Tschechen eine neue Währung bekommen. Die bis dahin noch gültige tschechoslowakische Krone wurde durch eine eigene Landeswährung ersetzt. Heute ist die tschechische Krone eine der stärksten und stabilsten Währungen in Europa – weshalb unsere Nachbarn nicht mal im Traum daran denken, sie gegen den Euro zu tauschen.

Am 08.02.1993 wurde die ehemalige tschechoslowakische Krone in zwei getrennte Währungen aufgeteilt - die tschechische und die slowakische Krone. Statt neue Geldscheine zu drucken, hat man zunächst die alten, tschechoslowakischen mit Klebemarken versehen, die sie dann zu tschechischen Scheinen machten. Im Bild ein 1.000-Kronen-Schein mit einer solchen Klebemarke.
Die tschechoslwakischen Banknoten wurden 1993 zunächst beibehalten, aber mit Aufklebern zu tschechischen bzw. slowakischen Kronen. Bildrechte: Tschechische Nationalbank (ČNB)

Schlimme Szenen hatten die Verantwortlichen befürchtet, als in Tschechien die so genannte Währungstrennung am 3. Februar 1993 verkündet wurde: Panik in der Bevölkerung, Hamsterkäufe und Schlangen vor Wechselstuben, die das einheimische Geld in harte Devisen umtauschten. Entsprechend sorgte man vor. Für die wenigen Tage zwischen Verkündung und Umsetzung der Währungstrennung am 8. Februar wurde jeglicher Zahlungsverkehr eingestellt. An der erst vor einem Monat entstandenen Grenze zur Slowakei half die Armee den regulären Grenzern aus, um ein Überschwappen größerer Altgeldmengen "von drüben" zu verhindern.

Umstellung ging geräuschlos über die Bühne

Tschechische Kronen
Schlangen für den Umtausch gab es selten Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch all die Horrorszenarien traten am Ende nicht ein und die Währungsumstellung, eine der größten Operationen dieser Art in der Geschichte, lief fast geräuschlos über die Bühne. Szenen, wie man sie im Juli 1990 in der DDR sah, als die D-Mark in Ostdeutschland ihren Siegeszug hielt, gab es nicht – weder übermäßiges Gedränge, noch übermäßige Freude über das neue Geld. Nur vereinzelt bildeten sich am ersten Umtauschtag Schlangen vor den Sparkassen und Postämtern – und lösten sich meist bis Mittag wieder auf.

Tschechische Kronen
Maximal 4.000 alte Kronen durften pro Erwachsenem direkt an den Schaltern umgetauscht werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In den ersten Februartagen 1993 konnten sich die Bürger mit dem neuen Geld versorgen. Der Umtauschkurs lag, anders als bei der Einführung der D-Mark in Ostdeutschland, bei 1:1. Weder an den Preisen, noch an den Löhnen änderte sich etwas. Jeder Erwachsene durfte bis zu 4.000 alte Kronen gegen 4.000 neue tauschen. Wer mehr hatte, musste das Geld auf ein Konto einzahlen oder auf der Post eine Geldanweisung an sich selbst schicken – die eingezahlten alten Kronen kamen dann wenige Tage später als neue Kronen nach Hause.

Tschechoslowakische Kronen wurden überklebt

Und die neue Krone wurde Punkt Mitternacht zum 8. Februar 1993 zum einzig gültigen Zahlungsmittel. Wobei sich das neue Geld zunächst nur durch ein einziges Merkmal von dem alten unterschied – auf den alten tschechoslowakischen Scheinen waren kleine Klebemarken angebracht worden, die sie als neue Nationalwährung der Tschechischen Republik markierten. Eigens dafür abkommandierte Bankmitarbeiter waren Wochen vorher schon mit dem Kleben beschäftigt. Genau die gleiche Methode war übrigens schon 1919 nach der Ausrufung der eigenständigen Tschechoslowakei angewandt worden, als man die Kronen-Scheine von Österreich-Ungarn auf diese Art und Weise in tschechoslowakische umwandelte.

Münzschwemme durch Tricksereien

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Aufkleber drauf und fertig war die neue tschechische Krone Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Und auch wenn im Großen und Ganzen alles geordnet verlief, ein wenig Raum für kleine Betrügereien war trotzdem geblieben. Vor allem entlang der neu entstandenen slowakisch-tschechischen Grenze. Denn während in der Slowakei alle alten Scheine ausnahmslos mit Klebemarken versehen wurden, kursierten in Tschechien die kleinen Nominale unverändert weiter. Auch die Münzen blieben zunächst noch auf beiden Seiten der Grenze dieselben. Findige Slowaken horteten also Metallgeld, wenn sie beim Nachbarn einkaufen gehen wollten – oder entfernten von den kleinen Scheinen die Klebemarken der Slowakischen Nationalbank. Mitarbeiter grenznaher tschechischer Bankfilialen erinnern sich noch heute an die Münzschwemme von damals und die kleinen Münzberge, die sie aus Platzmangel sogar in den Gängen stapeln mussten.

Tschechien lässt neue Kronen in Deutschland prägen

Erst im Laufe der folgenden Monate kamen in beiden Nachfolgerepubliken der Tschechoslowakei neue Banknoten und Münzen in Umlauf, die sich deutlich voneinander unterschieden. Das tschechische Hartgeld wurde in Deutschland geprägt, da die ehemalige Staatsmünze sich nunmehr in der Slowakei befand. Bis Sommer 1994 war das Provisorium mit den Klebemarken dann endgültig Vergangenheit.

Euro? Nein, danke.

Und während die slowakische Krone zunächst einmal wegen der geringeren Wirtschaftskraft des Landes eine enorme Abwertung erfuhr, wurde die tschechische Krone zu einer Erfolgsgeschichte. Für viele Menschen hat sie eine ähnliche emotionale Bedeutung wie einst die D-Mark für die Deutschen – weshalb sie nicht mal im Traum daran denken, sie gegen den Euro zu tauschen. Seit Jahren steigt die Zahl der Tschechen, die den Euro ablehnen, kontinuierlich an. Inzwischen sind verschiedenen Umfragen zufolge rund 80 Prozent aller Bürger gegen die Gemeinschaftswährung – und das, obwohl ihr Land eigentlich verpflichtet ist, sie – irgendwann, das Datum wurde nie festgelegt – einzuführen.

Krone gewinnt an Wert

Die Tschechen vertrauen viel stärker der eigenen Währung als ihre ungarischen oder polnischen Nachbarn. Doch es gibt auch rationale Gründe für das Festhalten an der Krone. Seit Jahren gewinnt die die Krone gegenüber den Weltwährungen Euro und Dollar an Wert. Musste man bei der Euro-Einführung im Jahre 2002 noch 32 Kronen für einen Euro berappen, sind es heute nur noch 25 Kronen. Ein paar Jahre lang hielt die Tschechische Nationalbank den Kronenkurs sogar künstlich niedrig, aus Angst, dass die dortige Exportwirtschaft für den Weltmarkt zu teuer werden könnte – woran ja Tausende Arbeitsplätze hängen.

Auch die die niedrigen Inflationsraten, die in vielen Jahren deutlich unter denen der Eurozone lagen, spüren die Bürger unmittelbar im Portemonnaie. Eine angenehme Folge sind zum Beispiel äußerst günstig verzinste Kredite – weshalb die Tschechen sich nie massenhaft in Fremdwährungen verschuldeten, anders als ihre polnischen und ungarischen Nachbarn, die ihre Immobilien mit riskanten Fremdwährungskrediten finanzierten.

Osteuropas "Schweizer Franken"

All das hat der tschechischen Kronen den Ruf des "Schweizer Franken" Osteuropas eingebracht. Und deshalb hat der Euro an der Moldau keinen guten Stand. Warum sollte man etwas abschaffen, was so gut funktioniert, fragen sich viele Bürger. Prognosen von Fachleuten geben ihnen zumindest teilweise Recht – sie gehen davon aus, dass die Krone auch in Zukunft kontinuierlich an Wert zulegen wird – um eineinhalb bis zwei Prozent jährlich gegenüber den wichtigsten Reservewährungen.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Windrose | 25.09.2011 | 16:05 Uhr