MDR ZEITREISE

Prager Frühling

Geschichte

Prager Frühling: Einmarsch mit Ansage?

Die Niederschlagung des Prager Frühlings kam mit Ansage. Fünf Monate vor dem Einmarsch der Sowjets in Prag wurde KSČ-Chef Dubček in Dresden von seinen Genossen aus Moskau, Berlin, Warschau, Budapest und Sofia verwarnt.

Die Prager Bevölkerung umringt am ersten Tag der Besetzung die einrollenden sowjetischen Militärfahrzeuge
Die Niederschlagung des Prager Fühlings kam mit Ansage. Fünf Monate vor dem Einmarsch der Sowjets in Prag am 21. August 1968, wurde KSČ-Chef Dubček in Dresden von seinen Genossen aus Moskau, Berlin, Warschau, Budapest und Sofia verwarnt. Bildrechte: dpa
Die Prager Bevölkerung umringt am ersten Tag der Besetzung die einrollenden sowjetischen Militärfahrzeuge
Die Niederschlagung des Prager Fühlings kam mit Ansage. Fünf Monate vor dem Einmarsch der Sowjets in Prag am 21. August 1968, wurde KSČ-Chef Dubček in Dresden von seinen Genossen aus Moskau, Berlin, Warschau, Budapest und Sofia verwarnt. Bildrechte: dpa
Zeitreise Prager Frühling Dubcek
Am 23. März 1968 laden die KP-Chefs der UdSSR, Polens, Ungarns, Bulgariens und der DDR den Generalsekretär der tschechoslowakischen KP nach Dresden. Schon als die Sitzung im Plenarsaal des Dresdner Rathauses eröffnet wird, ist Alexander Dubček klar: Er und seine Genossen wurden getäuscht. Über wirtschaftspolitische Fragen will hier keiner reden, sondern nur über seine Politik und die Aufhebung der Zensur. - "Als ich merkte, was gespielt wurde, habe ich kurz überlegt, ob ich die Versammlung sofort wieder verlasse. Ich weiß bis heute nicht, ob es ein Fehler war, dazubleiben," schrieb Alexander Dubček in seiner 1992 veröffentlichten Autobiografie Bildrechte: Schwarwel/MDR
Zeitreise Prager Frühling Dudcek
Der Plenarsaal des Dresdner Rathaus, kurz vor der Konferenz 1968 erst von den Werkstätten Hellerau fertiggestellt. Heute steht er unter Denkmalschutz. Links im Bild: die Fenster der Kabinen für die Simultandolmetscher. Gleich zu Beginn bittet Leonid Breschnew das "technische Personal", den Saal zu verlassen, um das "ernste Gespräch" in aller Offenheit in kleinstem Kreise zu führen. Ohne Protokoll. Bildrechte: MDR Zeitreise/MDR
Zeichnung: Männer in Zivil und Uniform hinter einem Tisch
Teil der sowjetischen Delegation sind auch hohe Offiziere der Roten Armee. Völlig unüblich für eine vorgeblich wirtschaftspolitische Zusammenkunft, wie Alexander Dubček später notiert, aber eine wirkungsvolle Drohkulisse. Der Prager Delegationsführer braucht eine ganze Weile, ehe er sich gesammelt hat. Denn das ist auch Teil der Inszenierung: Zuerst soll der "Angeklagte" sich erklären. Und zu diesem Ritual, das weiß Dubcek aus jahrelanger Erfahrung, gehört das demonstrative Üben in Selbstkritik. Die Ankläger prüfen derweil, wieviel Angriffsfläche Dubček bietet. Bildrechte: Schwarwel/MDR
Leonid Breschnew
Leonid Breschnew, zum Zeitpunkt der Konferenz seit dreieinhalb Jahren an der Spitze des Kreml, suggeriert gegenüber der Presse immer wieder Stärke und Geschlossenheit der "Bruderländer". De facto treiben ihn allerdings Walter Ulbricht und der Pole Gomulka vor sich her. Breschnew solle in Dresden schnellstmöglich die direkte Auseinandersetzung mit Dubček wagen. Denn in den Nachbarländern der ČSSR gärt es gewaltig und die Politik der "Konservativen" in Ost-Berlin und Warschau gerät unter Druck. Bildrechte: imago/ITAR-TASS
Zeitreise Prager Frühling Dudcek
Seit Aufhebung der Zensur in der ČSSR durchforsten und sammeln die Botschaften und Geheimdienste der Bruderländer Presseartikel nach belastenden Informationen, die die Politik der Liberalisierung in Prag diskreditieren. "Sie sagen, es sei Liberalismus. Wir sagen: Es ist Konterevolution!" Mit diesen Worten gibt Leonid Breschnew nach Absprache mit den anderen die Stoßrichtung vor. Das Ziel: Rücknahme der Öffnung, Wiederherstellung des vollständigen Machtmonopols der Kommunistischen Partei in der ČSSR. Bildrechte: Schwarwel/MDR
Zeitung
Als die Zeitung "Rudé právo" im Januar 1968 bekanntgibt, dass der neue Erste Sekretär der KPČ Alexander Dubček heißt, hält sich das Interesse der Öffentlichkeit in Grenzen. Eine "Palastrevolution", der Austausch eines kommunistischen Kaders gegen einen anderen, denken die meisten. Doch hinter den Kulissen und vor allem daheim in Bratislava hat Dubček schon in Ansätzen gezeigt, dass seine Politik weitaus progressiver zu werden verspricht. Bildrechte: Rude Pravo/MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Alexander Dubcek und Leonid Brezhnev
Am 22.2.1968 kommen die KP-Führer des Warschauer Pakts erstmals mit dem "Neuen" in Prag zusammen. Aus Sicht von Leonid Breschnew scheint mit der Inthronisation des Slowaken Dubček im krisengeschüttelten ZK der KPC wieder alles in ruhiges Fahrwasser zu kommen. Bildrechte: IMAGO
Leonid Breschnew und Alexander Dubcek
Und Dubcek gibt sich Mühe, das ambitionierte Programm seiner Regierung zu verstecken: "Ich bediente mich vorsichtiger Formulierungen und des üblichen Jargons. Es gab keinen Grund, die alten Konservativen zu früh und zu sehr zu beunruhigen. Ich musste meine Worte und Schritte sorgfältig wählen." A. Dubček – Autobiografie 1992 Bildrechte: imago/CTK Photo
Zeitreise Prager Frühling Dubcek
Auch bei der Konferenz in Dresden wählt Dubček seine Worte mit Bedacht. "Die Rede, die ich vortrage, habe ich nicht vorbereitet. Ich habe nichts ausgearbeitet für diesen Auftritt." Sichtlich nervös versucht sich Alexander Dubček der zentralen Frage zu nähern: Warum haben er und seine Genossen der Aufhebung der Zensur zugestimmt? Seine Antwort: Ohne das Signal einer umfassenden Liberalisierung hätte die ohnehin angeschlagene Partei weiter an Halt in der Bevölkerung verloren: "Ich würde gerne sagen, dass das ZK unserer Partei auch in Zukunft die Dinge in der Hand haben wird. Aber natürlich kann sich manches Unerwartete ereignen." Bildrechte: Schwarwel/MDR
Wladyslaw Gomulka
Die Möglichkeit, dass sich Diskussionen ohne jede Möglichkeit des Eingreifens von oben entwickeln, bringt besonders einen gegen Dubček in Rage: Władysław Gomułka. Gerade erst hat er in Polen die Studentenproteste als konterrevolutionäre, zionistische Erscheinungen gebrandmarkt. Nun will er erreichen, dass die Politik des Dialogs auch in Prag ein Ende findet: "Es ist möglich, dass das in Ihren Ohren so klingt, als ob Ihre Führung, Ihre Politik zu einer Konterrevolution führen. Nein. Solche Schlussfolgerungen ziehen wir daraus nicht." Bildrechte: IMAGO
Walter Ulbricht and Alexandre Dubcek. 12 August 1968
Ganz anders, doch nicht weniger energisch, bekämpft Walter Ulbricht die Tschechoslowaken: "Schon vor fünf Jahren schrieb die westdeutsche kapitalistische Presse, dass die Tschechoslowakei den günstigsten Punkt für die Erosion des sozialistischen Lagers darstellt. Warum? Weil bei Ihnen innerhalb der Intelligenz sich die stärksten prowestlich orientierten Kräfte befinden. (…) Jetzt kommt alles ans Licht, jetzt erfahren wir das alles Schwarz auf Weiß. Früher hat man das geheim gehalten." Bildrechte: IMAGO
Zeitreise Prager Frühling Dubcek
Offizielle Kundgebung am 1. Mai 1968 in Ost-Berlin. Wie sehr sich das Feuer der tschechoslowakischen Revolution ausbreitet, zeigt dieses Bild. Unter den Augen führender SED-Parteimitglieder wird das Vorbild ČSSR gepriesen. Walter Ulbricht tobt und gibt Partei und MfS den Auftrag, die Politik Dubček von nun an massiv zu attackieren, wo immer es geht. Besonders bringt ihn in Rage, dass es die Prager gewagt haben, bilaterale Verhandlungen mit der Bundesrepublik aufzunehmen. Ohne vorherige Konsultation der DDR. Bildrechte: BStU
Zeitreise Prager Frühling Dudcek
Zehn Stunden sitzen sich die Kontrahenten bei der Dresdner Konferenz gegenüber. Drohen, Fordern, Beschwichtigen.Dubček und Genossen fühlen sich wie "kleine Jungen behandelt", vorgeführt. Aber sie behalten ihre Strategie bei. Der Weg sei richtig. Die Kollateralschäden am Rande - bedauerlich, aber kein Hindernis. Die Drohungen der Bruderstaaten einzugreifen, verschweigt er daheim. Dubček wird noch 1992 behaupten, er habe es nicht kommen sehen. Doch bereits im März holen die "Brüder" verbal immer wieder die Daumenschrauben raus. Spätestens als Alexej Kossygin, der mit Breschnew angereiste Ministerpräsident der UdSSR, betont, "Wir überlassen die Sache der Tschechoslowakei nicht unserem Feind, was uns das auch kosten möge!",  liegt die Option eines Einmarschs unverkennbar auf dem Tisch. Bildrechte: Schwarwel/MDR
Sowjetische Panzer rollen eine Straße in Pilsen entlang
Und so kommt es dann auch. Am 21. August 1968 marschieren in den frühen Morgenstunden eine halbe Million Soldaten aus der UdSSR, Polen, Bulgarien und Ungarn in die ČSSR ein. Bildrechte: IMAGO
Zeitreise Prager Frühling Dubcek
Mit kleinen Zetteln und Filzstiften, mit Farbe auf Hauswänden und Bordsteinen – in der gesamten DDR formt sich spontan Protest gegen das Einrücken der Armeen des Warschauer Pakts in der ČSSR. Bildrechte: BStU
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Vor 30 Jahren: Letzter Robotron-Personalcomputer geht in Produktion

Geschichte

DDR-Computergeschichte Der legendäre DDR-PC von Robotron

Vor 30 Jahren ging der letzte serienmäßig hergestellte Robotron in Produktion. Der legendäre Personalcomputer vom Typ EC 1834 war der "IBM-Rechner" des Ostens. Und auch in der DDR gab es eine rege Computerszene.

Robotron Computer
So sah ein PC "Made in GDR" in den 1980er-Jahren aus (links im Bild). Heute sind die PCs sichtlich erschlankt. Der All-In-One PC von Apple wiegt vergleichsweise rund 5,6 Kilo (rechts im Bild). Früher wogen die Computer locker das vierfache. Bis zur Wende baute das Kombinat Robotron zahlreiche Computertypen für den Ost-Markt. Wir stellen Ihnen einige Exemplare aus der Robotron Produktserie vor. Bildrechte: dpa, Heinz Nixdorf MuseumsForum, Paderborn
Robotron Computer
So sah ein PC "Made in GDR" in den 1980er-Jahren aus (links im Bild). Heute sind die PCs sichtlich erschlankt. Der All-In-One PC von Apple wiegt vergleichsweise rund 5,6 Kilo (rechts im Bild). Früher wogen die Computer locker das vierfache. Bis zur Wende baute das Kombinat Robotron zahlreiche Computertypen für den Ost-Markt. Wir stellen Ihnen einige Exemplare aus der Robotron Produktserie vor. Bildrechte: dpa, Heinz Nixdorf MuseumsForum, Paderborn
DDR-Computer vom Typ Robotron A 5120
Dieser "Brotkasten" vom Typ A 5120 kam 1982 als erster Bürocomputer auf den Markt. Für dieses Schwergewicht von rund 36 Kilogramm benötigte man einen stabilen Tisch und eine gute Stromversorgung. Der Rechner kostete zwischen 73.604 und 100.000 Mark. Genutzt wurde er, neben der gewöhnlichen Büroarbeit, vor allem zur Softwareentwicklung, Maschinensteuerung und Datenkonvertierung. Bildrechte: Heinz Nixdorf MuseumsForum, Paderborn
DDR-Computer vom Typ Robotron Z 9001
Das ist nicht nur eine Tastatur: der Robotron Z 9001 war der erste Heimcomputer der DDR. An dieses Kompaktgerät konnte man ein Fernsehgerät als Monitor anschließen und einen Kassettenrecorder als Speichermedium. Durch die geringe Produktionsmenge konnte der Rechner 1984 allerdings fast ausschließlich in Bildungseinrichtungen genutzt werden. Die Nachfolgemodelle des Z 9001 wurden umbenannt in Kleincomputer Robotron, kurz KC 85/1. Bildrechte: Heinz Nixdorf MuseumsForum, Paderborn
DDR-Computer vom Typ Robotron KC 85-3
Ab 1986 kam der Robotron Kleincomputer KC 85/3, das Pendant zum C64 vom Hersteller Commodore auf den Markt. Als Monitor diente wiederum ein TV-Gerät. Am Fernseher musste für die Bildwiedergabe "Kanal 12" eingestellt werden. Als Speichermedium diente die sogenannte "Datasette", bei der sich es um eine klassische Musikkassette handelt, die zur Speicherung von Programm und Daten verwendet wurde. Und die KC 85 gingen auch in die Volksbildung: Im Unterricht und in Computer-AGs konnten Schüler damit arbeiten. Bildrechte: Heinz Nixdorf MuseumsForum, Paderborn
DDR-Computer vom Typ Robotron K 8924
Computer "Made in GDR" wurden vielfältig eingesetzt: Der Robotron vom Typ K 8924 wurde mit Monitor und Tastatur als "Sparkassenrechner" bezeichnet. Er wurde als Schalterterminal gebaut und auch bei der Deutschen Reichsbahn und der Post wurde mit diesem Gerät gearbeitet. Bildrechte: Heinz Nixdorf MuseumsForum, Paderborn
DDR-Computer vom Typ Robotron A 7100
Mit dem Robotron A7100 erfolgte der Serienstart eines ersten PC-Typs als Arbeitsplatzcomputer. Es gab auch eine graphikfähige Version. Dieser erlangte aber keine große Popularität. Nach Angaben des Heinz Nixdorf Museums sank 1988 der Preis auf 39.750 Ost-Mark, während der A7100 bei seiner Einführung 1986 noch 62.226 Mark betrug. Bildrechte: Heinz Nixdorf MuseumsForum, Paderborn
Eine junge Frau sitzt an ihrem Arbeitsplatz im Rathaus von Weimar an einem in der DDR hergestellten Robotron Computer vom Typ 1715 PC.
Der Nachfolger vom Typ 1715 wurde zum erfolgreichsten kleinen Personalcomputer, kurz PC der DDR. Das war der erste Computer, der in größerer Anzahl hergestellt wurde. Von den gefertigten 93.000 Geräten wurden allein 50.000 in die Sowjetunion exportiert. Die Textverarbeitung und Tabellenkalkulation waren die Hauptanwendungsgebiete des PCs. Möglich waren aber auch speziellere Anwendungen, wie hier in der Greifswalder Uniklinik. Allerdings entsprach die technische Ausstattung des PCs dem damals üblichen Standard von westlichen PCs. Bildrechte: dpa
IBM PC 5150
Das Vorbild aus Amerika: Der US-Elektronikkonzern IBM entwickelte 1981 mit dem 5150 den ersten kommerziellen "Personal Computer", kurz PC. Diese Personalcomputer basierten auf dem 16-Bit-Mikroprozessor der Firma Intel, dem i8088. Der PC wurde zum Vorbild für jenen Allzweck-Rechnertyp und setzte damit einen weltweiten technischen De-facto-Standard. Auch die DDR wollte sich an diesem Rechnerkonzept orientieren und entwickelte einen "IBM-Rechner des Ostens". Bildrechte: imago/teutopress
DDR-Computer vom Typ Robotron EC 1832
Mit dem EC 1834 verkaufte Robotron 1988 einen eigenen IBM-kompatiblen Personalcomputer. Mit dem neuen Betriebssystem MS-DOS ließen sich Programme, die auf IBM-Computern liefen, auch problemlos auf dem 1834er einsetzen. Sein Einsatzgebiet war die klassische Büroarbeit: Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbank-Verwaltung. Eine weitere Besonderheit war die Maus als zusätzliches Eingabegerät. Preislich lag der PC, abhängig von der Ausstattung, bei ca. 30.000 Mark. Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines DDR-Bürger betrug 1985 gut 13.000 Mark. Bildrechte: Heinz Nixdorf MuseumsForum, Paderborn
Ein Bild Erich Honeckers hängt im DDR-Museum Zeitreise in Radebeul über Computern aus dem Kombinat Robotron
Am 8. August 1988 ging der letzte serienmäßig hergestellte Personalcomputer in Serienproduktion. Insgesamt wurden ca. 34.000 Stück produziert. Mit dem EC 1834 ging wegen der politischen und wirtschaftlichen Umbrüche in der DDR auch eine PC Ära zu Ende. Heute ist das Gerät ein begehrtes Sammlerstück.
(Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR um 2 | 03.02.2017 | 14:00 Uhr)
Bildrechte: dpa
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